Kreis Göppingen Das macht eine Integrationsmanagerin

Cornelia Steiner bringt bereits gute Kontakte und Erfahrung in der Betreuung von Asylsuchenden mit. Die Integrationsmanagerin leitete die Gemeinschaftsunterkunft in Birenbach.
Cornelia Steiner bringt bereits gute Kontakte und Erfahrung in der Betreuung von Asylsuchenden mit. Die Integrationsmanagerin leitete die Gemeinschaftsunterkunft in Birenbach. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Kristina Betz 08.08.2018
Cornelia Steiner ist als Integrationsmanagerin zuständig für sechs Schurwald-Gemeinden. Sie hilft Probleme zu lösen.

Ihren Traumberuf hat Cornelia Steiner in der Flüchtlingsarbeit gefunden. Als Heimleiterin in Birenbach und jetzt als Integrationsmanagerin erlebe sie viel Offenheit – auf allen Seiten. „Für mich ist jede Begegnung spannend“, sagt sie und verweist mehrfach auf die wichtige Arbeit der Ehrenamtlichen, die viel Zeit und Energie in die Integration von Geflüchteten steckten.

Auch ihr Job ist wichtig. Denn bei Cornelia Steiner laufen die Fäden der verschiedenen Akteure in der Flüchtlingsarbeit zusammen. „Ich sehe mich als Netzwerk“, erklärt sie ihre Rolle. Neben dem Kontakt zu den geflüchteten Menschen, die zum Beispiel in ihre Sprechstunde kommen oder die sie Zuhause aufsucht, pflegt Steiner den Kontakt zu Kindergärten, Schulen, Ehrenamtlichen oder Ämtern wie dem Jugendamt. „Wenn es Probleme gibt, klinke ich mich ein“, erklärt die 53-Jährige.

120 Flüchtlinge leben in der Anschlussunterbringung – in Birenbach (20), Börtlingen (6), Wäschenbeuren (36), Rechberghausen (40), Adelberg (19) und Wangen (16)  – und fallen somit in die Zuständigkeit von Cornelia Steiner. 30 weitere leben in den Gemeinschaftsunterkünften der Gemeinden, ab Herbst werden sie nicht mehr vom Sozialdienst, sondern ebenfalls von Cornelia Steiner als Integrationsmanagerin betreut. 150 Menschen und sechs Gemeinden also, die Steiner bislang alleine betreut. Insgesamt sind es neun Integrationsmanager, die beim Landratsamt angestellt sind, im Herbst kommen weitere hinzu. Diese sind dann für 33 Kommunen im Landkreis zuständig.

Häufig kommen die Menschen aber auch mit Alltäglichem in ihre Sprechstunde, die sie seit Juni in Birenbach und Wäschenbeuren und seit Anfang Juli auch in Rechberghausen anbietet. „Es kann auch mal sein, dass ein Paar um Hilfe bei der Scheidung bittet“, schildert Steiner. Häufig kommen die Menschen auch mit Behördenbriefen oder Dokumenten, mit Fragen zu Müllgebühren oder Bitten zu ihr.

So wie ein junger Mann aus Wangen, der dort in der Anschlussunterbringung lebt. Er fand keinen Anschluss im Ort und wollte wissen, was denn die Deutschen abends nach der Arbeit machen. Ebenso wendeten sich zwei Familien aus Adelberg gleich in der ersten Sprechstunde in Rechberghausen an Cornelia Steiner. Auch sie fragten nach Möglichkeiten, Anschluss an das Gemeindeleben zu finden. Steiner empfahl einen Mutter-Schwimm-Kurs und vermittelte gleich die entsprechenden Kontakte. In Wäschenbeuren organisierte Steiner Schwimmkurse für fünf Flüchtlingskinder. Eine Ehrenamtliche aus dem Ort erklärte sich bereit, die Kinder einmal die Woche hinzufahren und wieder abzuholen. „Ohne die Ehrenamtlichen wären wir aufgeschmissen“, ist sich Steiner sicher.

Die Integration auf dem Land gelinge einfacher, als in großen Städten, weiß Steiner. Statt zehn Flüchtlingskinder sind im Kindergarten zum Beispiel nur zwei, um dessen Integration die Erzieherinnen sich dann besser kümmern können. Ist der Zugang zum Gemeindeleben gefunden, sei man schnell integriert. „In kleinen Gemeinden kann man sich auch nicht so leicht zusammen mit Gleichgesinnten abschotten wie in einer großen Stadt.“

Für ihren Job bedeutet die Arbeit im Schurwald aber auch: „Viele Ansprechpartner, viele Akteure und viel Netzwerkarbeit.“ Ihre Erfahrungen und Kontakte aus ihrer Zeit als Heimleiterin in Birenbach erleichtern die Suche nach „Problemlösern“. Und viele der Menschen, die dort in der Gemeinschaftsunterkunft lebten, betreut sie heute wieder. „Ich sehe die Entwicklung, wie die Kinder Deutsch sprechen und in die Schule und zum Fußball gehen“, freut sich Steiner über Fortschritte.

„Ich gebe nicht auf“, sagt sie auch. Optimismus, Geduld, Empathie und Verständnis zeigen, habe sie gelernt, sei wichtig. Dafür bekomme sie im Gegenzug viel Dankbarkeit und Vertrauen.

Land fördert die Integrationsmanager

Finanzierung Die Stellen werden finanziert durch ein Förderprogramm des Ministeriums für Soziales und Integration.

Anzahl Göppingen, Donzdorf, Salach, Eislingen und Ebersbach übernehmen die Aufgabe selbst. Die anderen Kreisgemeinden ­haben sie der Landkreisverwaltung übertragen. Es steht insgesamt eine Summe von rund 820 000 Euro zur Verfügung.

Kontakt Wer sich engagieren möchte, nimmt am besten Kontakt zur jeweiligen Gemeinde auf, rät Cornelia Steiner. Für die Schurwald-Gemeinden hilft sie auch unter Tel. 0162 294 7726 weiter.

Sprechstunde Dienstags alle zwei Wochen im Wechsel im Rathaus Wäschenbeuren und im „Paradisos“ in Birenbach von 14 bis 16 Uhr. Im Rathaus Rechberghausen montags von 14 bis 16 Uhr.

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