Beförderung Eltern nervt Fahrdienst zur Schule

Der Morgen-Bus nach Süßen: Um 6.50 Uhr geht’s für Schlater Schüler schon los. Mit der Rückfahrt hapert’s: Der einzige Bus nützt nicht allen.
Der Morgen-Bus nach Süßen: Um 6.50 Uhr geht’s für Schlater Schüler schon los. Mit der Rückfahrt hapert’s: Der einzige Bus nützt nicht allen. © Foto: Jürgen Schäfer
Süßen/Schlat / Jürgen Schäfer 24.07.2018
Für den noch neuen Schülerstrom von Schlat nach Süßen gibt es genau einen Bus hin und einen zurück. Eltern müssen einspringen – noch bis Jahresende.

Das Schuljahr geht zu Ende – für etliche Eltern von Schlater Schülern eine Verschnaufpause. Aber sie müssen am Dienstag und Mittwoch nochmal ran. Weil der Schulbus starre Zeiten hat.

Eigentlich ist es kein Schulbus, der seit knapp einem Jahr Schüler von Schlat nach Süßen bringt. Es ist ein Linienbus, sagt Michael Metzig, betroffener Vater und Elternsprecher bei diesem Thema. Das heiße, „dass keine Flexibilität über die Fahrzeiten vorliegt. Somit fährt dieser Bus morgens um 6.50 Uhr nach Süßen und nachmittags um 15.20 Uhr nach Schlat.“ Ausgenommen am Freitag. Da fährt er um 12.46 Uhr von Süßen zurück. Das sei der einzige Tag, an dem es wirklich passt, sagt der betroffene Vater. An anderen Tagen müssen Eltern einspringen. Oder die Schüler fahren über Göppingen zurück nach Schlat. Was aber nicht mit Bus und Bahn vertaktet sei.

Den Bedarf gibt es noch nicht so lange. Dahinter steht die veränderte Schullandschaft, sagt Bürgermeisterin Gudrun Flogaus. In Süßen bildete sich eine Gemeinschaftsschule, die auf Schlat ausstrahlt. Eine Busverbindung gab es aber nicht. Um die Schlater Schüler die fünf Kilometer nach Süßen zu bringen, organisierte die Gemeinde eine „Taxilösung.“

Glücklich war die Bürgermeisterin, dass es dann gelang, einen Bus zu etablieren. Allerdings kostet das. Die Gemeinden Süßen und Schlat tragen das, sagt Flogaus. Wieviel Schlat dafür zahlen muss, sagt sie nicht. „Ein Zuschuss.“

Eine Rundum-Lösung ist das nicht. Weil es auch die Realschüler nach Süßen gibt, die andere Schulzeiten haben. Und weil von Fall zu Fall auch der Schultag anders läuft. Bei Projekttagen. Beim ersten Schultag und beim letzten vor den Ferien. Beispiel Projekttag: Da geht’s erst um 8 Uhr los, die Schüler müssen eine geschlagene Stunde totschlagen. Im Normalfall ist es allerdings auch schon eine halbe. Und jetzt, vor den großen Ferien: Gestern endete die Schule mittags, heute auch, und morgen schon um 11 Uhr, sagt Metzig. Er hat auch schon den ersten Schultag nach den Ferien im Blick. Da gehe es auch nur von 8.15 bis 11.50 Uhr.

Wie es im Alltag aussieht: Montag bis Mittwoch holen Eltern zehn, zwölf Kinder ab, die um halb eins Schulschluss haben. Donnerstags seien es weniger, sagt der Elternsprecher. „Aber gefahren wird auch.“ Jetzt, in den letzten Schultagen, sind es dann alle etwa 30 Schüler, die geholt werden müssten. Sechs bis sieben Autos seien dann unterwegs, wohlgemerkt: „zusätzlich zum Bus“, der dann trotzdem fährt – er ist ja ein Linienbus. Wenn „nur“ die Realschüler zu holen sind, seien drei Eltern im Fahrdienst.  Metzig: „In Zeiten, wo man über Fahrverbote spricht ist dies sicherlich keine vorbildliche Maßnahme. Abgesehen davon, dass es Eltern gibt, die hierfür auch noch Urlaub nehmen müssen.“

Gewiss: Das Ende ist in Sicht. Ab Januar geht die Linie 934 in etwas Neues über. Für Bürgermeisterin Flogaus wird ein Traum wahr. Man habe dann endlich eine Querverbindung im Voralbgebiet. Über Heiningen und Schlat geht’s in beiden Richtungen vom Filstal in die Voralb. Das hatten die Voralbgemeinden im Schulterschluss schon vor etlichen Jahren versucht, im Rahmen eines EU-Leuchtturmprojekts.

Aber noch ist es nicht soweit. Bis Jahresende solle man den Bus um 12.46 Uhr die Woche über einführen, fordert Metzig. Dann wären die Eltern entlastet. Er erinnert an die Elterninitiative, mit der man beim Landratsamt vorstellig gewesen sei. Die Behörde habe gesagt: Bringt uns 21 Abos für einen Schulbus. Jetzt sind es sogar um die 40, die ihn nutzen. Weil auch Berufsschüler nach Geislingen den Bus nach Süßen brauchen können. Die 40, so Metzig sollten Grund genug sein für einen dritten Bus am Tag.

Metzig weiß: Das Geld dafür müssten Schlat und Süßen aufbringen, aber das falle ihnen sehr schwer. „Ihr Budget gibt die Kosten nicht her.“ Bürgermeisterin Flogaus kann dies für Schlat nur bekräftigen. „Das geht nicht.“ Wer soll also zahlen? Der Elternsprecher appelliert an „Politiker und Planer“. Planer deswegen, weil es doch nicht so schwer sein könne, Busse auf besondere Schulzeiten abzustimmen, die lange vorher bekannt seien.

Noch Schatten über der Zukunft

Fahrtzeiten: Alles in Butter sieht Metzig auch nach dem 1. Januar nicht.  Im Gegenteil. Da seien Fahrtzeiten geplant, „die in keiner Weise mit den Schulzeiten vereinbar sind“. Er höre vom Landratsamt, dass es Kindern zuzumuten sei, bis zu 45 Minuten auf den Bus zu warten. Aber da ist noch Hoffnung. Das Landratsamt habe eine Prüfung zugesichert.

Aufnahme: Bürgermeisterin Flogaus war es wichtig, die Verbindung nach Süßen in den Nahverkehrsplan des Kreises aufzunehmen. Die Linie ist auch für Schüler aus Ursenwang interessant. Damit kommen Schüler zur Gemeinschaftsschule und zur Realschule in Süßen. Sie passt auch für Berufsschüler nach Geislingen.

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