Kreis Göppingen Der Jubel ist noch verhalten

So soll eine der Brücken des neuen Albaufstiegs der A 8 einmal aussehen.
So soll eine der Brücken des neuen Albaufstiegs der A 8 einmal aussehen. © Foto: Ministerium für Verkehr und Infrastruktur
Kreis Göppingen / Ilja Siegemund und Dirk Hülser 05.10.2018
Bürgermeister der Anrainer-Gemeinden am neuen Albaufstieg der A 8 freuen sich über den angekündigten Baubeginn.

Der neue A8-Albaufstieg soll nun schneller gebaut werden als erwartet. Schon 2026 könnten die ersten Autos über die neue sechsspurige Strecke zwischen Gruibingen und Hohenstadt rollen. Im Herbst kommenden Jahres soll das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein, 2021 könnten die ersten Bagger rollen.

Sollte der Zeitplan eingehalten werden, fiele Gruibingens Bürgermeister Roland Schweikert ein Stein vom Herzen: „Die Hoffnung hatten wir ja gehabt – nur konnten wir nicht richtig dran glauben.“ Er glaubt, die nun angedachte Marschroute könnte eingehalten werden: „Ich halte es für realistisch, wenn es ganz konzentriert angegangen wird.“ Zwar könne eine Klage der Bürgerinitiative „Drackis“, die eine andere Trassenführung haben will,  das Projekt noch verzögern, doch ein Rechtsstreit könne bereits im kommenden Jahr abgeschlossen sein, meint Schweikert.

Anschließend gehe es an die Ausführungsplanung, „und das ist ja keine einfache Sache“. Schließlich müssten auf der acht Kilometer langen Trasse zwei Tunnel und zwei Brücken errichtet werden. Schweikert weist in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Umstand hin: „Das ist nicht zu vergleichen mit dem, was die Eisenbahn da gerade hinstellt.“ Brücken und Tunnel müssten 38 Meter Breite haben,  sollen sie doch sechsspurig und mit Pannenstreifen gebaut werden.

Ob die anvisierten Kosten von 600 Millionen Euro eingehalten werden können, stellt Schweikert in Frage: „Da habe ich meine Bedenken, zumal die Baufirmen exorbitant ausgelastet sind.“ Zum Vergleich: Der vor fünf Jahren fertiggestellte Schwäbisch Gmünder Einhorn-Tunnel, der im Remstal auf 2,2 Kilometer Länge gebaut wurde, hat statt veranschlagter 100 am Ende 280 Millionen Euro gekostet. Schweikert meint aber: „Ob’s am Ende 600 Millionen oder eine Milliarde sind, ist eigentlich zweitrangig.“ Denn: „Was für eine Alternative gibt’s zum Albaufstieg?“

„Es ist sehr erfreulich, dass sich der Bund zur alleinigen Finanzierung durchgerungen hat“, meint Bad Ditzenbachs Bürgermeister Herbert Juhn. Für ihn ist die Zusage Grundlage dafür, dass das Projekt umgesetzt werden kann. Als „positiv“ bewertet Hohenstadts Bürgermeister Günter Riebort die Nachricht: „Der Bund kommt seiner Aufgabe nach.“ Jubeln könne er aber erst, wenn die vom Bund favorisierten Pläne geändert werden, ergänzt der Hohenstadter Rathauschef. Diese sehen derzeit bei Hohenstadt keine Autobahnauffahrt in Richtung Stuttgart und keine Ausfahrt aus Richtung Stuttgart vor, sondern nur einen „Halbanschluss“ mit Auffahrt in Richtung München und Ausfahrt aus Richtung München. Das sei nicht langfristig gedacht, kritisiert Günter Riebort. „Wer weiß, was in den nächsten Jahren kommen wird?“, fragt der Bürgermeister auch mit Blick auf den Bahnhof, der bei Merklingen entsteht und der zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf der Alb führen werde. Ob der Vollanschluss an die Autobahn bei Hohenstadt realisiert wird, ist noch unklar. Derzeit wird das Planfeststellungsverfahren, also die Baugenehmigung, mit allen Anregungen geprüft.

Herbert Juhn hofft indes, dass das Planfeststellungsverfahren bald abgeschlossen ist, damit der Ausbau zeitnah umgesetzt werden kann. „Das sind wir den Bürgern schuldig, die immer wieder von den Staus auf der A 8 betroffen sind.“

Die Bürgermeister von Wiesensteig, Mühlhausen und Drackenstein waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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