Konzert Der Zauber der Marimba im Kurhaus Bad Boll

Bad Boll / Ulrich Kernen 08.11.2018

Mit ihrem jungen Kollegen, dem Spanier Conrado Moya, verzauberte Katarzyna Mycka im Königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll das Publikum auf der Marimba. Bei diesem auf internationalem Niveau musizierenden Duo kommt viel zusammen: ungewöhnliche Klangmischungen durch das für die Marimba typische Tremolo, verbunden mit großer dynamischer Bandbreite und wundervollen Farbenwechseln dank ihrer perfekten Anschlagtechnik. Daneben: höchste technische Vollendung, traumhafte rhythmische Präzision und nahezu blindes Verständnis der Spielpartner.

Wer befürchtete, dass das zu kalter Perfektion führte, wurde eines Besseren belehrt: Alle Stücke strahlten Fröhlichkeit und Leichtigkeit aus, wenn die beiden anmutig an ihrem Instrument „tanzten“. So war ihr Musizieren auch eine Augenweide, denn das Auge hört ja auch bekanntlich mit.

Für ihren ersten Teil hatte das Duo fünf kleinere Werke ausgesucht, in denen all diese genannten Vorzüge überzeugend zu erkennen waren. Schon im ersten Stück, „Departures“ von Emmanuel Séjourné, brachten die beiden den Saal zum Vibrieren. Raffinierte Übergänge zeichneten den Tango Nr. 2 aus der Tango-Suite des Südamerikaners Piazzolla aus. Voller Lebensfreude sprudelte „Alborado del Gracioso“ von Maurice Ravel, und quicklebendig wiegte sich das Duo im „Valse Valse“.  Eine Besonderheit hatte sich die Komponistin Libby Larsen ausgedacht. Sie schrieb vor, dass das Duo an einem Instrument zu spielen habe. Das bedeutete, dass einer gegenüber stand und alles spiegelverkehrt zu spielen hatte. (Man stelle sich nur einmal kurz vor, wenn man das ab und zu mit den Autopedalen machen müsste!) Mit souveränen fliegenden Wechseln während des Stückes meisterten die beiden diese Hürde.

Die Zuhörer ahnten schon, dass im zweiten Teil etwas ganz Besonders auf sie wartete: die Goldberg Variationen BWV 988 von J.S. Bach, ein musikalischer Achttausender von 50 Minuten Länge. Mit nicht nachlassender Spielfreude und Konzentration wanderte das Duo von Variation zu Variation, traf jedes Mal auf Anhieb deren jeweiligen Charakter und schloss sie immer zu einem runden Ganzen ab. Da begegnete man rhythmisch wilden Verwerfungen neben nobel musiziertem „dolcissime“. Bach hatte für sein Monumentalwerk das Prinzip der Gruppenbildung und der Kontraste ausgewählt. Und am Schluss brachte der Schalk Johann Sebastian seine Zuhörer auch noch damit zum Schmunzeln, dass er einen damals gängigen Schlager einbaute … Eine unvergessliche musikalische Gipfelbesteigung! Ulrich Kernen

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