Rundgang Das verschwundene Denkmal

Interessante Ausblicke boten sich am oberen Wehr der Fils.
Interessante Ausblicke boten sich am oberen Wehr der Fils. © Foto: Ulrike Luthmer-Lechner
Salach / Ulrike Luthmer-Lechner 29.08.2018
Der ehemalige Salacher Mühlkanal war Thema beim Sommer der Ver-Führungen.

Die Historie der Industrie in Salach ist untrennbar mit dem Mühlkanal verbunden. „Ohne den Mühl- oder Werkkanal hätte die Entwicklung Salachs einen ganz anderen Verlauf genommen“, betonte Gemeindearchivar Hans Paflik zum Auftakt der Führung und sagte: „Der Mühlkanal ist ein verschwundenes Denkmal.“ Große Unternehmen wie Schachenmayr, Neuburger und die Papierfabrik entstanden entlang des 1844 erstmals urkundlich erwähnten Wasserlaufs. Die industrielle Entwicklung boomte. Wolle, Maschinen, Papier, Kunststofferzeugnisse, Drucksachen und vieles mehr verließen den Ort in den folgenden Jahrzehnten unter dem Siegel „made in Salach“.

Hans Paflik und sein Gemeinderatskollege Wolfgang Arnold führten mit Bild- und Textdokumenten in das „Gestern“ ihres Heimatdorfes ein, bevor sich die Gruppe aufmachte, um den Spuren des sich damals rund zwei Kilometer lang durch das ganze Dorf schlängelnden Mühlkanals zu folgen. Zunächst führte der Weg zum Abzweig von der Fils am oberen Wehr. „Hier floss der Kanal in seinem viereinhalb Meter breiten Bett durch das Dorf, um bei der späteren Papierfabrik wieder in die Fils zu münden“, erklärte der Gemeindearchivar. Der Wasserstand betrug damals 40 bis 60 Zentimeter und dieser regulierbare Höhenunterschied lieferte durch Mühlräder Energie für Handwerk und Fabriken.

Einen Blick ins Kraftwerk nebst Erklärungen zu Turbine und Generator ermöglichte der für die einwandfreie Funktion zuständige Karl-Heinz Grupp. Lange bevor das Schachenmayr Freibad 1933 gebaut wurde, hatten die Kinder schon Spaß im Wasser.  „Eine Bademöglichkeit bestand seit 1924 in der Fils, als Badeplatz für Knaben wurde der Wehrgumpen und der Kanal beim Wehr, für Mädchen der Kanal unterhalb der Brücke beim Gaswerk ausgewiesen“, schildert Wolfgang Arnold.

Vorbei an der Bachverbauung des Pfaffhaldenbachs führte der Weg über das Kohlenwegle an den steinernen Zeugen des einst weltweit bekannten Unternehmens Schachenmayr zum ehemaligen Gelände der mechanischen Weberei Neuburger, wo heute das Wohn- und Geschäftszentrum Ortsmitte mit dem 1985 neugestalteten Marktplatz ist. Das Neuburger-Gelände gelangte später in den Besitz der Göppinger Kaliko und Kunstlederwerke. Im Laufe der Zeit jedoch verlor die Wasserkraft und so auch der Standort am Kanal zunehmend an Bedeutung. 1970 kündigte Kaliko die Auflösung des Salacher Werks an, die Gemeinde kaufte das Firmengelände mit Blick auf eine Sanierung des Ortskerns.

Das Ende des Mühlkanals war beschlossen und wurde 1981 Realität. „Ohne diese Maßnahme wäre der Bau der Bahnunterführung nicht möglich gewesen“, so Wolfgang Arnold. „Wäre es denkbar, den Kanal wieder zu aktivieren?“ solche und viele weitere Fragen stellten die Teilnehmer aus dem ganzen Kreisgebiet. „Sehr viel gute Information“, lobte Walter Widmann aus Göppingen. Aber auch waschechten Salachern, wie Iris Seybold („Ich habe als Kind meine Füße im Kanal gekühlt“) eröffnete die Führung, gespickt mit heiteren Episoden aus vergangenen Tagen, die Zusammenhänge in der Gemeindeentwicklung.

Vorbei am Sühnekreuz am Marktplatz ging es ins Unterdorf, in die „Kaffeegass“, zum Durchlass des Kanals unter der Bahn und zum Schwanensee. Auch Schultes Julian Stipp lauschte gespannt den Ausführungen und meinte: „Man muss die Vergangenheit in die Zukunft mitnehmen.“ Einen genussvollen Abschluss der Führung bereitete die Obstmosterei Kaiser und die rund 30 Teilnehmer erfuhren von Jürgen Kaiser allerlei Wissenswertes über Apfelsorten und Streuobstwiesen.

Info Wer sich über die Veranstaltungen und zu freien Plätzen informieren möchte, kann das Programmheft online einsehen.

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