Kreis Göppingen Datenautobahn kann kommen

Wenn in der Region Stuttgart alle an einem Strang ziehen, dürfte der Glasfaserausbau auch im Landkreis Göppingen forciert werden. Unser Bild zeigt, wie Leerrohre für Glasfaserkabel mit einem Schiebegerät in ein Verlegeleerrohr geschoben werden.
Wenn in der Region Stuttgart alle an einem Strang ziehen, dürfte der Glasfaserausbau auch im Landkreis Göppingen forciert werden. Unser Bild zeigt, wie Leerrohre für Glasfaserkabel mit einem Schiebegerät in ein Verlegeleerrohr geschoben werden. © Foto: Marijan Murat dpa
Kreis Göppingen / Von Joa Schmid und Helge Thiele 05.07.2018
Der am Montag angekündigte Breitbandausbau für Stuttgart und die Region stößt auch im Landkreis überwiegend auf Zustimmung.

Diese Initiative hat es in sich: Die Telekom will in den nächsten zwölf Jahren 1,1 Milliarden Euro in den Breitbandausbau in der Region investieren. Von kommunaler Seite sollen weitere 500 Millionen Euro hinzukommen. Bis 2025 sollen auch im Landkreis Göppingen alle Industrie- und Dienstleistungsunternehmen samt Gewerbe Zugang zu einem  Breitbandanschluss aus Glasfaser  haben. Ebenfalls bis in sieben Jahren sollen 50 Prozent und bis in zwölf Jahren 90 Prozent der Privathaushalte Zugang zu  glasfaserbasiertem Internet bekommen.  Außerdem will die Telekom die Region Stuttgart zur Pilotregion für das neue 5-G-Netz machen. Das spielt beispielsweise beim autonomen Fahren eine große Rolle.

Bereits am Montag sollen die Bürgermeister des Landkreises in einer Versammlung über das Mega-Projekt informiert werden.  Am Beispiel dreier Gewerbegebiete  will die Telekom zeigen, wie die Umstellung auf Glasfaser ablaufen soll.

Wenn alle Infoveranstaltungen in den fünf Landkreisen der Region und in Stuttgart gelaufen sind, soll die Zusammenarbeit bis Ende des Jahres inhaltlich ausgearbeitet und vertraglich fixiert werden.  Zudem wollen die Region Stuttgart sowie die fünf Landkreise die regionale Breitband Service Gesellschaft mbH und entsprechende Kreisorganisationen in den  einzelnen Landkreisen gründen. Ihnen sollen dann die jeweiligen Städte und Gemeinden beitreten. Der konkrete Ausbauplan wird in einem Kooperations- und Ausbauvertrag der regionalen Breitband-Service GmbH mit der Telekom geregelt werden.   Der Spatenstich soll je nach Witterung so früh wie möglich  2019 erfolgen.

  Die Pläne der Telekom und der Region Stuttgart stoßen im Landkreis überwiegend auf Zustimmung.  Landrat Edgar Wolff: „Es ist für den Landkreis Göppingen sehr zu begrüßen, dass in einer konzertierten Aktion die Landeshauptstadt Stuttgart, die fünf Landkreise der Region Stuttgart mit den Vertretern der Region die Telekom als starken Partner gefunden haben.“ Ziel des Landkreises Göppingen sei es nun, im Rahmen des kooperativen Ausbaumodells der Region Stuttgart mit der Telekom den bereits vergleichsweise hohen Breitbandversorgungsgrad im gewerblichen und privaten Bereich  weiter in Richtung eines flächendeckenden Glasfaserausbaus weiter optimieren zu können.

Die Region Stuttgart werde so deutlich besser als bisher für die digitale Zukunft gerüstet sein, meint auch die Bezirkskammer Göppingen der IHK. Die Wirtschaftsstandorte im Umfeld kleiner und mittlerer Kommunen in der Region brauchen nach Ansicht von Präsident Wolf Ulrich Martin ebenso leistungsfähige Internet- und Mobilfunkverbindungen wie ein großer Ballungsraum. „Neben der verkehrlichen Erreichbarkeit ist dies die wichtigste Infrastrukturfrage für die Attraktivität als Investitionsstandort sowie Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte“, so Martin. Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi sieht in dem Projekt „einen großen Schritt in Richtung digitales Zeitalter“.  Erstmals gebe es für die Region eine verbindliche Perspektive für Internet auf Glasfaserbasis.

Nicht ganz so euphorisch reagiert man in Göppingen auf die Pläne der Telekom. Oberbürgermeister Guido Till erinnert daran, dass sich die Stadt über die Energieversorgung Filstal (EVF) zu 49 Prozent bei IMOS eingekauft habe. Tatsächlich verlegt die EVF  gemeinsam mit dieser Firma Glasfaserkabel im Landkreis. Inwieweit sich daraus eine Wettbewerbssituation ergebe, müsse man schauen. „Es kann aber nicht sein, dass wir die Randlagen – mit weiten Wegen und wenigen Abnehmern, wie zum Beispiel in Lenglingen, – versorgen, während die großen Anbieter die Innenstädte – mit kurzen Wegen und vielen Abnehmern – versorgen.“

Schnelles Netz ist wichtiger Standortfaktor

Analyse Das Thema „Breitband-Internetanbindung“ gilt bei den Unternehmern im Kreis Göppingen mit 98,1 Prozent der Angaben als wichtigster Standortfaktor. Gleichzeitig bewerten die Unternehmen diesen Standortfaktor mit der drittniedrigsten Zufriedenheit von allen Faktoren. Das ergab die jüngste Göppinger IHK-Standortanalyse aus dem Jahre 2016, die mit der Kreishandwerkerschaft vorgenommen wurde. Die IHK-Bezirkskammer Göppingen hatte seitdem  Runde Tische für Glasfaseranschlüsse in Gewerbegebieten im Landkreis initiiert oder unterstützt.  Durch einen Zusammenschluss möglichst vieler Betriebe sollten hohe Anschlusskosten beim Glasfaserausbau verringert und so ein eigenwirtschaftlicher Ausbau auch ohne öffentliche Förderung ermöglicht werden. 

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