Schnittlingen Der Mais ist verdorrt, die Wiesen verbrannt

Schnittlingen / Thomas Hehn 31.08.2018
Dem Getreide hat die Dürre weniger zugesetzt als befürchtet. Aber die Wiesen sind verbrannt und der Mais verdorrt. Das trifft Milchbauern wie Simon Kaiser hart.

Bei der Getreideernte sind die Landwirte in der Region mit einem blauen Auge davon gekommen. Trotz der wochenlangen Trockenheit hielten sich die Verluste bei Ertrag und Qualität in Grenzen. Auf rund 20 Prozent schätzt Simon Kaiser die Einbußen bei Wintergerste und Weizen und will deshalb auch nicht klagen: „Es gab schon schlechtere Jahre.“ Aufatmen kann der Schnittlinger Landwirt aber nicht: Kaiser ist Milchbauer und benötigt für seine 170 Stück Vieh im Stall als Futter nicht nur Getreide, sondern auch Gras und Mais: „Da sieht’s verheerend aus“, stellt Kaiser frustriert fest.

Beim Gras wanderte der erste Schnitt noch ohne große Verluste in Silo. Doch als es dann immer noch nicht regnete, wurde es Schnitt für Schnitt immer enger:  „Am Ende ist das Gras regelrecht verbrannt auf den Wiesen“, schildert Kaiser das Drama. Zuletzt hat er nur die Hälfte seiner 50 Hektar Wiesen gemäht - in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch regnet und das Gras wieder wächst. „Aber das wird wohl nichts mehr“, konstatiert Kaiser resigniert und hat sicherheitshalber einem Landwirt auf den Heidhöfen bereits 15 Hektar Gras abgekauft.

Mais hat der Schnittlinger ebenfalls schon zukaufen müssen. „Der Mais mag’s ja warm, aber regnen sollte es ab und zu halt auch,“ sagt Kaiser. Die Folgen sind unübersehbar. Überall auf der Alb stehen gelb-grüne Wüsteninseln in der Landschaft. Wenn sie überhaupt noch stehen. Normalerweise wird der Mais Ende September, Anfang Oktober geerntet. Doch jetzt fahren die Häcksler schon seit Mitte August über die Felder. Auch Kaiser hat seinen Mais vorzeitig geerntet. „Der musste weg, sonst hätte ich Probleme beim Silieren bekommen.“ Kommen Gras oder Mais zu trocken ins Silo, kann man die Masse nicht mehr ausreichend verdichten. In der Folge kommt Luft in Silage „und sie beginnt zu schimmeln“, klärt der Landwirt auf.

Und dann  wären die Ausfälle noch höher als sie eh schon sind. Durch die Dürre ist der Mais auch schlecht gewachsen und brachte insgesamt weniger Masse: „Die Pflanze ist von unten vertrocknet, daher konnte das Korn oben nicht ausreifen“, erläutert der Bauer. Kleinere Kolben bedeuten aber nicht nur weniger Masse, sondern auch weniger Stärke – und damit auch weniger Energie.

Um sein Viehfutter auf den optimalen Gehalt von Eiweiß und Stärke bringen zu können, wird Kaiser deshalb wohl auch noch Raps zukaufen müssen. Schwacher Trost: der Milchpreis ist gestiegen. Kaiser bekommt derzeit 36 Cent als Grundvergütung fürs Kilo Milch von den Milchwerken Schwaben in Neu-Ulm. Im April waren es 31 Cent.

Und das ist wiederum eine Folge der Dürre, die zu einem bundesweiten Futtermangel geführt hat. Die großen Milchbetriebe im Norden sind davon noch stärker betroffen als im Südwesten: In Niedersachsen und Schleswig-Holstein müssen Landwirte ihre Bestände reduzieren und Kühe schlachten, damit sie über den Winter kommen.

Neue Serie beleuchtet die Landwirtschaft

Sonst tauchen Bauern nur zur
Erntezeit in den Medien auf oder wenn Schweinefleisch- und Milchpreise mal wieder im Tiefflug sind. Mit der Serie „Mit dem Bauern durch das Jahr“, will die GZ einen tieferen Einblick in die Landwirtschaft ermöglichen. Milchbauer Simon Kaiser (29) aus Schnittlingen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, den Lesern seinen Hof
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