Spende Der Weg der gebrauchten Kleider

Freiwillige aus dem Kreis Göppingen sortieren im Sammellager der "Aktion Hoffnung" in Laupheim gebrauchte Textilien. Das Geld aus dem Verkauf von Second-Hand-Ware soll die Kosten für den Transport von Lieferungen an Notleidende decken.
Freiwillige aus dem Kreis Göppingen sortieren im Sammellager der "Aktion Hoffnung" in Laupheim gebrauchte Textilien. Das Geld aus dem Verkauf von Second-Hand-Ware soll die Kosten für den Transport von Lieferungen an Notleidende decken. © Foto: Karl Schönweiler/Kolpingfamilie Göppingen-Geislingen
Kreis Göppingen / TOBIAS FLEGEL 14.07.2015
Gewerbliche, dubiose oder kommunale Sammler von alten Kleidern schaden zunehmend dem Ansehen von gemeinnützigen Initiativen, klagt die Aktion Hoffnung. Eine Unterscheidung fällt aber schwer.

Die Bereitschaft zum Spenden ist groß in Deutschland: Bei bundesweiten Aufrufen um finanzielle Hilfe für Opfer von Naturkatastrophen kommen regelmäßig stattliche Summen zusammen. Vor einigen Wochen zückten die Menschen hierzulande ihr Portemonnaie für die Einwohner Nepals, um deren Not nach mehreren schlimmen Erdbeben zu lindern.

Ihre Hilfsbereitschaft zeigen Mitfühlende nicht nur mit Geld. "Die Leute haben Anfang Juli insgesamt 13 Tonnen alte Kleider abgegeben", berichtet Karl Schönweiler. Er ist bei der Kolpingfamilie im Bezirk Göppingen-Geislingen für Hilfsprojekte zuständig. Allein in der Gemeinde Ottenbach seien rund drei Tonnen an Hosen, Jacken und anderen gebrauchten Sachen zum Anziehen zusammengekommen. "Das ist für uns ein ganz guter Schnitt", sagt Schönweiler. Das beste Ergebnis der vergangenen Jahre habe bei rund vier Tonnen Kleider in Ottenbach gelegen.

Die Sammlung von abgelegten Textilien im katholischen Dekanat Göppingen-Geislingen vor zwei Jahren übertraf sogar die Menge aus der jüngsten Aktion im Juli. Nach Angaben der Einrichtung kamen 2013 insgesamt 15 Tonnen zusammen. Abgesehen von den Sammlungen christlicher Gruppen oder von Hilfsorganisationen tragen die Menschen im Kreis ihre Anziehsachen in die beiden Läden der Diakonie. "Ich denke, es gibt immer noch viele, die ihre Kleider nicht Container schmeißen", glaubt Ursula Steeb. Zum einen wollten die Leute Bedürftige unterstützen, sagt die Zuständige für die zwei Geschäfte. Zum andern wollten sie wissen, was mit den Sachen geschieht.

Der Weg der gebrauchten Kleider ist bei Behältern auf den Parkplätzen von Supermärkten oder anderen Sammelstellen ist für Spender kaum nachvollziehbar. "Der Spendenwille des überwiegenden Teils der Bevölkerung wird ad absurdum geführt", zitiert das Kolpingheim Eislingen Franz Szymanski. Der Assistent der Geschäftsführung von der "Aktion Hoffnung" hatte dem Zusammenschluss im Juni über das Geschäft mit alten Kleidern berichtet. Szymanski zufolge beschädigen gewerbliche, dubiose und kommunale Sammler zunehmend das Ansehen gemeinnütziger Initiativen.

Der "Aktion Hoffnung" vertrauen das katholische Dekanat und die Kolpingfamilie. "Die arbeiten nur mit Partnern zusammen, die sie kennen", sagt Karl Schönweiler. Er sortierte mit 15 anderen Freiwilligen aus dem Kreis am vergangenen Mittwoch die eingesammelten Kleider aus dem Kreis in der zentralen Sammelstelle der "Aktion Hoffnung" in Laupheim. Schönfelder zufolge dokumentiert die Initiative, wohin sie die Textilien transportiert und wo sie im Ausland gelagert werden.

Genauer wird das katholische Dekanat Göppingen-Geislingen. Wie Geschäftsführer Felix Müller mitteilt, transportiert die "Aktion Hoffnung" einen Anteil von 40 Prozent aus den Sammlung zu ihren Partnern für Entwicklungsprojekte oder zu notleidenden Menschen. Alle diese Kleider seien in gutem Zustand. Die restlichen guten Kleider gingen an Second-Hand-Läden; ungefähr ein Viertel der gesammelten Kleider dienen als Material für neue Hosen, Pullis oder Jacken, und aus nicht mehr zum Tragen geeigneten Sachen werden Putzlumpen gemacht. Zehn Prozent der Spenden müssen weggeworfen werden. Die Diakonie im Kreis gibt ihre überschüssigen Kleider jede Woche einer Firma für Textilverwertung aus Langenenslingen bei Riedlingen mit. Das gleiche Unternehmen transportiert auch die Kleider aus den Sammlung des Kolpingwerks zur "Aktion Hoffnung".

In eine ganz andere Richtung dagegen wandern die gebrauchten Kleider aus dem Container auf einem Supermarktparkplatz in Albershausen. Der Besitzer der Behälter ist eine Firma in Bremen. Von dort sollen die Kleider in Second-Hand-Läden gehen oder auf den weltweitem Markt. Nicht zum Tragen geeignete Textilien sollen weiterverarbeitet werden.

Logo als Hinweis

Orientierung: Ein Hinweis auf eine verantwortungsvolle Verwendung von gebrauchten Kleidern soll das Logo "FairWertung" sein. Unter dem Namen verbirgt sich ein Dachverband, dem bundesweit über 100 gemeinnützige Organisationen angehören. Nach Angaben des Verbands kommen die Erlöse aus dem Verkauf gebrauchter KIeider vollständig Bedürftigen zugute.

Container: Firmen oder gemeinnützige Organisationen dürfen Container für Altkleider und Schuhe auf öffentlichen Flächen nur mit dem Einverständnis des Landratsamts aufstellen. Auf einem privaten Grundstück muss der Eigentümer dem Aufstellen eines Behälters zustimmen. Der Landkreis selbst sammelt keine gebrauchten Kleider, stellt aber auf den Wertstoffhöfen Flächen für Container zur Verfügung.

Profit: Das Interesse von Firmen an einem Sammelcontainer hängt vom Preis ab, der für gebrauchte Kleider gezahlt wird, teilt das Landratsamt mit. Nach Ansicht von Ursula Steeb von der Diakonie gibt es in letzter Zeit weniger Behälter, bei denen nicht klar ist, wer sie aufgestellt hat.

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