Zur Gartenarbeit kommt Judith Kaczmarek zurzeit kaum. Denn die examinierte Krankenschwester hat sich vor gut einem Jahr entschlossen, ihre Vorstellungen von Pflege und Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen in ihrem eigenen Unternehmen zu realisieren. "Hier kann ich Konzepte entwickeln und meine Ideen umsetzen", betont die Rechberghäuserin.

Auf die Idee, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, war sie nach einer Weiterbildung zur Qualitätsmanagerin im Gesundheitswesen gekommen. Und weil ein Pflegedienst eine Pflegedienstleitung braucht, entschloss sie sich im vergangenen Jahr, diese zusätzliche Ausbildung ebenfalls zu absolvieren. Bevor sie Mitarbeiterinnen einstellen und den Menschen des östlichen Schwurwaldes die Angebote des "Pflegeteams Östlicher Schurwald" offerieren konnte, waren freilich viele Schritte notwendig, manch bürokratische Hürde zu überwinden. Große Unterstützung und wertvolle Tipps erhielt sie bei einem Existenzgründer-Kurs der Industrie- und Handelskammer. "Diese Begleitung war sehr wichtig für mich", betont die 32-Jährige. Da die häusliche Pflege ein Bereich ist, der in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, war es für Judith Kaczmarek leichter als sie erwartet hatte, bei der Bank eine entsprechende Finanzierung zu erhalten. Dann galt es, sich Gedanken zu machen, wo sie ihr Pflegeteam, das zwischenzeitlich Mitglied ist im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, ansiedeln sollte. "Ich habe mich für Rechberghausen entschieden, weil es hier wenig private Pflegeangebote gibt." Sie konnte gemeinsam mit ihrem Mann ein Zweifamilienhaus mieten, in dem sie jetzt lebt und in dessen großzügigen Räumen für die derzeit vier Mitarbeiterinnen Besprechungs- und Sozialräume, eine Teeküche und ein Büro eingerichtet sind.

Zurzeit betreuen sie rund 30 Patienten. "Wir sind noch nicht voll ausgelastet, arbeiten aber wirtschaftlich", freut sich die junge Selbstständige. Das war in den ersten Monaten nicht so. Denn "von den Pflegekassen aus muss ein Pflegedienst zwei Vollzeitstellen für Pflegefachkräfte vorweisen, bevor er in die Patientenbetreuung geht". Judith Kaczmarek: "Das gehört geändert, denn das erschwert die Existenzgründung." Zwischenzeitlich hat sich im östlichen Schurwald herumgesprochen, dass die Mitarbeiterinnen, zu denen auch eine Hauswirtschafterin gehört, sich kompetent und liebevoll um ihre Patienten kümmern. Sie garantieren die Grundpflege von Menschen ebenso wie die medizinische Versorgung mit dem Wechseln von Verbänden, dem Verabreichen von Spritzen oder der Pflege von Kathetern. Die Hauswirtschafterin übernimmt alle Tätigkeiten im Haushalt oder begleitet die Menschen bei Besorgungen. "Dabei sind wir nicht teurer als andere Dienste. Wir rechnen die gleichen Sätze mit den Kassen ab", betont Judith Kaczmarek.

Sie freut sich, dass über die Mund-zu-Mund-Propaganda die Zahl der Patienten stetig wächst. Das belege, dass sie mit ihrem Konzept auf dem richtigen Weg sei. Bereut hat sie ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit deshalb noch keine Minute. Wenn sie auch weiter mit bürokratischen Anforderungen kämpft, insbesondere mit der extrem aufwendigen Pflegebuchführung und zudem derzeit die 24-Stunden-Rufbereitschaft übernimmt. "Mein Bewegungsradius ist also gerade stark eingeschränkt", stellt sie lachend fest. Belastend ist das aber nicht. Denn jetzt will sie sich verstärkt um ihren Garten kümmern. Dabei kommt ihr ihr erstes Studium zugute. Judith Kaczmarek wollte nämlich Landschaftsarchitektin werden, stellte dann aber fest, "dass die Arbeit fast nur aus PC-Arbeit besteht". Sie erinnerte sich, dass sie als Schülerin in Altenheimen ausgeholfen hatte und große Freude an dieser Arbeit hatte. "Die Ausbildung zur Krankenschwester war genau das Richtige für mich."

Serie über Gründer

Gründer Unsere Zeitung stellt in loser Reihe Existenzgründer im Kreis vor. Unternehmer erzählen, warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, was sie daran schätzen, "ihr eigener Chef" zu sein, und wie die Finanzierung klappt.

SWP