Ein Vierteljahr nach seiner zweiten Wiederbelebung ist es wieder ruhig geworden um den christlich-islamischen Gesprächskreis (CIG). Zuletzt hatte sich die Runde aus Vertretern der beiden Religionsgemeinschaften im Juni mit einem Grußwort zur Fastenzeit zu Wort gemeldet. Die Verlautbarung war das erste Lebenszeichen des Kreises, nachdem dessen Sprecher Felix Müller den Neubeginn des interreligiösen Austauschs im Mai bekanntgegeben hatte.

Trotz der Funkstille in den vergangenen Wochen ist der erneute Anlauf für den Gesprächskreis nicht eingeschlafen. "Der Gesprächskreis ist nicht in der Versenkung verschwunden", verspricht Müller. Vertreter beider Religionsgemeinschaften setzten sich alle ein bis eineinhalb Monate zusammen an einen Tisch. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass maximal sechs Teilnehmer von beiden Seiten bei den Gesprächen dabei sind", berichtet Vedat Dag. Der Vorsitzende aller türkischen Vereine im Kreis ist einer der Gesprächspartner. Die Liste aller Teilnehmern führt 17 Männer und Frauen auf.

Die Ergebnisse der jüngsten Gespräche sind zwei für den Herbst geplante Veranstaltungen. Eine davon ist der Auftritt der Gruppe "Trimum" während der interkulturellen Woche am 4. Oktober in der Volkshochschule Göppingen. Das Musikprojekt besteht aus christlichen, muslimischen und jüdischen Sänger, die Lieder aus ihrem jeweiligen Kulturkreis aufführen und deren Botschaften erklären. Vor dem Konzert bietet "Trimum" einen Workshop für Interessierte an.

Gesprächskreises für Aufklärung und Vorbeugung

Die zweite im Herbst geplante Veranstaltung des christlich-islamischen Gesprächskreises dient der Aufklärung und Vorbeugung. Ein Fachmann erklärt Eltern, wie sie Anzeichen für eine Radikalisierung ihrer Kinder erkennen und an wen sie sich wenden können. Der Vortrag mit anschließender Diskussion ist für den 28. Oktober im Konferenzraum der Moschee Atip in Göppingen vorgesehen. Der Referent spricht auf Deutsch.

Das Konzert, der Workshop und der Vortrag mit Diskussion verdeutlichen den Ansatz des Gesprächskreises. "Wir wollen Vorurteile abbauen", erklärt eine der beiden Islambeauftragten im evangelischen Kirchenbezirk, Ingrid Held. Ihrer Meinung nach gelinge das am besten, wenn Menschen etwas zusammen erleben. Der CIG setze deshalb zum einen auf Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer mitmachen. Zum anderen wolle der Kreis durch Vorträge Wissen vermitteln und Futter für Diskussionen liefern.

Die bisherigen Veranstaltungen passen zu diesem Konzept. In dem jüngsten Grußwort zum Ramadan lud der christlich-islamische Gesprächskreis Christen zum Fastenbrechen mit Muslimen in Geislingen ein. Eine weitere Veranstaltung zum "Kopftuch-Streit" liegt einige Jahre zurück: Damals erklärten Muslima, wieso ihnen der Brauch wichtig ist. "Wir sind diejenigen, die versuchen in Göppingen und Umgebung Angebote zu machen, um aufeinander zuzugehen", sagt Held. Sie vertritt mit dem zweiten evangelischen Islambeauftragten Friedrich Sautter ihre Kirche in dem Gesprächskreis. Die Ansicht von Ingrid Held teilt Vedat Dag: "Wir sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den Religionen."

Als Vermittler und Steuerungsgruppe will der Gesprächskreis bekannter werden. "Bis in einem Jahr haben wir uns besser etabliert", glaubt Held. Bisher lernten sich die Teilnehmer noch kennen, die Atmosphäre bei den Treffen sei von gegenseitigem Respekt geprägt. Diesen Eindruck bestätigt der Vorsitzende der Vereinigung türkischer Vereine. Er will die Treffen am Leben erhalten: "Wir haben eine Verantwortung", sagt Vedat Dag.

Neubeginn nach Anschlägen

Treibende Kraft: Die Anschläge auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo führten zur Wiederbelebung des Gesprächskreises. Der Austausch zwischen Christen und Muslimen ruhte seit dem Tod des evangelischen Pfarrers Rudolf Lughofer 2014, der eine treibende Kraft war.