Wäschenbeuren Comeback für die Eiswasser-Aktion

Die Fleckahexa beißen die Zähne zusammen für einen Erkrankten.
Die Fleckahexa beißen die Zähne zusammen für einen Erkrankten. © Foto: Cornelia Villani
CORNELIA VILLANI 09.09.2015
Zahlreiche Vereine lassen die sogenannte Ice-Bucket-Challenge wieder aufleben. Sie wollen damit einem Mitglied helfen, der an der unheilbaren Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankt ist.

20 Männer, Frauen und Kinder stehen auf den Stufen vor dem Wäschenbeurer Rathaus. Eine Frau mit kurzen Haaren und Brille in der ersten Reihe erklärt, was gleich geschieht. Dann hebt jeder einen Eimer in die Höhe. Hier schaltet das Video in Zeitlupe, klangvolle Musik setzt ein. Langsam, scheinbar genüsslich sieht man, wie das Wasser aus den Eimern die Gruppe von Kopf bis Fuß durchnässt. Angesichts der verzerrten Gesichter muss es sehr kalt sein.

Mit dieser so genannten Ice-Bucket-Challenge und der dazugehörigen Spende hatte die Deutsche Gesellschaft für Muskelerkrankungen (DGM) 2014 rund 1,3 Millionen Euro für die Forschung an der tödlichen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sammeln können. Während die DGM aktuell mit Prominenten Eimer vom vergangenen Jahr versteigert, leben die Eiswasser-Aktionen mancherorts wieder auf. Die Wäschenbeurer Fleckahexa vom Brauchtumsverein haben mitgemacht, weil sie von der Lorcher Fasnetgesellschaft dazu nominiert worden waren. Zu jeder Eiswasser-Aktion gehört die Aufforderung anderer, sich ebenfalls zu beteiligen.

In Lorch hat die Sache einen persönlichen Hintergrund. Im Teilort Waldhausen erhielt ein 34-jähriger Familienvater im April die niederschmetternde Diagnose. ALS ist eine degenerative Erkrankung, bei der aus bisher unbekannter Ursache die Nerven absterben, die für Muskelbewegungen verantwortlich sind. Lähmungen sind die Folge, die zum Sprachverlust und schließlich zum Erstickungstod führen. Die durchschnittliche Lebenserwartung beläuft sich nach aktuellem Stand auf drei bis fünf Jahre nach Ausbruch der Krankheit. Der betroffene Waldhäuser ist Freund und Mitglied zahlreicher Vereine.

Diese machen nun mobil: Seit etwa zwei Wochen tauchen täglich neue Eiswasser-Aktionen per Video in sozialen Medien auf. Auch die Wäschenbeurer Fleckahexa rufen dazu auf, für die Forschung oder direkt für den erkrankten Vater zweier Kinder zu spenden. Freunde haben kürzlich ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet, damit diese zumindest finanziell entlastet ist. „Uns war sofort klar, dass wir das unterstützen wollen“, sagte Oberhexe Susanne Sorg, die ihre Truppe anleitete. Andere haben es ihnen bereits nachgemacht, darunter die Nausstragger Guggamusik und der Binokelclub Wäschenbeuren.

Die Guggen-Truppe nominierte am Sonntag das gesamte Rathaus Wäschenbeuren samt Bürgermeister und dem Gemeinderat. Karl Vesenmaier wurde nach seinem Urlaub prompt informiert. Allerdings will der Schultes es bei einer Spende belassen. Von dem erkrankten Waldhäuser habe Vesenmaier allerdings nichts gewusst. „Ich dachte, es gehe um eine allgemeine Spendenaktion.“ Deshalb habe der Gemeinderat beschlossen, die Spende an eine örtliche Institution zu richten und hält es damit so wie die Tanzgarde. Auch die Tänzerinnen spendeten ihren Betrag nach Wäschenbeuren, nämlich an den Arbeitskreis Flüchtlinge. An diesen gehen auch die 150 Euro von der Gemeinde.