Verkehr Das Rathaus wird gestürmt

Seit die Politesse in Wiesensteig den ruhenden Verkehr kontrolliert und Parksündern ein Knöllchen ausschreibt, geht ein Sturm der Entrüstung über die Stadtverwaltung nieder.
Seit die Politesse in Wiesensteig den ruhenden Verkehr kontrolliert und Parksündern ein Knöllchen ausschreibt, geht ein Sturm der Entrüstung über die Stadtverwaltung nieder. © Foto: sgk
Wiesensteig / Sabine Graser-Kühnle 25.07.2018

Es ist schon eine Krux: wie man es macht, ist es offenbar falsch. Seit die Stadt Knöllchen verteilt, stürmen die Wiesensteiger das Rathaus: Die Einen, weil sie sich  beschweren, die Anderen, weil sie gerne noch viel mehr Stellen und Plätze im Ort kontrolliert haben wollen. Am meisten gepeinigt von oft lautstarken und emotionsgeladenen Vorwürfen auf dem Rathaus sind Bürgermeister Gebhard Tritschler und Annika Kowatzki vom Hauptamt. Und natürlich die Ordnungshüterin, die auf den Straßen unterwegs ist.

Da kommen Bürger aufs Rathaus und werfen zerrissene Strafzettel auf den Tresen, schimpfen, die Stadt wolle mit den Strafzetteln nur Geld scheffeln. „Weit gefehlt“, sagt Annika Kowatzki. „Wir können froh sein, wenn die Ausgaben für die Angestellte und die Einnahmen aus den Strafzetteln Null auf Null aufgeht.“  Bürgermeister Tritschler spricht gar vom „Kriegsschauplatz Rathaus“. Annika Kowatzki ist gefrustet, nicht nur wegen der teils sehr emotional geführten Diskussionen: „Dieser Ansturm von Beschwerden und zusätzlichen Kontrollhinweisen kostet uns so unendlich viel Zeit, die wir anderweitig sinnvoll investieren sollten. Es ist eine unglaubliche Herausforderung für unser kleines Rathaus.“

Dabei hat sich die Regelung im sogenannten ruhenden Verkehr Wiesensteigs kaum geändert. Halte- und Parkverbote gelten wie zuvor auch, die Stadt hat sogar im Vorlauf bei der Umsetzung der vor einigen Jahren am Ratstisch beschlossenen Parkierungskonzeption legale Stellplätze mit Bodenmarkierungen oder Schildern explizit hervorgehoben. Doch dem wilden Parken kam die Stadt nicht bei. Neu ist neben der restriktiven Kontrolle daher die Parkzeitbegrenzung in der Innenstadt auf zwei Stunden. Und eben die brachte vorwiegend erboste Anwohner zum Sturm aufs Rathaus, weil ihr bequemer Parkplatz auf der öffentlichen Fläche direkt vor der Haustür nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung steht. Ein Gewohnheitsrecht nach dem Motto „ich habe doch schon immer hier geparkt“ gibt es jedoch in der Straßenverkehrsordnung nicht.

Die Ordnungshüterin stellt allerdings mittlerweile ein Umdenken fest. „Die Dauerparker haben vielfach eingesehen, dass es der Stadt und den Bürgern nur gut tut, wenn die Parkplätze für Kunden des Einzelhandels freigehalten werden.“ Als ganz schlimm habe sie das Zuparken von Gehwegen am Beginn ihrer Tätigkeit im August 2017 empfunden. Doch sie sei nie mit dem moralischen Zeigefinger unterwegs, das erledige schließlich jetzt der Strafzettel. Sie weise die Menschen freundlich auf ihre Fehler hin. „Manchmal frage ich ganz direkt: wo, bitteschön, sollen jetzt alte Leute mit dem Rollator oder junge Mütter mit dem Kinderwagen hin?“ Da zeigten nahezu alle Einsicht. „Einmal lief gar einer hinter mir her, wollte wissen wofür er das Knöllchen erhalten hat und bedankte sich dann für meine Erläuterung.“ Die Gehwegsituation habe sich spürbar entspannt. Sehr viel Lob und Dank bekomme sie dafür von den Fußgängern.

Doch Parksünder gibt es nach wie vor: Dort fehlt die Parkscheibe, hier ist die Zeit überschritten und ganz Uneinsichtige parken dennoch da, wo es nicht erlaubt ist. „Und die extra ausgewiesenen Stellplätze wenige Meter an der gegenüberliegenden Straßenseite, die bleiben leer“, wundert sich Kowatzki. „Ich wollte doch nur kurz“, „habe das Schild nicht gesehen“, „das war mir gar nicht klar“, „das habe ich nicht bedacht“, sind die häufigsten Ausreden. Was offenlegt, dass vielen Verkehrsteilnehmern die Regeln im ruhenden Verkehr im Laufe ihrer Fahrpraxis wohl abhanden gekommen sind. Eben diese Nachlässigkeit ist es, gegen die Wiesensteig seit März diesen Jahres restriktiv vorgeht. „Wir wollen die Lebensqualität in Wiesensteig verbessern, indem wir geordnete Verhältnisse schaffen.“ Und die sind dringend nötig, denn zu Stoßzeiten in der engen Straßenführung durch die Stadt zu kommen, ist immer wieder ein Abenteuer. Vor allem am Nadelöhr beim Laden Um‘s Eck stockt der Verkehr immer wieder, weil durch zugeparkte Straßenflächen  längere Fahrzeuge nicht mehr so weit wie nötig ausholen können.

Bis zu 30 Euro Strafe

Die Politesse ist unregelmäßig unterwegs und kontrolliert jedes Mal an neuen Standorten – auch an Wochenenden. Von August bis März wurden lediglich Verwarnungen hinter die Scheibenwischer ge­klemmt, um den Bürgern die Regelungen noch einmal klarzumachen, doch eine Änderung des allgemeinen Parkverhaltens konnte nicht erreicht werden. Auch die klare Aussage, dass nach der Schonfrist Knöllchen verteilt werden, fruchtete offensichtlich nicht. Ausgestellt werden nun Verwarnungen von zehn bis 30 Euro.

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