Tourismus Der Löwe weist den Wanderern den Weg

Die Geislinger Felsen-Tour ist einer von 15 Löwenpfaden im Kreis Göppingen.  Neun sind bereits beschildert und eingeweiht, der Rest folgt bis zum Start der Wandersaison im Frühjahr. Bei der CMT stellt der Kreis die Löwenpfade in den Mittelpunkt seines Auftritts.
Die Geislinger Felsen-Tour ist einer von 15 Löwenpfaden im Kreis Göppingen.  Neun sind bereits beschildert und eingeweiht, der Rest folgt bis zum Start der Wandersaison im Frühjahr. Bei der CMT stellt der Kreis die Löwenpfade in den Mittelpunkt seines Auftritts. © Foto: Jochen Weis
Kreis Göppingen / Jochen Weis 29.12.2017
Mit den Löwenpfaden will der Kreis Tagestouristen in die Region locken. Bis zum Frühjahr sind alle 15 dieser Wanderwege fertig.

Wandern boomt. Laut einer Studie des Europäischen Tourismusinstituts an der Universität Trier (ETI) aus dem Jahr 2011 frönen 40 Millionen Deutsche dieser Leidenschaft. Und: Wandern ist längst ein Milliardengeschäft. Allein für Ausrüstung und Fahrtkosten gibt dieses Millionen-­Heer jährlich 3,7 Milliarden Euro aus. Dazu kommen weitere 7,5 Milliarden Euro, die die Wanderer bei ihren Touren vor Ort liegen lassen.

Der Kreis Göppingen hat die Zeichen der Zeit längst erkannt und treibt gemeinsam mit den Kommunen und Tourismusverbänden den Ausbau dieses Angebots voran. Jüngstes Kind sind die Löwenpfade, sogenannte Qualitätswanderwege, zertifiziert durch den Deutschen Wanderverband (DWV), der auch eingangs erwähnte Studie in Auftrag gegeben hatte. 15 dieser Löwenpfade, in der Summe 150 Kilometer lang, wird es einmal im Kreis Göppingen geben. Im Juli wurde der erste eingeweiht, die „Felsenrunde“ bei Bad Überkingen. „Inzwischen sind acht weitere fertig, die restlichen sechs folgen bis zum Beginn der Wandersaison“, sagt Holger Bäuerle, Tourismusmanager des Landkreises. Auf der Urlaubsmesse CMT in Stuttgart (13. bis 21. Januar) wird der fürs Marketing zuständige Landkreis seine neue Attraktion bewerben. „Alles ist auf die Löwenpfade ausgerichtet“, sagt Bäuerle, „bei der CMT werden auch die ersten Zertifikate verliehen.“

Zielgruppe sind in erster Linie die Tagestouristen aus dem Stuttgarter Raum sowie aus der Region Ulm. „Die Löwenpfade sind so konzipiert, dass man sie an einem Tag ablaufen kann“, erklärt Bäuerle. „Die Streckenlänge reicht von drei Kilometern bis 17,8 Kilometern. Zwei Wege bei Göppingen und Schloss Filseck werden barrierefrei sein. Damit wollen wir junge Familien gleichermaßen ansprechen wie ältere Menschen oder Menschen mit Handicap.“ Zusammen mit dem ebenfalls zertifizierten Albtraufgänger der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf (ESA), der in sechs Tagesetappen aufgeteilt ist, könne man so das gesamte Spektrum des Wandertourismus abdecken.

Doch weshalb unbedingt ein Zertifikat? Immerhin kostet das eine Kommune für jeden Löwenpfad 1200 Euro. Nach drei Jahren wird eine Re-Zertifizierung für erneut 1200 Euro fällig. Bäuerle: „Ganz einfach: Wir müssen konkurrenzfähig bleiben. Dachverbände wie die Region Stuttgart oder der Tourismusverband Schwäbische Alb bewerben nur noch solche zertifizierten Wege. Und die Besucher legen bei ihren Planungen Wert auf verlässliche Kriterien wie gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV .“

Wobei in Sachen Zertifikat die Anforderungen hoch und damit durchaus werbewirksam sind. „Ein Kriterium ist, dass ein solcher Qualitätswanderweg weniger als 20 Prozent Asphaltanteil hat, ein weiteres, dass 35 Prozent naturnahe Wege sein müssen“, erläutert Bäuerle. „Außerdem dürfen sie nicht an stark befahrenen Straßen vorbeiführen und sollten landschaftliche Besonderheiten und Attraktion aufweisen. Bei letzterem können wir gut punkten.“

Dabei kann der Kreis mit seinen Löwenpfaden schon einen ersten Erfolg in Sachen Werbewirksamkeit verbuchen: Die Felsenrunde ist nominiert für die Auszeichnung „Deutschlands schönster Wanderweg“ (wir berichteten), ausgelobt von der Fachzeitschrift Wandermagazin. Ab 2. Januar läuft bis zum 30. Juni unter www.wandermagzin.de eine Online-­Abstimmung. Außer der Felsenrunde stehen noch 14 weitere Tagestouren zur Wahl.

Dass sich die Löwenpfade möglicherweise mit anderen Wanderwegen im Kreis ins Gehege kommen, diese Befürchtung hegt Bäuerle nicht, im Gegenteil. „Wir sehen das vielmehr als Ergänzung“, betont er. Im Rahmen einer vor drei Jahren beschlossenen Freizeitwege-Konzeption des Landkreises sei auch das Wanderwege-Netz überarbeitet worden. Das umfasst nun aktuell 1200 Kilometer – inklusive Löwenpfade.

„Wir haben das Netz um 300 Kilometer reduziert, indem wir zum Beispiel Parallel-Führungen von Wanderwegen abgeschafft haben“, sagt Bäuerle. „Alle Wege erhalten eine einheitliche Beschilderung, 80 Prozent sind bereits umgesetzt, das Ganze soll bis März abgeschlossen sein.“ Die Kosten dafür, rund 500 000 Euro, trägt der Kreis. Am Ende soll das hiesige ins überregionale, ebenso einheitlich beschilderte Wanderwege-Netz eingebunden sein, „in der Sache passiert auch in anderen Landkreisen viel“. Was letztlich Gebot der Stunde ist, um mit etablierten Urlaubsregionen wie dem Allgäu und dem Schwarzwald auf Augenhöhe zu kommen.

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