Es war ein unerwarteter und unüblicher Auftakt der ersten Kuchener Gemeinderatssitzung in diesem Jahr. Statt Bürgermeister Bernd Rößner war es der evangelische Pfarrer Matthias D. Ebinger, der die Gemeinderäte begrüßte: "Wir sind heute hier, um Ihnen für Ihr Engagement, Ihre Zeit, Ihre Bereitschaft Danke zu sagen."

Ebinger machte deutlich, dass es nicht selbstverständlich sei, dass die ehrenamtlichen Gemeinderäte ihre Zeit in den Dienst der Gemeinschaft stellten. Und dass er und sein Kirchengemeinderatsvorsitzender Tobias Pressmar gekommen seien, um sich ausdrücklich dafür zu bedanken.

Damit verblüfften die beiden Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde die bürgerlichen Gemeindevertreter. Als das Duo darüber hinaus noch jedem Gemeinderat einen "Dank im Tank", wie sie es nannten, also ein Dankeschön in der Dose überreichte, war die Freude groß. Und die Neugier, als deutlich wurde, dass es keine Wurst ist, die in der Dose für Freude sorgen soll.

Der Besuch beim Gemeinderat war der Auftakt zu einer ganzen Reihe derartiger Besuche, die die Vertreter der Kirchengemeinde in den kommenden drei Wochen unternehmen werden. "Wir wollen unsere Wertschätzung und Dankbarkeit überall dort ausdrücken, wo wichtige Arbeit verrichtet wird, die immer weniger anerkannt wird", erklärt Pfarrer Ebinger und denkt dabei zum Beispiel an die Polizei im Ort, die Feuerwehr, die Vereinsvorsitzenden der vielen Vereine, den Bauhof und die Lehrer.

Der Grund für die ausgesprochene Dankbarkeit der Kirchenvertreter liegt im "Jahr der Dankbarkeit", das von diversen Werken und Verbänden am Erntedankfest des vergangenen Jahres ausgerufen worden ist und dem sich die Kuchener angeschlossen haben. "Uns in Deutschland geht es so gut. Trotzdem neigen wir alle zum Jammern", konstatiert der Pfarrer. Weil er und seine Kirchengemeinderäte davon überzeugt sind, dass eine dankbare Haltung Menschen verändern kann - und dass sie dann anders miteinander umgehen - wollen sie mit ihren Besuchen ein Zeichen setzen.

Info Als Höhepunkt im "Jahr der Dankbarkeit" kommt am Sonntag, 13. März, um 11 Uhr der an Parkinson erkrankte Theologe und ehemalige Verlagsleiter der "Marburger Medien", Jürgen Mette, in die Kuchener Jakobuskirche. Dort wird er unter dem Titel "Trotz allem dankbar" vom Umgang mit seiner Krankheit erzählen.