Wäschenbeuren Burg Wäscherschloss ist wieder geöffnet

Wäschenbeuren / Sabine Ackermann 02.05.2018
Das Team der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg hat ganze Arbeit geleistet: Das Wäscherschloss ist kaum wiederzuerkennen, die Besucher sind begeistert.

„Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei. Lasst das Haus, kommt hinaus“, verfasste Hermann Adam von Kamp anno 1818 dieses Gedicht, dass später sogar vertont wurde. Exakt 200 Jahre später passt es wunderbar zum bunten Fest, mit dem sich das Wäscherschloss am 1. Mai wieder zurückmeldet.

Was ist neu? Einiges, wie auch die ansehnliche Gästezahl erfreulich feststellt. Das Team der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) hat in den Wintermonaten die Ärmel hochgekrempelt und tüchtig ausgemistet, aufgeräumt, aufbereitet und frisch eingerichtet.

Aufs Wesentliche reduziert, soll die neue Ausstellung das Leben in der mittelalterlichen Burg zum „aktiv erfahrbaren Geschichtserlebnis“ machen. „Wir wollen damit das Interesse der Besucher wecken, sie begeistern und dazu bringen, genauer zu hinterfragen“, betont SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann, der mit seiner Leidenschaft für das familienfreundliche Ausflugsziel nicht hinterm Berg hält.

Wie die meisten Burgen, kann das Wäscherschloss keine originale Einrichtung vorweisen, was wiederum den SSG die Freiheit gab, sich hinsichtlich Meublement und Inventar an die Bedürfnisse ihrer Besucher zu orientieren. Dementsprechend wurde im 1. Stock einen interaktive Ausstellung eingerichtet. Liegt im Kaminzimmer der visuelle Fokus auf einer ritterlichen Tafel, werden die Gäste dank einer Audiospur von Klängen der Zeit, Gesang, Pferdehufen sowie knisterndem Feuer begrüßt, kurzum Geräusche, wie man sie sich in einem solch historischen Gemäuer vorstellt. Der Tisch, reichhaltig eingedeckt, gibt einen guten Eindruck davon, wie die reiche Herrschaft in einer Burg bei Festen wohl zu tafeln pflegte: Wärmende Felle auf den Bänken, edle Stoffe auf den Tischen, Zinnteller mit Brotfladen, irdene Näpfe und rustikale Gläser. „Wir wollen mit der Ausstellung das authentische Erlebnis – das die Mauern und Räume an sich schon bieten – didaktisch unterstützen“, sagt Michael Hörrmann.

Rüstung zum Ausprobieren

Der zweite Raum ist das sogenannte Rüstzimmer mit verschiedenen Waffen an der Wand und natürlich einer Ritterrüstung. Damit sich die Besucher überhaupt eine Vorstellung davon machen können, welches Gewicht die Edelleute früher mit sich rumtragen mussten, hängt eine metallene Weste mit dem gleichen Gewicht zum Überziehen bereit. Und da das Erleben bei den SSG ausdrücklich erwünscht ist, schlüpft der Geschäftsführer in das Gewand und zeigt sich sichtlich überrascht, „wie schwer das Ding ist“. Im Nebenraum ist die Schlafstätte der Burgherrin, das eindrucksvolle Bett mit seinen vier Pfosten und dem Himmel wird ergänzt durch einen Hausaltar – und der Retirade, dem „Ort des Rückzugs“. Wie es um das „stille Örtchen“ früher so bestellt war, darüber wusste der „Toiletten-Experte“ Dr. Wolfgang Wiese Bescheid. Natürlich nicht nur. Auch dass das Schlafzimmer seinerzeit einer der wenigen beheizten Räume war, gab der Konservator der Region Hohenlohe bei dem interessanten Rundgang gerne weiter.

Im zweiten Stock der Burg lädt der große Saal zum Feiern ein. „Gemeinsam mit der Gemeinde Wäschenbeuren bieten wir schon seit längerem Termine für standesamtliche Trauungen an“, erklärt Stephan Hurst, der Leiter der Schlossverwaltung Ludwigsburg. Bei der Konzeption sei es ein wichtiges Ziel gewesen, viele Möglichkeiten der Mitwirkung und des Ausprobierens einzubauen, heißt es weiter. So sollen in den nächsten drei Jahren virtuelle Besuchsgänge für gehbehinderte Menschen angeboten werden.

Allerdings, wer vorhat im Winter zu heiraten, muss sich warm anziehen. „Wir lassen die Burg im Jahresablauf. Zukünftig nicht mehr zu heizen ist Teil unseres nachhaltigen Konzepts, der Erhalt des Denkmals ist uns wichtiger“, betont Michael Hörrmann und ergänzt: „Wir lassen es nicht bei dem atmosphärischen Dichtem, sondern entführen es wieder zurück auf die wissenschaftlich belegte Geschichte des Denkmals und seiner Bewohner“.

Dazu gehören unter anderem die jeden Sonntag um 14.30 Uhr stattfindenden Familienführungen sowie regelmäßige Sonderführungen unterschiedlicher Natur. Gezielt an die Neugier der Kinder richtet sich ein Spiel- und Aktivitätsblatt mit spannenden Aufgaben. Fortan ist offenes Feuer untersagt, die örtliche Feuerwehr hat die Fluchtwege und die Rettungsrutsche abgenommen und den Einlass auf maximal hundert Personen beschränkt.

Wiedereröffnung des Wäscherschlosses

Zweck: Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg öffnen, vermitteln, entwickeln und bewahren 60 landeseigene Schlösser, Gärten, Burgen, Klöster und Kleinode mit 150 mietbaren Räumen im deutschen Südwesten.

Zahlen: Pro Jahr über 3,85 Millionen Besucher aus über 50 Ländern, 150.000 Führungen und Veranstaltungen, 3.000 Schulklassenführungen, rund 65 historische Charaktere werden von Kostümführern dargestellt.

Wäscherschloss: Ganzjährig geeignet für jegliche Feiern, Festivitäten und Kindergeburtstage inkl. Kostümierung. Großer Saal (150m²), Kaminzimmer (55), Innenhof (240), Außenfläche (120) je nach Reihenbestuhlung (auch mit Tischen), Bankett, Stehempfang ausgelegt für 25 bis 300 Personen, nicht beheizbar und teilweise Barrierefrei. Kein fester Cateringpartner, Getränke erlaubt, kaltes oder warmes Essen möglich, Wlan/PC–Anschluss, Tanzen gestattet, Rauchen verboten.

Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober, Donnerstag bis Sonntag und Feiertage von 11-17 Uhr.

Nächste Führungen: Rundgang mit der Küchenmagd, 6.5., 11.30 Uhr, Familienführung „Märchen im Mittelalter“ 12.5., 11.30 Uhr, Aufbewahrung & Transport von Lebensmitteln im Mittelalter, 24.5., 13 Uhr Heilpflanzen & Giftkräuter, 1.6., 13 Uhr; „Wie der Apfel schwäbisch wurde“ Antje Daberger rund ums Wäscherschloss am 10.06., 08.07., 09.09., 28.10. info@daberger-gruen.de.

Ansprechpartner: Silke Allmendinger, Burg Wäscherschloss, 73116 Wäschenbeuren, Telefon: (07172) 9152111, E-Mail: post@burgwaescherschloss.de oder Schlossverwaltung Ludwigsburg, Telefon: (07141) 186400, info@schloss-ludwigsburg.de, www.schloesser-und-gaerten.de.