Geschichte Den Handel auf Pergament fixiert

Archivarin Carola Eberhard zeigt die Archivalie.
Archivarin Carola Eberhard zeigt die Archivalie. © Foto: Margit Haas
Süßen / Margit Haas 10.08.2017
Carola Eberhard hat sich im Süßener Stadtarchiv auf die Suche nach Extremen begeben. Das älteste Objekt ist eine Urkunde.

Der Inhalt ist unspektakulär, regelt „den Verkauf eines Zinses durch einen Großsüßener Bürger an einen Ulmer“, erklärt Carola Eberhard. Die Stadtarchivarin hat die älteste Originalurkunde des Süßener Stadtarchivs vorsichtig aus einem Umschlag genommen und faltet sie sorgfältig auseinander. Ein Loch im Pergament zeigt, dass die Urkunde einmal gesiegelt war. „Das Siegel gibt es leider nicht mehr“.

1612 war das Dokument geschrieben worden, im Barock also, wie die Archivarin zeigt. Pergament war zu dieser Zeit nur noch ausnahmsweise verwendet worden „und nur für wichtige Verträge“. Denn seit dem 16. Jahrhundert wird verstärkt Papier geschöpft, das nach und nach das Pergament ersetzt. Aus Tierhaut hergestellt, war Pergament seit der Antike beschrieben worden. Aus dem Altertum stammt auch der Name. Die Bezeichnung leitete sich von dem Ort Pergamon und dem griechischen Begriff „membrana“ für Haut ab.

Eng beschrieben und nur mit geübtem Archivarinnenauge zu entziffern regelt das Dokument, dass „jährlich auf Martini“ fünf Gulden zu zahlen gewesen waren. Der Großsüßener, der sich vielleicht in Geldnöten befand, hatte sich in dem Vertrag „auch ein Rückkaufsrecht der Zinsen eingeräumt“. Die älteste Originalurkunde ist indes nicht das älteste Dokument überhaupt. „Wir haben im Stadtarchiv ältere Urkunden, allerdings nur in Abschriften.“ Auch das Schriftstück, in dem Süßen zum ersten Male urkundlich erwähnt wird, ist nicht im Besitz der Stadt. 1071 wurde „Siezun“ in einer Urkunde des Klosters Lorsch an der Bergstraße genannt.

Unterlagen seit Anfang des 18. Jahrhunderts

Das Stadtarchiv Süßen umfasst die Archivalien der Dörfer Großsüßen, Kleinsüßen und der 1933 gebildeten Gesamtgemeinde sowie eine museale Sammlung. Die Unterlagen zu Großsüßen beginnen  Anfang des 18. Jahrhunderts, da 1707 ein Brand große Teile des Dorfes und das Archiv zerstörten. Informationen gibt Archivarin Carola Eberhard, Tel. (07162) 9330 214.