Abschied Das Leben tanzt Sirtaki

„Wenn du mal jemanden zum Reden brauchst“: Ein Telefonbuch hatte hier Siegfried Jauß als Abschiedsgeschenk für Kronenwirt Stilianos Erimidis und Ehefrau Paraskevi.
„Wenn du mal jemanden zum Reden brauchst“: Ein Telefonbuch hatte hier Siegfried Jauß als Abschiedsgeschenk für Kronenwirt Stilianos Erimidis und Ehefrau Paraskevi. © Foto: Sabine Ackermann
Hattenhofen / Sabine Ackermann 13.01.2018

Unser Stani feiert Abschied heut, oben unten, vorne, hinten überall. Das bedauern schließlich alle Leut’, oben unten, vorne, hinten überall. Seine Wulla in der Küche stand…“  Schon von draußen hört man den „Jeder-Männerchor“, der aus der Volksweise „Nun ade du mein lieb Heimatland“ ein Loblied zu Ehren zwei lieber Menschen getextet hat. Trotz der fröhlichen Melodie und den lustigen Zeilen, es steckt Wehmut und Abschied in dem Text und auch das Wirts-Ehepaar zeigt sich tiefgerührt.

Donnerstagabend, die Krone ist proppenvoll. Mal wieder oder besser gesagt, wie immer. Denn an diesem Wochentag treffen sich nicht nur die „Jedermänner“, auch Mitglieder anderer Vereine sowie Dutzende von Stammgästen aus dem Ort oder den Nachbargemeinden pilgerten an den Ort, der 28 Jahre lang für viele mehr als „nur“ eine Gaststätte war.

Alle wissen, in zehn Tagen ist Schluss: Stilianos „Stani“ Erimidis wird kein Bier mehr zapfen, keine Runde Ouzo ausgeben oder sich mit seinem herzerfrischenden Lachen eine Weintraube in den Mund stecken, gezupft von den Reben, die er im Juli 1989 eigenhändig gepflanzt hat, damit es seine Gäste auch auf der Terrasse gemütlich haben.

Jetzt „Wirtschaftswaisen“

Nicht minder wird vielen seine Frau Paraskevi Erimidou fehlen, seine Wulla, die mit ihren großartigen Kochkünsten genau so lange Leib und Seele der zahlreichen Gäste zusammen hielt. „Wir sind nächstes Jahr Wirtschaftswaisen, in dieser Art gibt es im Ort keine Alternative“, bringt es Siegfried Jauß, einer der 34 Jedermänner, auf den Punkt. Und der Vorsitzende hat nachgerechnet. „Jeder von uns hat hier drei Tage und Nächte verbracht, hochgerechnet auf die ganze Gruppe sind dies 120 Tage und Nächte, also 2880 Stunden“.

Auch wenn der Kronenwirt das erste Mal vor Jahren schon ankündigte, mit 60 höre ich auf, so richtig ernst genommen haben es wohl die Wenigsten. Mittlerweile ist Bescherung in der Krone, auch dabei zeigen sich die Jedermänner höchst kreativ. Für die fortan fehlende Würze im Leben gibt es Pfeffer, für neue Energie Traubenzucker, für die bevorstehende Hitze Erfrischungstücher und knapp drei Dutzend, mit sämtlichen Jeder-Männer-Adressen versehene Postkarten, sollen gegen Langeweile und Heimweh helfen.

Ein schöner Akt, wie diese alten Relikte der Kommunikation an einer Leine über den Tischen aufgehängt werden. „Wenn dir mal nach jemanden ist, schreibst du dies auf eine Karte und schickst sie weg“, erklärt Dietmar Maaß den Sinn dahinter. Das absolute Highlight an diesem wunderbaren Abschiedsabend war natürlich die Einlage von Jürgen Stritzel, der als „waschechter“ Grieche beim Lied „Das Leben tanzt Sirtaki“ für Lacher sorgte.

Gemeinde wünscht Erhalt

Wie es mit der „Krone“ in Hattenhofen weitergeht, liege auch am Hausbesitzer Christian Uhland, sagt Stilianos Erimidis und verrät: „Auch die Gemeinde ist daran interessiert, das Dorfgasthaus zu erhalten“. Sie hat das auch schon planungsrechtlich bekundet. Was nur noch die Älteren wissen, von 1976 bis 1982 führten Stilianos’ Eltern Georgius und Katharina Erimidis die Gaststätte, gingen dann altershalber zurück nach Griechenland. Hernach kam die Brauerei Uhland auf den Sohn zu, doch dieser wollte anfangs nicht. „Wenn du nur die Hälfte wie dein Vater machst, dann sind wir schon zufrieden“, berichtet Stani, wie er damals schließlich einwilligte.

Und fortan war dem heute 63-Jährigen jeder Gast willkommen, egal ob gegessen oder nur getrunken wurde. Im Gegenteil, ganz bewusst ging er auf die Wünsche seiner Gäste ein, auf der Speisekarte standen deutsche sowie griechische Gerichte. Schnell lernte Wulla – Schnitzel und Gyros geht immer. Am Anfang seien die Vereine zögerlich gekommen, waren vorsichtig und hatten Bedenken, ob er auch bleibe, erinnert sich der Kronenwirt an die ersten Jahre, wo noch Darts- oder Karten gespielt, gewürfelt sowie gemeinsam Fußball geschaut wurde. Nachdem aber immer mehr Gäste und Familien sogar von außerhalb zum Essen kamen, gestalteten sich die Räumlichkeiten bedeutend feiner. „Über die ganzen Jahre war es eine richtig gute Nachbarschaft“, so Stilianos Erimidis über die Biergartenzeit.

Eine Herzensentscheidung

So hat es das bodenständige Ehepaar Erimidis über die ganzen Jahre bravourös verstanden, sich dem Zeitgeist anzupassen. „Wenn ich nochmal auf die Welt komme, würde ich es wieder in der Krone machen“, betont Stilianos Eri­midis, der auf keinen Fall in Griechenland seinem Beruf nachgehen würde. „Es ist eine Herzens­entscheidung, wo wir zukünftig leben wollen, wohin die Reise führt. Mein größter Wunsch ist, dass es hier weitergeht und ich in der Position als Gastwirt mit Spaß und ohne Druck den Vereinen helfen kann“.

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