Kein Gläserklirren, kein Lachen kein Gespräch - es ist mucksmäuschenstill, als Frances Lieb auf der nicht vorhandenen Bühne des proppevollen Amadeus steht und sich mit "I'm not the only one" von Sam Smith direkt in die Herzen des Publikums singt. Die junge Frau mit der außergewöhnlichen Stimme ist eine der neuen "friends" von Jürgen Rothfuß, der drei Mal im Jahr zu "Jazz and Oldies mit Jogi and friends" ins Heininger Café-Bistro Amadeus einlädt.

An Ostern, im Herbst und am Vormittag des Heiligen Abends mit anderen Musikern für einen guten Zweck Live-Musik zu machen, ist seit vielen Jahren Usus. Der Name "Jazz and Oldies" täuscht, denn neben einigen Klassikern wird Musik aller Art aus der Repertoirewundertüte gezogen. Gespielt und gesungen wird, was den Musikern Freude macht. Da trifft dann schon mal La Traviata auf das Bergwerk und Tabaluga auf die Route 66, und wenn es den anwesenden Musikern einfällt, einen Song zu spielen, den sie zuvor noch nie gespielt haben, mutiert der Gig auch mal zur öffentlichen Probe.

Das ungewöhnliche Konzept kommt super an, die Kneipe scheint jedes Mal aus allen Nähten zu platzen. Neben der Stammbesetzung mit Jürgen Rothfuß (Keyboard), Dieter Rotfuß (Drums), Ingrid Schneider (Gesang) und Alexander Nischwitz (Saxophon und Klarinette) finden sich meist auch die üblichen Verdächtigen wie Frank Engelhard und Berti Jo Müller ein, und wer die beiden jemals im Duett "To love somebody" hat singen hören, will diesen Song nie wieder von den Bee Gees hören. Immer wieder finden sich jedoch auch Überraschungsgäste und neue "friends" aller Altersstufen ein, und aus den Reihen des Publikums bilden sich je nach Song immer wieder mal kleine Backgroundchöre.

Natürlich sind im Amadeus nicht nur Jürgen Rothfuß und seine Freunde musikalisch zugange, aber er ist zweifelsohne derjenige, der dem Bistro den Musikkneipenstempel aufdrückte. Man schrieb das Jahr 1988, als Norbert Pfauser die verrückte Idee hatte, "auf dem Land" eine Kneipe zu eröffnen, das Gemischtwarenlädle seiner Eltern in ein Café-Bistro verwandelte und es frei nach Mozart Amadeus nannte. Da der Name ja buchstäblich nach Musik schrie, bot Rothfuß sich an, bei der Eröffnung für eben jene zu sorgen.

Es sollte nicht das letzte Mal sein und bald entdeckten auch andere Musiker die Location als Auftrittsort. Das Kneipenkonzept entwickelte sich sozusagen in einer Symbiose aus Wirt, Freunden und Gästen, und das "Ama" wurde zu einem Ort, an dem spontane Ideen unkompliziert in die Tat umgesetzt werden konnten.

Konzerte, Vernissagen, Lesungen, Kabarett - mit der Zeit kamen immer mehr kulturelle Veranstaltungen hinzu. Geplante, aber auch ungeplante, denn das Klavier, das auch heute noch zum Inventar gehört, ermöglicht auch kleine Spontankonzerte, die sich, wenn musikalische Gäste da sind, zur Session auswachsen können. Zu später Stunde wurde auch schon mal spontan die Speise- und Getränkekarte vertont und abgesungen.

Als Pfauser nach 18 Jahren vom Wirtsleben genug hatte, gab es einige Turbulenzen rund um das Amadeus. Um das Besondere zu erhalten, spannten Stammgäste sechs Jahre lang einen Rettungsschirm auf. Im Frühjahr 2013 fanden sich mit der Familie Tkotz endlich wieder Pächter. Zum Glück wird Musik und Kultur auch bei ihnen ganz groß geschrieben.

Rainer und Daniela Tkotz sahen keinen Anlass, am bewährten Rezept zu rütteln. "Es war perfekt, wie es ist", freut sich das Ehepaar, das hinter der Theke auch ab und zu ein Tänzchen wagt. Auf der Wall of Fame, eigentlich ein Heizkörper, haben sich seither Werner Dannemann und Miller Anderson, Tina Häussermann und Fabian Schläper, Janine Vahldieck, die Songgroup Caliente, Markus Rössig, Somethin' Special, Acoustic Power, Maybug, Tangette und Streetlife verewigt, die im Oktober diesen Jahres wieder auf dem Programm stehen. Etwas Besonderes ist auch das traditionelle Open-Air-Sommerfest, das dieses Jahr am 16. September stattfinden wird. Und wer hat's erfunden? Natürlich Jürgen Rothfuß und seine Blue Stars, die wie immer die Fete musikalisch anheizen werden.