Dürnau Dichterin aus heiterem Himmel

Bei Dorothee Schmid kommt alles, was ihr wichtig ist, zu Papier. Die Dürnauerin dichtet seit vielen Jahren.
Bei Dorothee Schmid kommt alles, was ihr wichtig ist, zu Papier. Die Dürnauerin dichtet seit vielen Jahren. © Foto: Sabine Ackermann
Dürnau / SABINE ACKERMANN 19.02.2015
"Es sprudelt einfach aus mir heraus", sagt Dorothee Schmid aus Dürnau über ihre Gedichte und die Worte, die sie in Reimen zu Papier bringt. Das wirkt immer inspirativ, nie konstruiert - ein verborgenes Talent.

"Ein kleines Blümelein ganz im Verborgenen blüht, es sehnt sich nach etwas Beachtung." Trifft dieser Satz auf Dorothee Schmid zu, dann war Klaus Heider jemand, der um ihr Talent wusste. Die Hobbydichterin aus Dürnau und der vielseitige Künstler begegneten sich immer wieder im Bad Boller Freibad. Sie waren sich sympathisch, kamen ins Plaudern. Und die lebhafte 68-Jährige plaudert gerne, redet viel und ständig. "Es sprudelt wie meine Gedichte einfach aus mir so heraus", erzählt sie nimmt es aber keinesfalls krumm, wenn man sie in ihrem Wortschwall wie so häufig bremsen muss. Sie kann nicht anders. Es passiert, geschieht einfach. "Schreib was von der Kindheit", wurde sie einst gebeten. Wunschtechnisch war's das aber auch. Seitdem gibt es nichts auf Bestellung, es sei vielmehr ein Automatismus, wie auf Knopfdruck. Immer inspirativ, nie konstruiert. Wie ein innerer Zwang kommt alles, was ihr wichtig erscheint, zu Papier. Zeitdokumente, insbesondere Umwelt und Natur, Weltreligionen oder eben: "Dei Sicht, mei Sicht, Einsicht" - ausschließlich handgeschrieben und gereimt. "Inspiriert mich eine Person, ein Anlass, eine Begebenheit, bin ich mit meinem Gedicht oft in zehn, fünfzehn Minuten fertig", verrät die gebürtige Heidenheimerin, die nach vielen Stationen in Südafrika, Giengen, Ebersbach und Zell seit 1994 in Dürnau lebt.

Die Antennen der zweifachen Großmutter sind ständig ausgefahren, quasi in Hab-Acht-Stellung. Insofern reimt sie auch fast zu jeder Tages- und Nachtzeit. In knapp zwei Jahren sind mittlerweile 430 Gedichte zwischen 10 und 170 Zeilen entstanden. So widmete sie Klaus Heider Verse vom Schillerfalter, zollte gleichwohl Landtagspräsident Guido Wolf, Hannes aus Boll, alias Hans-Ulrich Kauderer sowie dem Komiker und "Oberpfälzer Cicero" Norbert Neugirg in Reimform ihren Respekt, was alle vier Herren mit persönlichen Lob- und Dankesworten zu würdigen wussten.

Oft wurde ihr schon vorgeschlagen, die gesammelten Werke ganz im Sinne vieler Mundartdichter in einem Büchlein herauszubringen. "Das ist aufwändig und zudem eine Kostenfrage. Aber mein Mann Bernhard schreibt derzeit alle Gedichte ab und archiviert sie im Computer", verrät Dorothee Schmid lachend. Bis dato gedruckt werden ihre Werke in der Fachzeitschrift: "Einsicht - in die Kooperation mit der Natur", darunter auch ihr Lieblingsgedicht "Aquarius und der Geist der Materie". Ein Auszug: "2000 Jahre Fischezeichen, vorbei ein Teil vom Sonnenjahr. Aquarius stellt jetzt die Weichen und nichts ist mehr, so wie es war. Mit seinem Dreizack er hantiert, des Wassers Kraft er dirigiert und übst du keine Toleranz, verliert dein Erdendasein Glanz. Er ist ein nasser, kalter Tropf, stellt Konventionen auf den Kopf. Er hebt die Welt aus ihren Fugen und ordnet neu der Menschheit Tugend."

Bei ihren Gedichten komme es auf jedes Wort an. Triffst du nur das Zauberwort, wie es bei Eichendorff heißt, so kann man mit einem Gedicht eine ganze Welt erschaffen und Dinge sagen, für die man sonst viele Buchseiten braucht.

Info Lesungen mit Dorothee Schmid gibt es im Alten Schulhaus in Bad Boll, am 28. Februar in Englisch und am 21. März in Deutsch, jeweils von 17 bis 18 Uhr.