Die Bundesstraße 297 ist im Kreis Göppingen die wohl wichtigste Nord-Süd-­Verbindung. Und seit Monaten ist die Birenbacher Ortsdurchfahrt ein Flaschenhals – mit ungeliebter Baustellenampel. Auf der Baustelle war nun einige Zeit Sommerpause. Doch am kommenden Montag geht es weiter, berichtet Birenbachs Bürgermeister Frank Ansorge. Die Schurwaldgemeinde hat für die Baustelle, an der auch viele andere Partner beteiligt sind, die Baukoordinierung übernommen.

Ansorge macht kein Geheimnis daraus, dass der zu Beginn einmal angepeilte Zeitplan längst Makulatur ist. Ursprünglich war nämlich die für den Einbau des Endbelags nötige mehrwöchige Vollsperrung für die laufenden Sommerferien geplant. Doch mittlerweile geht Ansorge davon aus, dass sich die Baustelle bis Pfingsten 2020 ziehen wird.

Immer neue Zusatzarbeiten

Grund für die lange Dauer der Arbeiten sei, dass im Laufe der Monate immer neue Zusatzarbeiten aufgetaucht seien, „die gar niemand auf der Rechnung hatte“, so Ansorge. Er nennt viele Beispiele, unter anderem diese: Der 40 Jahre alte Unterbau habe keine vernünftige Drainage und keine ausreichende Frostschutzschicht aufgewiesen, deshalb musste tief in den Untergrund eingegriffen werden. So gut wie alle Leitungen müssen umgelegt werden, weil sie zu hoch lagen. Neue Kabel für die Breitband-Infrastruktur müssen verlegt werden. Erst beim Aufgraben sei auch festgestellt worden, dass die Isolierung der Hauptgasleitung erneuert werden muss, und zwar von Hand. Die Verdohlung des Birenbachs im Bereich der Einmündung der Hauptstraße habe sich als mangelhaft erwiesen. Für die Fußgängersicherheit musste im Bereich des Turnhallenwegs mehr Platz geschaffen  werden. „Es wäre verantwortungslos gewesen, diese und andere Arbeiten jetzt nicht zu erledigen, wenn die Straße ohnehin aufgegraben ist“, meint Ansorge. Denn dann wären die Probleme in die nahe Zukunft verschoben worden. „Das wäre der Bevölkerung ja nicht zu vermitteln gewesen“, meint der Bürgermeister. So habe man für die nächsten Jahrzehnte Ruhe. Die Dauerbaustelle stellt allerdings die Geduld der Pendler, die durch Birenbach hindurch müssen, auf eine harte Probe, dessen ist sich der Bürgermeister bewusst. Betroffene laden zuweilen ihren Ärger bei ihm ab, berichtet er. „Dass es für Pendler nicht gerade einfach ist, leuchtet mir ein.“

Kontrollen auf Schleichwegen

Auf den Schleichwegen, auf denen ortskundige Autofahrer der Baustelle auszuweichen versuchen, achte die Polizei mit regelmäßigen Kontrollen drauf, dass die geltenden Beschränkungen eingehalten werden. Jedoch sei es kaum möglich, die Ausweichstraßen zu sperren, um die dortigen Anwohner zu entlasten, stellt Ansorge klar. „Das muss man ganz offen und ehrlich sagen.“

Wenn am Montag die Bauarbeiten wieder beginnen, wird zunächst außerhalb der Ortschaft  gegraben (siehe Infokasten). Anfang September geht es aber auf dem nächsten Abschnitt im Ortsbereich weiter. Dann heißt es für Autofahrer wieder: Geduld beim Warten auf Grün. Und Bürgermeister Frank Ansorge sagt: „Für uns ist es dann wieder spannend, auf welche weiteren Überraschungen wir stoßen“. Von einem möglichst zügigen Erledigen der Baustelle habe er sich jedenfalls verabschiedet.

Ab Montag wird Teststrecke gebaut


Flüsterasphalt: Auf der B 297 soll lärmmindernder Belag aufgebracht werden, im Volksmund „Flüsterasphalt“. Weil dafür aber keine oder wenig Erfahrungen vorliegen, werde der Einbau auf einer Teststrecke zwischen Birenbach und der Einmündung nach Börtlingen getest, berichtet Frank Ansorge. Der Einbau verschiedener Testfelder findet ab Montag statt. Für Messungen und Auswertung sei dann etwa ein Dreivierteljahr nötig, erklärt der Bürgermeister.

Nächster Abschnitt: Nach derzeitigem Stand gehen die Arbeiten auf der Ortsdurchfahrt am 2. September weiter. Wie bisher muss die Bundesstraße abschnittsweise halbseitig gesperrt werden. Die Straßenbehörde erlaube keine größeren Abschnitte.