Kreis Göppingen Tourismus im Stauferkreis flott machen

Wenn es um den Tourismus im Kreis geht, dann greift selbst Geislingens OB Frank Dehmer zum Hammer, wie hier beim Aufbau des Standes zur Stuttgarter Freizeitmesse CMT im Januar. Gemeinsam an einem Strang ziehen, heißt die Devise zum Tourismus.
Wenn es um den Tourismus im Kreis geht, dann greift selbst Geislingens OB Frank Dehmer zum Hammer, wie hier beim Aufbau des Standes zur Stuttgarter Freizeitmesse CMT im Januar. Gemeinsam an einem Strang ziehen, heißt die Devise zum Tourismus. © Foto: Kathrin Bulling
Kreis Göppingen / Von Michael Rahnefeld 12.04.2018
Bei einem Treffen in der Göppinger IHK loten Anbieter, Kommunen und Landkreis Chancen und Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit aus.

Vor fünf Jahren wurden im Landkreis Göppingen nach vielen Erhebungen und Untersuchungen die Weichen für den Tourismus zwischen Alb und Fils gestellt. Eine Konzeption wurde verabschiedet. Seither hat sich viel getan, um die Vorgaben und Ziele zu erfüllen. Der Tourismus-Manager Holger Bäuerle kümmert sich seither im Landratsamt um die strategischen Dinge, die beiden Tourismusverbände im Landkreis,  Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf (ESA) und Tourismusgemeinschaft Stauferland, um das operative Geschäft. Die ersten Hausaufgaben sind also gemacht. Jetzt geht es darum in einer konzertierten Aktion, den Tourismus richtig flott zu machen. Die Voraussetzungen sind gut, große Teile der Infrastrukturen geschaffen, es gilt jetzt noch, gemeinsam anzupacken, sich zu vernetzen, ein wirkungsvolles Marketing auszubauen und die Tourismuswirtschaft weiter zu entwickeln.

Um die Tourismusbranche im Kreis an einen Tisch zu bringen und zu informieren, hatten die IHK-Bezirkskammer Göppingen, der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und der Landkreis zu Wochenbeginn in die IHK Göppingen geladen. 50 Vertreter aus Gastronomie, Hotellerie, Kommunalpolitik, Tourismusmarketing und Wirtschaft  fanden sich dort ein und ließen sich zunächst über das bislang Erreichte informieren.

Gastgeber Dr. Peter Saile, Geschäftsführer der Göppinger IHK, äußerte in seinem Grußwort die Freude darüber, dass mit der Tourismuskonzeption eine Basis gelegt wurde. Er sprach von einem bereits sehr guten Wirtschaftstourismus im Stauferkreis, jetzt gelte es, als zweites Standbein noch den klassischen Tourismus auszubauen. Der Naherholungstourismus, so unterstrich Saile, profitiere dabei mit Sicherheit auch von einer Vollintergration in den Stuttgarter Verkehrsverbund (VVS).

Jochen Heinz, Erster Landesbeamter im Landkreis, plädierte in Sachen Tourismus für eine einheitliche und ganzheitliche Kreisentwicklung, es müsse jetzt eng zusammengearbeitet werden. Rund 1,5 Millionen Euro hätte der Kreis Göppingen bereits in den Tourismus investiert, und das hätte sich ausgezahlt, sagte Heinz, der in diesem Zusammenhang an die Zertifizierung von Rad- und Wanderwegen erinnerte und die vielen Tagesgäste aus der Region Stuttgart sowie an die damit verbundene Wertschöpfung.

Umstritten bleibt bei derartigen Diskussionen jeweils die Bewertung bei der Entwicklung der Übernachtungszahlen im Kreis, die wieder um 5,2 Prozent auf jetzt 600 000 im Jahr gestiegen sind, was der höchste Zuwachs in der Region sei. Und das, obgleich der Kreis Göppingen nach wie vor die wenigsten Betten in der Region anbiete. Unstrittig ist, dass vor allem der Geschäftstourismus und die Bäder an dieser Entwicklung beteiligt sind. Der Bau der Schnellbahntrasse spielt dabei ebenfalls eine große Rolle wegen der Unterbringung der Arbeiter. Für Heinz ist es jetzt an der Zeit, Brücken zu schlagen zur Gastronomie und zu Beherbergungsbetrieben, erfolgreich sei man nur mit einer konsequenten Vernetzung, wiederholte er.

Dehoga-Kreisvorsitzende Susanne Weißkopf sieht im Tourismus einen wichtigen Wirtschaftszweig, auch bezüglich der Arbeitsplätze. An dieser Stelle wünscht sie sich aber mehr Flexibilität, was das Arbeitszeitgesetz angeht. Im neuen Reiserecht sieht sie sehr viel Bürokratismus, der Aktivitäten ausbremse, und bezüglich der Besteuerung der Gastronomie verlangt sie nach dem vergünstigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent durchgehend. Sie hofft auf weitere Unterstützung durch Kreis und Politik.

Und ihr fehlen noch die rein touristischen Übernachtungen im Kreisgebiet. Dabei brauche man sich als Freizeitregion, so Weißkopf, nicht hinter Schwarzwald oder Südtirol zu verstecken Sie wünscht sich dazu aber prägnante Marketingsymbole ähnlich wie der Bollenhut oder der Tiroler Speck.  Geigers Schaumweine oder Alblinsen führt sie in diesem Zusammenhang an. Wenig hält Weißkopf von Kleinteiligkeit bei den Tourismusbestrebungen, Gelder müssten gebündelt und die Schwäbische Alb als Gesamtregion genutzt werden. Viel verspricht sich die Tourismusbranche von einer Gästekarte Schwäbische Alb, deren Machbarkeit momentan geprüft werde.

Nachdem Holger Bäuerle, und ESA-Geschäftsführerin Isabell Noether, die Schwerpunkte bei den Strategien und im operativen Geschäft vorgestellt hatten, wobei schwerpunktmäßig auf die einzelnen Tourismusprodukte und Erfolge eingegangen wurde, entspann sich eine zwanglose sehr konstruktive Diskussion aus der erneut die Forderung nach Vollintergration in den VVS hervorging, ein Beirat beim Landkreis ähnlich der einstigen Tourismusintiative Stauferkreis (TiS) angedacht  und konkrete Einzelvorschläge eingebracht wurden. Speziell aus der Gastronomie und Hotellerie wurde Bereitschaft zu Schulungen signalisiert, die Weitergabe von Info- und Marketingmaterial an potenzielle Gäste ist quasi schon obligatorisch für die Beteiligten.

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