Adelberg Esel-Trekking durchs Marbachtal

Adelberg / Markus Munz 27.07.2018
Beim Eseltrekking gehen Mensch und Tier auf Wanderschaft durch die Natur. Langweilig wird es mit den Grautieren nicht.

Gänzlich unbeeindruckt beobachten Oskar und Nelly den Trubel, der an diesem Samstagmorgen in der Adelberger Zachersmühle um sie herum passiert. Während in der Gastronomie noch die Ruhe vor dem Sturm vorherrscht, herrscht im hinteren Teil des Geländes geschäftiges Treiben. Schlafsäcke, Isomatten und Rucksäcke liegen auf dem Boden. Es wird gestriegelt und gesattelt. Auch Oskar und Nelly, beides Esel der Zachersmühle, erhalten ihren Gepäcksattel. Daran wird die Ausrüstung befestigt. Beim Eseltrekking wird nicht geritten, sondern mit den Tieren gewandert.

Pippo, Zac und Wuschel komplettieren bei der heutigen Tour das Esel-Quintett. Beim Striegeln haben die menschlichen Teilnehmer schon Kontakt zu den Eseln aufnehmen können, die die Massage meist gerne über sich ergehen lassen. Grundsätzlich erledigen Esel ihre Fellpflege selbst, indem sie sich auf dem Boden wälzen. „Aber bevor der Sattel drauf kommt, muss das Fell von Stroh oder Dreck befreit sein, damit keine Scheuerstellen entstehen können“, erklärt Eselführer Wolfgang, der zusammen mit seiner Freundin Jana die Tour anführt. „Ihr solltet vor dem Esel laufen oder direkt neben dem Kopf“, weist Jana ein, bevor es endlich losgeht, „wenn es bergab geht, das Seil ganz kurz nehmen. Und die Esel nicht am Wegrand fressen lassen.“

Die Gruppe aus sieben Zwei- und fünf Vierbeinern sowie Begleithund Mia hat kaum den Hof der Zachersmühle verlassen, da steht gleich ein kräftiger Anstieg im Wald auf dem Programm. Im Gegensatz zu den erwartungsfrohen Teilnehmern scheinen die Grautiere noch keine rechte Wanderlust zu verspüren. Sie interessieren sich mehr für die saftigen Verlockungen der Umgebung. „Das ist am Anfang normal, aber es wird besser, das kann ich versprechen“, ermuntert Jana.  Und tatsächlich, auf dem geteerten Weg Richtung Börtlingen, vorbei an Maisfeldern, kommen Mensch und Tier in einen gemeinsamen Rhythmus.

Im Marbachtal hat sich schon eine natürliche Reihenfolge herausgebildet. Der geduldige Oskar führt die Gruppe an, es folgen Pippo, Nelly und Zac. Am Ende läuft Wuschel, sie zieht einen kleinen Planwagen. Mit dem aktiven Zac hat Christine aus Weinstadt alle Hände voll zu tun. „Es ist schön, mit den Tieren in Berührung zu kommen“, begründet die Hundebesitzerin ihre Anmeldung zum Eseltrekking. Sabine ist dazu extra aus Augsburg angereist. „Ich habe auch schon ein Eseltraining gemacht und mir die Tour zum Geburtstag schenken lassen“, berichtet sie.

Nach der Mittagspause auf dem Waldspielplatz in Wäschenbeuren zieht die Karawane Richtung Wäscherschloss weiter. Wie der Mensch scheint auch der Esel eine gewisse Anlaufzeit zu brauchen, um wieder Fahrt aufzunehmen. Außerhalb des Waldes ist es zudem drückend heiß. „Esel stammen aus den Geröllwüsten Afrikas und Asiens, es entspricht ihrem Naturell, auch bei hohen Temperaturen unterwegs zu sein“, beruhigt Wolfgang. Die Tiere trinken morgens viel Wasser und können bis zu einem Drittel des Körpergewichts davon einspeichern. Deshalb genügt ihnen tagsüber frisches Gras, während die Wanderer bei einer Rast im Beutental jetzt Flüssigkeit zu sich nehmen müssen. „Wir achten schon darauf, wo wir Pause machen, denn zu viel Grün ist nicht gut für die Esel“, erläutert Jana.

Trotzdem bekommen sie davon scheinbar nie genug. Beim schweißtreibenden Anstieg hoch nach Maitis genügt ein kurzer Halt, schon nutzen die Esel die kleine Ablenkung, um wieder zu fressen. Manchmal hilft nur Ziehen und Schieben, um sie zum Weitergehen zu bewegen. „Es wird nicht langweilig mit ihnen“, lacht Ursula, „aber ich empfinde es als angenehm und entspannend. Man muss sich auf die Tiere einlassen.“ Für ihren Partner Rainer, beide aus Esslingen, ist die Eseltour das Einstandsgeschenk zum Ruhestand. Er habe im Internet darüber gelesen und sofort zugeschlagen.

Auf Mensch und Tier wartet noch ein letzter Anstieg zum Aasrücken, dann ist das heutige ­Tagesziel, der Strudelhof in ­Ottenbach, nach siebzehn gewanderten Kilometern erreicht. Dort wird gegessen und im Zelt ­übernachtet. Oskar und Co. werden vom Gepäck befreit und dürfen sich über Nacht ausruhen. Meist dösen sie im Stehen, nur für eine ganz kurze Tiefschlafphase legen sich die Esel überhaupt hin, erklärt Jana: „Sie schlafen insgesamt nur drei Stunden.“ Das wird ihren menschlichen Begleitern nach diesem erlebnisreichen Tag nicht genügen.­

Die Zachersmühle beherbergt 14 Esel

Dauer: Seit elf Jahren wird in der Zachersmühle Eseltrekking angeboten.

Buchen: Gebucht werden können Halb-, Ganz- oder Mehrtagestouren für kleinere und größere Gruppen.  Auch Einzelanmeldungen zu ­offenen Touren sind möglich.

Esel: Derzeit hat die Zachersmühle ­14 Esel in ihren Ställen.

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