Messe Das geht unter die Haut

100 Tätowierer zeigten im Zweigwerk 11 Eislingen, wie vielfältig Hautschmuck sein kann.
100 Tätowierer zeigten im Zweigwerk 11 Eislingen, wie vielfältig Hautschmuck sein kann. © Foto: Giacinto Carlucci
Eislingen / Michael Bauer 16.04.2018

„Mehr als 4000 Quadratmeter und vier Ebenen – ab heute wird das Zweigwerk wieder mit Leben gefüllt“, erzählt der Projektmanager des Zweigwerks 11, Christoph Scheyer. Erstmals nach dem Umbau hat am Wochenende eine große Messe, die zweite Göppinger Tattoo-Convention, stattgefunden. Veranstalter Jürgen Kuhn lobte schon vor Beginn: „Wir waren nach der Absage durch die Werfthalle lange Zeit auf der Suche nach einer passenden Location, bis wir den Geheimtipp mit dem Zweigwerk erhalten haben.“

Das Ziel sei es gewesen, wieder die 4000-Besucher-Marke zu knacken. „Aufgrund der Liebe zum Detail, die im Zweigwerk steckt, unserem Showprogramm und der Streetfoodmeile vor dem Haus bin ich da guter Dinge“, meinte Kuhn. Und tatsächlich: Schon vor dem Öffnen der Tore stehen Besucher vor der Messe Schlange.

„Die Organisation ist nicht immer ganz einfach: Location, Logistik, Künstler – all dies benötigt viel Planung“, erzählt Kuhn. Rund 100 Tätowierer aus Europa und der ganzen Welt sowie Akrobaten und die Europameisterin im Poledance sind am Wochenende anwesend. Eine Streetfoodmeile vor der ehemaligen Gebäude der Firma Ventzki sorgt für die passende Verpflegung und Kinder kommen mit Hüpfburg und Oldtimerausstellung auf ihre Kosten.

Neben der Möglichkeit, sich von einem der anwesenden Künstlern ein Tattoo stechen zu lassen, erzählt der ehemalige Chefredakteur des Tätowier-Magazins, Dirk-Boris Rödel, auch einiges zum Hintergrund des Tätowierens: „Viele wissen nicht, dass Tattoos seit Jahrtausenden als Körpermerkmal getragen werden.“ Einen Erfindungsort gibt es dabei nicht, alles habe sich unabhängig voneinander auf der ganzen Welt entwickelt. „Schon James Cook und Charles Darwin haben die Beobachtung gemacht, dass sich Völker auf der ganzen Welt tätowiert haben“, sagt Rödel.

Warum heutzutage viele gegen Tattoos sind? Rödel kennt die Antwort: „Vor allem in monotheistischen Religionen glaubte man an eine Verunreinigung des von Gott gegebenen Körpers und wollte sich auch so gegenüber anderen Völkern und Religionen abgrenzen.“ Doch spätestens seit den 1980er-Jahren kam das Bedürfnis nach Tattoos wieder auf, meint Rödel.

„Vielen Menschen wurde in den letzten 10 bis 20 Jahren die Angst vor Tattoos genommen, während sich vor allem Hygiene und Stil deutlich verändert haben“, sagt der Tattoo-Experte. Daher ist es für ihn auch nicht ungewöhnlich, dass so viele Besucher zu Convention kommen, denn das Tätowieren sei heute längst keine Sache von Subkulturen mehr. Das Schöne daran sei, dass man so sich gut wie alles bildlich Vorstellbare tätowieren lassen könne.

Das sehen auch die Besucher der zweitägigen Tattoo-Convention im Zweigwerk so, auch wenn neue Stilrichtungen laut Rödel manchmal mehr Versuch und Irrtum sein können.