Treffelhausen Das Leben ist ein Kinderspiel

Treffelhausen / Claudia Burst 23.08.2018
Arbeiten macht Spaß – jedenfalls, wenn man Bürger von Rainbow City ist. Dort sind Unternehmergeist, Ideenreichtum und Fleiß ebenso gefragt wie Kino und kalte Getränke.

Eine ganze Stadt ist innerhalb von fünf Tagen auf dem Gelände rund um Schule und Roggentalhalle in Treffelhausen aus dem Boden gewachsen. Sie heißt Rainbow City. Ihre Bürger stammen aus dem gesamten Landkreis, sind zwischen acht und 13 Jahre – und sie arbeiten.

Ein Besuch dort zeigt, dass das Arbeiten richtig Spaß macht. „Weil man sich viel einfallen lassen kann. Wir machen zum Beispiel die unterschiedlichsten Eistees. Und die sind sehr gefragt“, erzählt Joel. Der Elfjährige und sein Kollege Kaan marschieren mit einem Bauchladen durch die Ferienstadt und preisen ihre Getränke an. Außen an den Plastikbechern, die in Becher-Vertiefungen stehen, perlt ob des kalten Inhalts Wasser ab. Das macht Appetit bei der Hitze. „Was kostet ein Becher“, fragt ein Passant. „Vier Rainies“, sagt Kaan. Dem potenziellen Kunden ist das zu teuer – aber keine zehn Minuten später kommen die beiden Getränke-Verkäufer mit leerem Tablett stolz an ihren Arbeitsplatz im Teezelt zurück.

Rainies, das ist die Währung in Rainbow City. Dafür arbeiten die jungen Bürger. Die meisten von ihnen erhalten 30 Rainies, wenn sie am Tag mindestens viereinhalb Stunden lang einer bestimmten Tätigkeit nachgehen. Eine Ausnahme sind die „Müllabfuhr-Männer“ Jonas, Pascal, Marius und Fynn. Die verdienen zehn Rainies mehr. „Wir verteilen die Müllsäcke an allen Ständen und sammeln sie wieder ein, wenn sie voll sind. Und wir verkaufen Schürzen und Putzlappen, hängen Wäsche auf, legen sie zusammen und wir putzen den Boden von Rainbow City mit der Kehrmaschine“, erzählt Jonas begeistert. Er und seine Mitstreiter finden ihre Arbeit „voll chillig“. „Bei den Hamburgern wäre es mir viel zu heiß gewesen“, nennt der neunjährige Pascal noch einen weiteren Grund, der für genau diesen Job spricht. Alle vier Jungs hoffen, dass sie am Donnerstag, dem dritten von zehn Rainbow-City-Tagen, erneut genau diesen Beruf ergattern.

„Das ist unwahrscheinlich. Denn Müllmann sein, ist begehrt“, sagt Betreuer Klaus Fischer. Alle zwei Tage dürfen sich die Kinder morgens einen neuen Job aussuchen. Wenn sie kommen, ziehen sie Zahlen – diejenigen mit den niedrigsten Zahlen suchen sich zuerst ihren Wunschberuf aus. So lange, bis alle einen haben. Dann lernen sie die jeweiligen Betreuer der Arbeitsstellen kennen, arbeiten mit diesen und den Kollegen gemeinsam den Dienstplan aus – also wann wer wie lange frei hat. Dann wird gebastelt. Und verkauft. Gekocht, gebacken, gemixt, experimentiert. Und verkauft. Und sogar massiert. Obwohl eine halbe Stunde 15 Rainies kostet, sind Betreuerin Sassi und ihre Mitarbeiterinnen Lucy, Leonie-Elina und Julia voll ausgebucht. „Mir tut schon der Rücken weh, aber es macht voll Spaß“, sagt die elfjährige Lucy.

Für die verdienten Rainies kann nicht nur Tee oder im Saftladen Saft und selber gemixte Limonade gekauft werden, dafür gibt es hundert andere Möglichkeiten, sie auszugeben. Etwa für einen Musikwunsch im stadteigenen Radio oder zum Kauf der Zeitung „Rainbow City News“. Dort arbeiten Dustin, Jonas und Simon unter Aufsicht ihrer Betreuerin Mona. „Spannend“, finden die Jungs ihre Arbeit. „Medienzentrum – das hat sich einfach gut angehört. Ich wusste zwar nicht, worum es geht, aber jetzt mach ich die Zeitung. Ist doch gut!“, begründet Dustin seine Berufswahl grinsend.

Ein Blick ins Kinozelt zeigt einen weiteren Ort, für den sehr viele Bürger ihre Rainies ausgeben: zwei Rainies kostet der Eintritt zu Ice Age – und wer auf dem gemütlichen Sofa hinten sitzen will, muss sogar acht zahlen. Das Sofa ist voll besetzt . . .

Abends um 17 Uhr ist das Stadtleben für die Bürger zu Ende. Vorher gibt es immer eine Abschluss-TV-Show. An diesem Mittwoch mit besonderem Spektakel: Betreuerin Jacky wurde unter allgemeinem Gelächter mit Schleim übergossen. Also genug Schreib-Stoff für die Journalisten der „Rainbow City News“.

Info: Am Sonntag ist Stadtfest für Eltern und andere interessierte Besucher. Einlass ab 11 Uhr, um 12 Uhr beginnt das Fest offiziell.

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