Ausgebucht. Auch die beiden Zusatzveranstaltungen. "Tante Inge macht Senf" zum ersten Mal bei den Sommer der Ver-Führungen dabei, schienen zahlreiche Besucher nur darauf gewartet zu haben, zu erfahren, was in und hinter diesen kleinen Körnchen steckt.

Doch zuvor erzählte Inge Hinderer erst einmal, wie alles begann. Schon als Kind mit Freude ihrer Auendorfer Oma bei der Hägenmark-Produktion geholfen, nutzt sie heute das Obst von den elterlichen Streuobstwiesen für ihre Produkte oder baut alles was wächst und gedeiht im eigenen Garten in Sulpach an. Als sie vor etwa acht Jahren erstmals Quittengelee aus eigenen Früchten einkochte, machte sie 2010 mit "Tante Inges Manufaktur" ihr Hobby zum Beruf und stellt mittlerweile rund 60 Produkte ausschließlich in Handarbeit nach traditionellem Verfahren her. Neben fast 20 Sorten Senf warten in ihrem "Ein-Frau-Betrieb" in Holzhausen unter anderem verschiedene Gelees, Säfte, Sirupe, Salze, Kräutermixe, Öle sowie mancherlei Schmackhaftes nur darauf, zahlreiche Gerichte zu verfeinern. "Alles rein biologisch und ohne Konservierungsstoffe", betont die rührige Geschäftsfrau, die obendrein großen Wert auf Rationalität, Tradition, Innovation und Nachhaltigkeit legt.

Richtet sich der Fokus heute auf Senf, hat Tante Inges Würzpaste gar nichts mit der Massenware aus dem Supermarkt gemein. Kurzweilig berichtet sie über deren Zubereitung, Geschmacksrichtungen, Haltbarkeit. Zweifelsohne seit der Antike klar: Der Scharfmacher ist eine Wunderwaffe im Kampf gegen Keime, hilft schnell bei Sodbrennen, wirkt verdauungsfördernd sowie entzündungshemmend und im alten Rom verabreichten ihn Ärzte sogar als Antibiotika. "Auch heute weiß man, Senf neutralisiert giftige Röststoffe, wirkt antimikrobiell und Bioaktivstoffe wie Glucosinolate schützen vor Umweltschadstoffen. Laut Wissenschaftlern mindert der regelmäßige Verzehr insbesondere von scharfem Senf sogar das Krebsrisiko", informiert die 52-jährige Naturfreundin. Die mit Raps oder Rettich verwandte gelbblühende Senfpflanze aus der Familie der Kreuzblütler bildet binnen 90 bis 100 Tagen etwa drei Zentimeter lange Schoten mit wenigen Körnchen aus. Hauptanbaugebiete der einjährigen circa einen Meter hohen Pflanze sind Frankreich, Niederlande, Deutschland sowie Kanada, wobei Tests ergaben, dass fast jeder vierte Senf Spuren von Gen-Technik aufweise. Inge Hinderer stellt klar: Sie beziehe ihre Bio-Senfsaat aus einer ökologischen Erzeugergemeinschaft.

Ausschlaggebend ob die Würzpaste schmeckt, ob sie mild oder scharf ist, den Gaumen oder in der Nase kitzelt, ist neben den Geheimzutaten das Senföl. "Für die typische Schärfe sind nicht die Senfkörner an sich verantwortlich, sondern erst durch das Mahlen und Vermischen mit Flüssigkeit in Gang gesetzten chemische Prozesse", weiß die Expertin. Längst fit in Kräuterkunde, hat sich Inge Hinderer auch die Senfherstellung autodidaktisch beigebracht. "Anfangs begleiteten mich viele ungenießbare Rückschläge", verrät sie lachend, doch heute ist sie stolz, dass es bei ihr keine Einheitsmaische gibt. "Jede meiner Senfsorten wird extra angesetzt, weil es einfach besser schmeckt."