Trinkwasser Der nächste Meilenstein

In seinem Reich: Der Gammelshäuser  Wassermeister Fritz Maier ist schon fast ein halbes Jahrhundert im Dienst. Jetzt hält eine neue Technik Einzug.
In seinem Reich: Der Gammelshäuser  Wassermeister Fritz Maier ist schon fast ein halbes Jahrhundert im Dienst. Jetzt hält eine neue Technik Einzug. © Foto: Staufenpress
Jürgen Schäfer 08.04.2017

Vier Meter hoch ist der Behälter für den Filter, der im Keller des Gammelshäuser Hochbehälters steht. Vier Meter für dicke Schichten von Sand und Kohle, durch die das Quellwasser sickert und gereinigt wird. Seit 30 Jahren tut er seinen Dienst. „Er funktioniert“, sagt Wassermeister Fritz Maier. Nur habe er seine Leistungsgrenzen. Immer schärfere Vorgaben nach der Trinkwasserverordnung, wie beispielsweise gewisse Grenzwerte, packt er nicht mehr. Ein einziges Bakterium in einer Wasserprobe ist im vergangenen Juli einfach durchgeschlüpft. Und hat den ganzen Ort für Tage zum Abkochen des Trinkwassers gezwungen. Für die Verantwortlichen war das Stress pur. „So eine Situation wünscht man niemanden“, sagt Bürgermeister Daniel Kohl, der unmittelbar nach dem vorliegenden Wasserergebnis eine Krisensitzung im Rathaus einberufen hatte.

Sie mussten vieles, und das möglichst gleichzeitig, machen. Natürlich gibt es einen Notfallplan, dennoch muss in einem solchen Fall strengstens nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes gehandelt werden. Eine äußerst kooperative und enge Zusammenarbeit bescheinigt Kohl dem Göppinger Gesundheitsamt, wofür er in dieser besonderen Situation sehr dankbar war. Auch der Wassermeister, der die Anlage vom ersten Tag an kennt, hatte so einen Störfall noch nicht. Das Quellwasser abstellen, das Chlor hochfahren und laufende Kon­trollen des Chlorgehalts, viel mehr konnte er nicht machen. Die Feuerwehr spülte das Leitungsnetz durch – Hydrant für Hydrant.

   Vor 30 Jahren war der Filter ein Meilenstein. Zuvor gab es keinen. Er wurde eingesetzt in den Bauch des neuen Hochbehälters, der da schon zehn Jahre stand. Man konnte nicht alles auf einmal machen, das war eine Geldfrage, sagt Maier. Für Gammelshausen war das neue Wasserwerk eine große Sache. Bei damals nicht mal 1000 Einwohnern so eine Technik, „das war was“.  Heute könnte man den Schaltschrank aus den 70er Jahren, der noch proper aussieht, ins Technikmuseum stellen. Mit seinen Zeiger-Anzeigen, der liebevollen Aufschrift für die Wässer, die hier einlaufen, das von der Kornberggruppe und den eigenen Quellen.   „Innen noch voll verdrahtet“, sagt Maier. Die Wasserströme und Stände werden mit einem Mechanismus in einem Kasten angezeigt.

Wasser war zu gut

Die neue Zeit heißt Ultrafiltra­tion. Damit wird das Wasser keimfrei. Viele Gemeinden haben das schon. Gruibingen zum Beispiel. Andere noch nicht. Der Eschenbacher Gemeinderat musste sich Anfang des Jahres sagen lassen, dass an Ultrafiltration fast kein Weg vorbeiführe. Für Gammelshausen lief das nicht nach Wunsch. Die Gemeinde braucht Zuschüsse, und die flossen erst mal nicht. „Unser Wasser sei zu gut, hieß es unter anderem“, erinnert sich Kohl. Gut möglich, dass der Störfall im vorigen Juli die Sache beschleunigt hat. Beim nächsten Antrag klappte es. Wobei die Gemeinde seit dem Zwischenfall kein Risiko einging. Die Quellen blieben abgehängt, in die Gammelshäuser Haushalte fließt nur noch Wasser vom Lieferanten, der Kornberggruppe. Dafür nimmt der Gemeinderat einen Verlust von etwa 15 000 Euro im Jahr in Kauf – für Gammelshausen kein Klacks.

Früher täglich und heute jeden zweiten Tag hat Maier die Anlage kontrolliert. Seit fünf Jahren hat er einen Laptop, auf dem die Daten übertragen werden. Chlor, Wassermenge, Wasserstand, Filterwiderstand, Stromversorgung – es gab auch mal einen Blitzeinschlag. „Aber es gibt eine Notversorgung.“ Ventile können ausfallen, der Schieber nicht aufgehen. Wöchentlich kontrolliert er die Quellen, wo sich Sand ansammeln kann, alle zwei Wochen muss er die Filter reinigen. Da wird das Wasser von unten in die Schichten von Sand und Kohle gedrückt, dass die Poren wieder aufgehen. Maier dreht dazu alte Handräder. Auch die Chloranlage will am Laufen gehalten sein.

„Das ist Hobby“

Mehrmals am Tag schaut er auf den Laptop. Auch im Urlaub auf Rügen. „Die Gemeinde ist immer dabei“, schmunzelt er. „Das ist Hobby:  Andere gehen auf den Golfplatz, ich gehe in den Behälter.“  Aber wenn die technische Nachrüstung steht, will er es auslaufen lassen. Ob er der dienstälteste Wassermeister im Kreis ist – er weiß es nicht. Bei den Treffen im Kollegenkreis sieht Maier freilich viele jüngere Gesichter.

Als er 1968 angefangen hat, lief das Wasser noch vom alten Hochbehälter ins Netz, der in der ersten Kehre der Serpentinen nach Gruibingen liegt. Maier kannte ihn von Kind auf, ebenso die Quellen, die sein Vater immer inspizierte. Sechs hat Gammelshausen – soviel, dass der Ort im Winter kein anderes Wasser bräuchte.  Es gibt aktuell ein Gutachten, dass Gammelshausen sogar Dürnau mit beliefern könnte. Aber der Ort braucht auch Wasser von der Kornberggruppe. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig das ist, betont Kohl.

Auch bei Rohrbrüchen muss Maier los. Heute kann er die Lecks eingrenzen. Er weiß noch von Zeiten, als man nicht mal den Wasserausgang erfasste. „Das lief einfach rein und raus.“ In Spitzenzeiten hatte er acht Rohrbrüche im Jahr, einmal am 1. Weihnachtsfeiertag. Im letzten Jahr waren’s nur zwei. Aber Maier kennt auch die löchrigen Leitungen. Kohl will schauen, dass man sie wegkriegt.

Das Wasser wird mit Chlordioxid geimpft

Chlorierung Maier fährt die Gammelshäuser Anlage mit 0,1 Milligramm pro Liter freies Chlor. Das ist Vorschrift. Das Chlor hat sich geändert. Früher war das Natriumchlorid. Heute ist es Chlordioxid.

Impfung Die Chlorierung läuft über eine Impfstelle. Das Chlor wird in einen Verweilbehälter geschickt und reagiert dort.

Leitungen Glücklich ist Maier, dass Gammelshausen nie Bleileitungen hatte. Die ersten waren aus Guss, dann folgte duktiler Guss. Heute verlegt man duktile Gussrohre, die innen wie außen zementiert sind.

Perspektive Für die Gammelshäuser Wasserversorgung gibt es eine Perspektive. Ein Strukturgutachten belegt ein so hohes eigenes Wasservorkommen, dass die Gemeinde beispielsweise auch Dürnau mitversorgen könnte. Zum Tragen kommen könnte das nach der Umrüstung auf Ultrafiltration. Vorher wird das eigene Quellwasser nicht mehr genutzt.

Umrüstung Ende des Jahres soll es soweit sein mit der Umstellung. Vielleicht auch schon früher, sagt Bürgermeister Daniel Kohl. Dann werden die Quellen wieder angeschlossen.

Kosten Für die Modernisierung muss Gammelshausen etwas tiefer ins Säckel greifen als erwartet. Statt 306 000 kostet sie 336 000 Euro. Dafür gibt’s einen satten Zuschuss von 270 000 Euro. Nicht ganz 70 000 Euro muss die Gemeinde beisteuern.

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