Arbeitswelt Hier lebt Deutschlands bester Uhrmacher

Katja Eisenhardt 09.01.2018
Der Schlierbacher Felix Lorch hat seine Ausbildung zum Uhrmacher abgeschlossen – als bundesbester in seinem Fach.

Felix Lorch (Foto) hat ein Händchen für die Zeit: Auf der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf hat er sich für ein sehr altes, traditionelles Handwerk entschieden. Uhren haben ihn schon immer fasziniert, erzählt er. Dass sie einmal seinen  Berufsalltag bestimmen würden, sei aber nicht immer der Plan gewesen, erklärt der 22-Jährige. Stattdessen habe er nach dem Abitur am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium zunächst vorgehabt, Jura zu studieren – „also wirklich was völlig anderes.“

Auf den Beruf Uhrmacher brachte ihn dann sein Bruder, und gelernt hat er schließlich bei der Karl Scheufele GmbH in Birkenfeld bei Pforzheim, einer Chopard-Tochterfirma, wo er nach dem Ende der Ausbildung übernommen wurde. Dort arbeitet Felix Lorch im Service für Chopard-Uhren, die von Kunden aus ganz Europa zur Reparatur und Wartung eingeschickt werden.

Zu den Top 10 der Ausbildungsberufe zählt das Traditionshandwerk nicht. Wenig überraschend. „Es ist wirklich schade, dass diese Ausbildung vergleichsweise wenige auf dem Schirm haben. Uhrmacher zu sein, ist nämlich ein wirklich schöner und abwechslungsreicher Beruf“, findet der 22-Jährige. Er schätzt vor allem die sehr praxisorientierte Ausbildung.

Was man mitbringen muss? „Ruhige Hände und viel Geduld sind nicht schlecht“, sagt Felix und lacht. „Man muss sich Zeit nehmen für eine Uhr. Hektik bringt überhaupt nichts, sonst sind im Zweifel schnell mal acht Stunden Arbeit umsonst gewesen.“ Dazu schade ein theoretisches Grundverständnis für Mechanik und Elektronik nicht, ebenso wenig Mathe- und Physikkenntnisse der Klassenstufe zehn und ein gewisses handwerkliches Geschick. Bei der Reparatur von Uhren sei Genauigkeit, Spaß am Tüfteln und Problemlösen gefragt. Während der Ausbildung habe er mit ganz unterschiedlichen Modellen gearbeitet, erzählt Felix Lorch. Das reichte von modernen kleinen Quarzuhren bis zu ganz alten großen Standuhren, bei denen es schon fast in Richtung Restauration ging. „Diese Vielfalt ist wirklich spannend. So steckt man in die Reparatur und Wartung einer 120-jährigen Uhr schon gut einen Tag Arbeit. Dann ist es umso schöner, wenn sie wieder läuft.“ Bei den modernen Modellen gehe das mit gut drei Stunden im Schnitt schneller.

Es ist ein filigranes Arbeiten, wenn die Uhren in ihre vielen Einzelteile – einige davon wahre Kleinstteile – zerlegt, genau unter die Lupe genommen, gesäubert und gewartet und an­schließend wieder Stück für Stück zusammengebaut werden, gegebenenfalls mit zuvor selbst angefertigten Ersatzteilen. „Man sieht am Ende, was man geschafft hat. Allein schon deshalb könnte ich mir einen Bürojob heute nicht mehr vorstellen“, sagt Lorch. Er ist mit seiner Entscheidung sehr glücklich, für seinen Beruf kann er sich richtig begeistern. „Wenn ich mich zum Beispiel freue, wenn bei einer Uhr die Datumsanzeige springt, kann das vermutlich sonst keiner so recht nachvollziehen“, sagt er lachend.

In seiner Freizeit engagiert sich der Schlierbacher in der Freizeitleitung des Evangelischen Jugendwerk Bezirk Göppingen. Beruflich geht es Anfang 2018 für ein Jahr in die Schweiz, das Land der genialen Uhrwerke. „Danach werde ich wohl meinen Meister machen, vielleicht wäre später auch mal die Arbeit als Restaurateur interessant. Oder ich hänge noch ein technisches Studium dran, zum Beispiel im Bereich Feinwerktechnik. Mal sehen.“ Möglichkeiten gibt es für ihn jedenfalls genug.