Historie Cowboys trotzen dem Regen

Böhmenkirch / Jochen Horndasch 24.07.2018

Regen, tief hängende Wolken und kühle Temperaturen machten dem
27. Westerntreffen des Böhmenkircher Schützenvereins Hubertus keinen Abbruch. Zwar blieben die gewohnten Besucherströme diesmal aus. Doch die wenigen Gäste waren mit umso mehr Begeisterung bei der Sache.

Die fünfköpfige Country-Band Silverheads sorgte am Samstagabend für super Stimmung. Dazu zeigten sich Trapper, Waldläufer, Cowboys, Soldaten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und weitere schillernde Figuren aus der Zeit des Wilden Westens in zeitgenössischer Kleidung. Für den nötigen Respekt sorgten Revolver und Gewehre, die außerhalb des Schützenhauses nur Dekorationszwecken dienten.

Im Schießstand wurde mit richtigen Waffen unter Wettbewerbsbedingungen auf 25, 50 und 100 Meter scharf geschossen. Der legendäre „Peacemaker“ der Firma Colt, ein sechsschüssiger Trommelrevolver, für den ein Cowboy locker sechs Monatslöhne hinlegen musste, wurde ebenso abgefeuert wie Gewehre der Marke Winchester, für die locker ein Jahresgehalt draufging.

Die ganz harten Westernfreaks verbrachten die beiden Nächte am Wochenende in ihren hellbeigen Baumwollzelten, die sie auf der Wiese gegenüber dem Schützenhaus aufgebaut hatten. Laut Karl-Heinz Vogt, Mitglied der 1992 gegründeten Westernabteilung des Schützenvereins Hubertus, sind die Akteure Mitglieder von Westernabteilungen anderer Schützenvereine aus ganz Süddeutschland und Bayern. Jeder schlüpft in eine bestimmte Rolle in der Zeit zwischen 1830 und 1890, als Angloamerikaner und Immigranten aus Europa vom Osten Amerikas aus in Richtung Westen aufbrachen.

In dieser unerschlossenen, lediglich von Indianern bewohnten Region westlich des Mississippi,  liegt das eigentliche Gebiet des Wilden Westens. Viele Mythen, Legenden und Klischees beschreiben diese Zeit, wobei die „Hobbyisten“ im Westernoutfit alles andere als verkleidete Spinner sind. Sie verfügen über eine Menge Kompetenz und Fachwissen und verkörpern ihre Rolle perfekt.

Einer kommt aus einem Schützenverein bei Aalen. Er spielt den ehemaligen Soldaten John, einen Yankee aus dem Bürgerkrieg, der seit Kurzem bei Wells Fargo arbeitet.  Dieses Unternehmen wurde im Jahr 1852 von Henry Wells und William Fargo gegründet, um Personen und Güter zu befördern. Insbesondere für den Schutz und die Begleitung der Gold- und Geldtransporte waren harte Burschen gefragt, die vor nichts zurückschreckten. John gehört dazu. Er erzählt, dass die Werttransporte grundsätzlich von zehn Reitern eskortiert wurden. Zwei Fahrer saßen auf dem Kutschbock – für den Fall, dass einer erschossen wurde. Historischen Überlieferungen zufolge hat es nur ein einziges Mal einen Überfall auf einen Werttransport gegeben, den alle Banditen mit dem Leben bezahlten. Dies hätte sich wohl in Gangsterkreisen herumgesprochen, was dazu führte, dass jeder Transport von Wells Fargo unbehelligt und ohne Zwischenfälle sein Ziel erreichte.

Die Böhmenkircher Westernfreunde sind Vogt zufolge als Mitglieder einer Bürgerwehr unterwegs. Bürgerwehren bildeten sich im Wilden Westen meist in abgelegenen Städten und Dörfern, wo es weder Recht noch Ordnung gab und das soziale Zusammenleben durch Gewalt und Verbrechen geprägt war. Die Bürgerwehren verstanden sich als Ordnungskräfte mit ihren eigenen Gesetzen und waren nicht gerade zimperlich. Sie waren bis unter die Zähne bewaffnet.

Auch die Mitglieder der Böhmenkircher Bürgerwehr stehen ihren historischen Vorbildern in nichts nach. Sie besitzen neben Revolvern und Gewehren zwei Kanonen, mit denen sie schon auf mehreren Veranstaltungen unterwegs waren. So wurden die Böhmenkircher im vergangenen Jahr anlässlich der 125-Jahr-Feier von Buffalo Bills legendärer Show in Karlsruhe vom baden-württembergischen Landesmuseum eingeladen und präsentierten sich am Karlsruher Schloss vor großem Publikum.

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