Freizeit Dem Ökosystem Wald auf der Spur

Natur-Feriendorf vor der Kulisse der Kaiserberge: Fröhliche Kinder mit Betreuern und Waldpädagoge David Bonz (rechts.)
Natur-Feriendorf vor der Kulisse der Kaiserberge: Fröhliche Kinder mit Betreuern und Waldpädagoge David Bonz (rechts.) © Foto: Jürgen Schäfer
Jürgen Schäfer 02.08.2018

Die Aussicht ist grandios. Waldpädagoge David Bonz ist immer wieder begeistert, wenn er hier heraufkommt. Er kennt das Boßlerhaus noch nicht so lange. Es ist jetzt wieder Hort eines Natur-Feriendorfs. Wie seit acht Jahren schon. Kinder lernen hier die Natur und das Ökosystem Wald kennen – mit Herz und Verstand.

Direkt am Aussichtspunkt wird geschafft. Ein Steinemosaik soll entstehen. Christiane Weigmann hat mit den Kindern Steine gesammelt, flach müssen sie sein, und jetzt werden sie bemalt. Die Betreuerin dachte an das Logo des Boßlerhauses als Muster. Da sind Blumen drauf. Aber die Kinder wollten schon was eigenes malen, erzählt sie. Was sie gut findet. Einer malt eine Flagge, einer eine Fantasiefigur. Die Steine reizen zu kräftigen Farbmustern. Offen ist noch, wo das Mosaik hinkommen soll. Ob man es in ein flaches Loch legt oder mit Beton einlässt?

Es wäre nicht das erste Kunstwerk, das bleibt. Es gibt schon einen Wegweiser, der vom Natur-Feriendorf stammt. Und kunterbunte Latten, die einen Zaun hinterm Haus zieren. Sie sind ein Blickfang. Hinzukommen werden Windspiele: Mobile aus Ästen, Moos, Rinde und Steinen, die Kinder gerade begeistert zusammenbasteln. Welcher Baum passt dafür?

Lasse hat einen feinen gelben Strich über dem Mund.  Das kommt vom Blätter-Drucken. Der Achtjährige zeigt, wie das geht: Er tunkt ein Blatt in Farbe und drückt es mit einer Walze fest auf ein Papier. Die Adern der Blätter kommen schön zum Vorschein. Sie haben auch ein bisschen im Zweifarbendruck experimentiert, Lasse und sein Zwillingsbruder Max, zusammen mit Elias, den sie hier kennengelernt haben. So ein bisschen grün und rot übereinander, das sieht kunstvoll aus.

Wo wohnt der Fuchs? Gute Frage. Paul und Ben haben das Rätsel auf ein Brett gemalt. Vorne den Fuchs – und hinten die Auflösung: den Fuchsbau.  Ein Waldrätsel ist das, und davon haben sich die Kinder viele ausgedacht. Welche Bäume verlieren keine Blätter? Wie entsteht ein Schmetterling? Wie viele verschiedene Tiere gibt’s im Wald? Künftige Waldbesucher sollen das erfahren. Die Bretter kommen an Bäume, und der Trick ist ein Scharnier: Damit kann man die Rätselbretter umklappen.

Nele und Madita schrauben daran herum. Sie sind Betreuerinnen, „Teamer“. Sie sind in diese Rolle hineingewachsen, waren schon zu alt fürs Kinderferiendorf selbst. Jetzt gehen sie hinaus ins Leben, richten sich’s aber gerne ein, wieder mitzumachen. „Es ist schön, was hier alles entsteht“, sagt Nele (19). „Es tut gut, auf den Boßler zu gehen und mit den Kindern etwas zu machen.“

Solche jungen Leute wünschen sich die Naturfreunde.  Sie brauchen sie, um Nachwuchs heranzuziehen. Ohne Betreuer keine Jugendgruppen. Und damit es weitergeht, werden jetzt schon „Jung-Teamer“ an die Betreuung herangeführt, ältere Kinder und Jugendliche. Nicht weniger als sieben sind es bei dieser Freizeit. Eine davon ist Amelie aus Esslingen. Sie hat das Natur-Feriendorf als Teilnehmerin erlebt und kommt jetzt, damit andere Spaß daran haben.

Zum Beispiel die fünf Schulkameraden aus Bünzwangen. So stark ist der Ebersbacher Teilort vertreten. Johanna (9) war schon mal beim Feriendorf, sie hat Ben darauf neugierig gemacht, und so zogen noch andere mit.

21 Kinder sind es insgesamt, und sie kommen aus weitem Umkreis. So wie das Boßlerhaus weit ins Land ausstrahlt. Es ist diesmal schön aufgegangen mit den Plätzen, sagt Dieter Vetter aus Bad Boll, Verwalter des Naturfreundehauses und stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe, außerdem im Landesvorstand und im Bezirk aktiv. Dranbleiben bei der Nachwuchsarbeit heißt seine Devise.  Auf Bezirksebene kümmert sich David Bonz darum. Er bietet für die  Jugendgruppen der Naturfreunde, die Umweltdetektive und Naturforscher, Wochenenden mit Spiel und Spaß – auch auf dem Boßler.

Die Jung-Teamer sind Betreuer von morgen

Unterstützung 2000 Euro haben die Naturfreunde Göppingen von der NWZ-Aktion „Gute Taten“ für das Natur-Feriendorf bekommen. Damit können ältere Kinder und Jugendliche, die als „Jung-Teamer“ an Betreuungsaufgaben herangeführt werden, kostenlos teilnehmen.

Team Vier Teamer um Waldpädagoge David Bonz betreuen die Kinder durchs Feriendorf. Das sind fünf Projekte und Spielen nach Gusto, auch mal eine Nacht im Freien. Nötig ist ferner ein Küchenteam, um 40 Essen zu stemmen.

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