Schlat Den Wald wertschätzen lernen

Schlat / Jürgen Schäfer 07.09.2018
Zwei Tage im Schlater Wald mit Übernachtung sind der Renner im Ferienprogramm mehrerer Gemeinden. Das Angebot ist spannend.

Der Schlater Wald ist einfach spitze. Er ist nicht nur ein Eldorado der Naherholung, sei es Wandern, Joggen, Radfahren, Reiten oder Baden in den Schlater Seen, er eignet sich auch trefflich für ein Schülerferienprogramm größeren Kalibers. „Den Wald bei Tag und Nacht erleben“ kann man hier – dank der Hermannshütte mit Übernachtung. Der Schlater Revierförster Erich Staib bietet das seit Jahren an, zusammen mit Freja und Hans-Jörg Lamparter sowie etlichen anderen Helfern, für Schüler aller Gemeinden in seinem Revier. Ein Dauerbrenner: Diesmal waren’s wieder 31 Kinder aus Schlat, Heiningen, Süßen und Gingen. „Den Zulauf haben wir immer“, sagt Staib. Die Anzahl ist schon am Limit. Obwohl sich nicht weniger als neun Betreuer um die Kinder kümmern. Darunter drei Jugendliche, die aus dem Camp herausgewachsen sind.

Das Programm ist habhaft. Fünf Angebote gab’s am ersten Nachmittag. Die Schüler konnten sich zwei raussuchen, und neu war etwas aus dem Metier des Försters: Bäume fällen. Natürlich keine dicken, und eigentlich ging es darum, „den Wald von übermorgen zu gestalten“. Will heißen: Von den Jungbäumen müssen etliche weichen, damit andere Platz zum Wachsen haben.

Etwas für Jungs? Nicht unbedingt. Celine und Juli, zwei Freundinnen aus Schlat, wollen die Waldarbeit kennenlernen. Sie wissen schon, dass man eine Kerbe in einen Baum reinhaut, wenn man ihn fällen will, damit er in die gewünschte Richtung kippt. Förster Staib nickt. Er wundert sich, dass es der Biber anders macht, nämlich den Baum ringsherum annagt. Da könne er dem Tier doch auf den Kopf fallen.

Die Schüler lernen, den Wald mit den Augen des Försters zu sehen. Welche der jungen Eichen, die hier mehr oder weniger gerade gewachsen sind und sich mit den Kronen berühren, sollen weg? Welcher Baum kann sich am besten entwickeln? Prüfende Blicke. „Manchmal ist es knifflig“, sagt der Förster. Was man nicht sieht: Der Jungwald ist die Folge einer Verwüstung: Orkan Lothar hat hier mal abgeräumt.

Es wird ernst für die Bäume, die ein rotes Band bekommen haben. Die Fallrichtung bestimmen, Kerbe reinsägen, dann von der anderen Seite ansetzen. Der Förster macht es vor, dann sind die Mädchen dran. Celine und Juli ziehen und schieben mit der Handsäge. Es klappt. Aber: „Schon anstrengend“, findet Juli, die jüngere von beiden. Sie beißen sich durch. Für die armdicke Eiche wird die Luft dünn. Dann der Ruf: „Achtung, Baum fällt!“ Das ist wichtig, schärft der Förster den Schülern ein. „Baumfällen ist eine sehr gefährliche Arbeit.“

Wer will als erster? Fast alle Hände gehen nach oben. Schwindelfrei sind die Jungs und Mädchen, die mit Markus Kottmann und Johannes Groß vor einer Buche stehen, die Groß zu einem Kletterbaum präpariert hat.  Alle halbe Meter gibt’s einen Klettergriff, außer an Astpartien. In vielleicht 20 Meter Höhe hat Groß das Sicherungsseil fixiert. Zwei Stunden hat er dafür gebraucht.

Für Rafael (9) keine allzugroße Herausforderung. „Ich bin schon in der Halle geklettert.“ Konzentriert steigt er hinauf, sucht und findet den nächsten Griff, macht auch mal Pause. „Soll ich weiter?“ lacht er verschmitzt, und ärgert sich dann, dass ihn eben etwas gestochen hat. Er geht ganz rauf. „Super“ lobt ihn Kottmann. Vanessa (8) und Lisa (9) sind auch nicht beeindruckt von der Höhe. „Ich war schon im Kletterwald von Laichingen“, sagt Vanessa.

Geführtes Reiten mit Ponys

Mit Ponys durch den Wald geht’s mit Freja  Lamparter. „Wir machen Überholerles“, schmunzelt sie. Der jeweils letzte zieht an den anderen vorbei und setzt sich an die Spitze. Das ist geführtes Reiten, und und eigentlich sind immer die Mädchen daran interessiert, sagt sie. Unterwegs sammeln sie Fichtenzapfen, für einen Wettbewerb im Zielwerfen.

In eine Schlucht geht’s bei der Bachwanderung. „Das ist fast schon ein Canyon“, erläutert Hans-Jörg Lamparter. Vier, fünf Meter fallen da die Steilwände ab. Das ist immer wieder eine Attraktion.

Den Wald bei Nacht erleben: In der Dunkelheit tasteten sich die Schüler an einem Seil entlang, das 100 Meter weit über Stock und Stein in den Wald hineinführt. Das ist dann schon eine Anspannung. „Gestern gab’s keinen Mond“, sagt der Förster. Und dann das Kontrastprogramm: Die Kinder mussten sich in der Dunkelheit anhand von Tierlauten finden. Die einen versteckten sich und ahmten Tierlaute nach, die anderen spürten sie auf. „Ein richtiges Tierkonzert“, schmunzelt Staib.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Wald zu erkunden. Eine Orientierungswanderung mit Aufgabenzettel und ein Geländespiel machten den zweiten Tag spannend. Förster Staib sieht vieles, was die Kinder erfahren, lernen oder trainieren konnten: Das Gruppenerlebnis, soziales Verhalten, die eigenen Grenzen erkennen. Ihm geht es darum, dass Kinder den guten Draht zum Wald kriegen. Nach dem Motto: „Wer den Wald schätzen lernt, wird ihn später eher schützen.“ 

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