Wir richten uns ein auf die große Welle, die auf uns zukommt.“ Dr. Ingo Hüttner, Medizinischer Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, macht kein Hehl daraus, dass sich die Corona-Lage verschärfen wird. Derzeit werden vier Patienten stationär behandelt – ein Verdachtsfall in Geislingen und drei an Covid-19-Erkrankte in Göppingen. Zwei von ihnen liegen auf der Intensivstation. Erst am Dienstag hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Bewertung des Gesundheitsrisikos für die deutsche Bevölkerung auf „hoch“ eingestuft. Experten gehen davon aus, dass nicht nur die Zahlen der Infizierten, sondern auch die der schwer an Covid-19-Erkrankten in die Höhe schnellen werden.

Großteil der ambulanten Termine abgesagt

Die Alb-Fils-Kliniken rüsten sich für diese Situation. „Der allergrößte Teil der ambulanten Termine wird abgesagt“, sagt Hüttner. Notfall-Patienten werden natürlich weiterhin versorgt. Auch notwendige Behandlungen wie eine Tumor- und Strahlentherapie finden statt. Praxen im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) werden während der Krise jedoch geschlossen, die Notfallpraxen für Kinder und Erwachsene werden weiterbetrieben. Der OP-Betrieb sei bereits deutlich heruntergefahren worden, dringliche Operationen finden statt, aufschiebbare nicht. „Wir schränken den Verkehr von Mitbürgern in die Klinik ein, damit keine Viren in die Klinik eingeschleppt werden“, begründet der Geschäftsführer diese Schritte. Es gehe um den Schutz der stationären Patienten und der Mitarbeiter. „Zudem müssen wir unsere Kräfte bündeln, um Kapazitäten für akut erkrankte Patienten zu haben“, fügt Hüttner hinzu.

Zelt als „Fieber-Ambulanz“

Personal wurde bereits umgeschichtet. So werden Mitarbeiter jetzt an der neu eingerichteten Schleuse gebraucht. Der Haupteingang der Klinik am Eichert ist geschlossen, Patienten und Besucher mit Ausnahmeregelung (generell wurde ein Besuchsstopp verhängt) gelangen über ein Zelt ins Haus. Ein erstes Zelt diene als Filter, hier werden Patienten und Besucher getrennt. Ein zweites Zelt wird als „Fieber-Ambulanz“ dienen, hier werden die Menschen auf die für Covid-19 typischen Symptome untersucht. Diese „Fieber-Ambulanz“ wird in den kommenden Tagen in Betrieb gehen. In der Helfenstein-Klinik in Geislingen ist der Haupteingang derzeit noch geöffnet.

Personal ist ein Problem

Das Personal ist auch auf den Intensivstationen ein Problem – nicht nur in Corona-Zeiten. In Göppingen gebe es 24 Intensivbetten, in Geislingen acht, wobei die sogenannte „Intermediate Care“, die Intensivüberwachungspflege, dazuzähle, erklärt Hüttner. Und wie viele Patienten könnten im Falle eines Falles beatmet werden? Der Klinikchef will sich bei dieser Frage auf keine Zahl festlegen. „Sicher mehr als wir Intensivbetten haben“, sagt er. „Das wird dann auf die jeweilige Situation ankommen.“

Schutzmasken und Desinfektionsmittel verschwunden

In punkto Schutzkleidung und -masken sieht der Geschäftsführer die Kliniken „im Moment ganz gut aufgestellt“. Man habe früh damit angefangen, die Vorräte genau im Auge zu behalten. „Doch auch bei uns sind solches Material und Desinfektionsmittel verschwunden“, sagt Hüttner. Die Geschäftsführung habe daher eine Ausgaberegelung eingeführt. Mitarbeiter, die viel Publikumsverkehr haben, tragen jetzt aus Sicherheitsgründen einen Mund-Nasen-Schutz.

„Konzentriert und fokussiert“

Ingo Hüttner beschreibt die Stimmung in der Klinik-Belegschaft als „konzentriert und fokussiert, ruhig und sortiert“. „Es herrscht keine übermäßige Angst“, wichtig sei die tägliche Information der Mitarbeiter. „Wir setzen uns seit drei Wochen mit dem Thema auseinander und bereiten uns intensiv vor“, gibt der Geschäftsführer einen Einblick in den nicht alltäglichen Klinik­alltag.

Weitere Einschränkungen und eine Hotline rund um Corona


Abfallentsorgung Der Annahmebetrieb auf den Wertstoffzentren und Grüngutplätzen des Landkreises soll so weit wie möglich aufrecht erhalten bleiben, zumal bereits einzelne Gemeinden die Schließung ihrer Wertstoffhöfe nicht mehr ausschließen, teilt die Landkreisverwaltung mit. Auf den Plätzen des Abfallwirtschaftsbetriebs wird es daher künftig Einschränkungen geben. Ab sofort sei mit Einlassregelungen der Anlieferfahrzeuge zu rechnen.

Busverkehr Seit gestern gilt im gesamten Fils­land-Netz der Ferienfahrplan. Bedingt durch die Schließung der Schulen entfallen alle Kurse mit dem Fahrplanhinweis „88“. Hingegen verkehren Busse mit dem Zusatz „92“. Das Landratsamt weist darauf hin, dass ein Barverkauf in den Bussen bis auf weiteres nicht möglich ist, weil die vorderen Türen zum Schutz der Fahrer geschlossen bleiben und die vordere Sitzreihe gesperrt.

Bürgerfragen Für Bürgeranfragen richtet die Stadt Göppingen ab heute eine Telefon-Hotline zum Thema Corona unter Telefon (07161) 650-5555 ein. Die Hotline ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besetzt. Dort werden die Fragen der Bürger entgegengenommen und, soweit wie möglich, direkt beantwortet, ansonsten gibt es einen Rückruf. Für medizinische Fragen bleiben allerdings die jeweiligen Hausärzte oder die Notdienstnummer 116117 die richtigen Ansprechpartner.