Kreis Göppingen Mit neuer Methode Darmpolypen frühzeitig entfernen

Kreis Göppingen / Susann Schönfelder 05.11.2018
Die Klinik am Eichert gehört zu einer Handvoll Krankenhäusern in Europa, die große Darmpolypen mit einer neuartigen, schonenden und Zeit sparenden Methode entfernt.

Dickdarmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung – nach Brustkrebs bei der Frau und Lungenkrebs beim Mann. Die regelmäßige Vorsorge ist daher unheimlich wichtig, um Vorstufen frühzeitig zu erkennen. Bei einer – meist ambulanten – Spiegelung werden Polypen oder Adenome im Magen-Darm-Trakt sofort entfernt – es sei denn, sie sind größer als zwei Zentimeter. Solchen Fälle nimmt sich dann Dr. Klaus Metter, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie in der Klinik am Eichert, an.

Der 50-jährige Mediziner ist einer von wenigen Ärzten in Europa, die solche großen Polypen mit einer neuartigen Methode entfernen. Endoskopische Submukosa-Resektion (ESR) heißt das innovative Verfahren, das nach Metters Angaben sehr risikoarm und Zeit sparend ist. Der Chefarzt spricht von einer „Sensation“. Spezialinstrumente ermöglichen es, solche Zellwucherungen in einem großen Stück und sehr tief bis fast zur Muskelschicht und damit gründlich abzutragen. Die Gefahr, Löcher in der Darmwand zu hinterlassen, sei dabei gering. „Wir machen oberflächlich einen Schnitt um den Polypen, 360 Grad“, erklärt der Experte. In diese Ritze werde eine neuartige Schlinge gelegt, die den Polypen dann entfernt – und zwar mit spiegelglatten Flächen, die der Pathologie die Arbeit erleichtere. Schließlich müsse noch untersucht werden, ob das Gewebe gut- oder bösartig ist.

Klaus Metter hat dieses Verfahren kürzlich auf dem weltgrößten Kongress für Magen-Darm-Erkrankungen in Wien vorgestellt. Knapp 13.000 Teilnehmer waren bei dieser Tagung in der österreichischen Hauptstadt. „4000 Arbeiten wurden eingereicht, 2000 wurden akzeptiert“, sagt der Mediziner nicht ohne Stolz. Er sei mit seinem Vortrag über die Submukosa-Resektion, die Günter Farin von der Universität Tübingen erfunden hat, auf großes Interesse gestoßen. „Die Methode ist einfach pfiffig“, sagt Metter.

Dem Mediziner sind europaweit Kollegen aus Madrid, Luzern, Mailand, Leipzig, Bonn und Augsburg bekannt, die dieses Verfahren anwenden. „Die Klinik am Eichert hat aber am meisten Erfahrung damit“, unterstreicht er. „Für uns ist das schon Routine“, sagt er, nachdem sein ganzes Team die Trainingsphase in Tübingen an Schweinemägen erfolgreich und mit Begeisterung abgeschlossen hat. Bereits seit vier Jahren werden in Göppingen Polypen bis zu fünf Zentimeter mit der Endoskopischen Submukosa-Resektion entfernt – im Gegensatz zur bisher gängigen Methode der Submukosa-Dissektion, die deutlich länger dauere, mit relativ hohen Komplikationsraten verbunden sei und nur in spezialisierten Zentren gemacht werde.

„Mit dem neuen Verfahren sind wir in einer knappen Stunde fertig“, erklärt Klaus Metter. Der Patient muss für ein, zwei Nächte stationär in die Klinik, der Eingriff wird unter Narkose vorgenommen. „Das ist Präzisionsarbeit, da darf der Patient nicht husten“, meint der Chefarzt und lacht. 27 Patienten hat der Stuttgarter, der seit zwölf Jahren in der Klinik am Eichert in Göppingen arbeitet, in den vier Jahren mit diesem Verfahren behandelt. „Solche großen Polypen gibt es nicht sehr häufig“, fügt er erklärend hinzu.

Wenn Klaus Metter von seinem Steckenpferd erzählt, leuchten seine Augen: „Wir leisten hier Pionierarbeit“, ist er überzeugt. Die Methode soll in einer sogenannten Multi-Center-Studie, also in Deutschland Zentren übergreifend, wissenschaftlich begleitet werden. Auch die Pathologen sollen in diese Untersuchung eingebunden werden. Experten werden am Eichert hospitieren. Zudem plant Klaus Metter zusammen mit dem Tübinger Erfinder eine Veröffentlichung zu diesem Thema. Er geht davon aus, dass die neue Methode sich mehr und mehr durchsetzen wird: „Das ist ein zartes Pflänzchen, das wächst.“

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