Wetter Tannen-Setzlinge im Kreis teilweise vertrocknet

Johannes Gallus vom Uhlandhof zeigt einen der vertrockneten Setzlinge. Durch die lange Trockenheit kann der Betrieb einige seiner Jungpflanzen nicht für die kommende Ernte verwenden.
Johannes Gallus vom Uhlandhof zeigt einen der vertrockneten Setzlinge. Durch die lange Trockenheit kann der Betrieb einige seiner Jungpflanzen nicht für die kommende Ernte verwenden. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Maren Bertits 06.11.2018
Durch die lange Trockenheit sind Tannen-Setzlinge auch im Kreis Göppingen teilweise vertrocknet. Mit einem Mix verschiedener Arten wollen die Landwirte künftig den klimatischen Veränderungen trotzen.

Dieser extreme Sommer hat den Setzlingen geschadet. Wenn man jetzt am Boden kratzt, ist der immer noch trocken“, erklärt Harald Müller von der Mittelmühle Adelberg. Er ist Mitglied des Christbaumverbands Baden-­Württemberg und erklärt, im Herrenbachtäle komme es auf die Lage an, allgemein „haben wir jedoch sehr viel Glück“, so Müller. Während die Setzlinge am Südhang kaum eine Chance hätten – aufgrund der direkten Sonneneinstrahlung – seien die Jungbäume am Nordhang kaum vertrocknet.

„Wir achten auf eine naturnahe Bewirtschaftung mit sogenannten Shropshireschafen, die keine Nadelbäume fressen“, berichtet Müller. Zudem achte der landwirtschaftliche Betrieb darauf, nur einzelne Bäume zu entnehmen und diese daraufhin direkt nachzupflanzen. Damit hätten die Setzlinge jederzeit den Schutz der benachbarten Bäume. Die wichtigste Botschaft sei, dass die Käufer keine Angst haben müssten, dass es nun zu Weihnachten keine Bäume gibt. Hier im Süden sei der Boden deutlich lehmiger und schwerer als beispielsweise am Rhein. Dort sei der Boden sandig und spende den Bäumen zu wenig Wasser.

Auch Dr. Martin Rometsch, Geschäftsführer des Christbaumverbands Baden-Württemberg mit Sitz in Bühl, sieht das Problem bei der Sommertrockenheit. „Die Nordmanntanne kommt ursprünglich aus dem Kaukasus, dort ist Trockenheit üblich, weshalb diese Art den Sommer gut überlebt hat“, berichtet er. Dennoch strapaziere die Dürre seit Februar die Tannen. Gestresste Bäume seien anfälliger für einen Borkenbefall.

Arten noch in Testphase

Laut Müller zeichnen sich die bisherigen Bestände durch eine gute Qualität aus. Im Frühjahr 2019 werden neue Setzlinge gepflanzt. Abzuwarten ist, ob der kommende Sommer ebenso trocken wird wie in diesem Jahr. Er kann sich auch alternative Tannenarten auf dem Markt vorstellen, die sich noch in einer Testphase befinden. „Klar ist, es gibt keine zweite Nordmanntanne. Aber es gibt noch andere robuste Arten, die wir derzeit züchten.“

Bei den Tannen, so erläutert Müller, unterscheidet man zwischen solchen, die nur flach an der Erdoberfläche und Arten, die tief wurzeln. Die Nordmanntanne entnimmt dem Boden in der Tiefe Wasser und habe somit weniger Probleme bei andauernden Trockenperioden. „Solche Wetterextreme gibt es ja in den letzten 15 Jahren und nicht erst jetzt“, betont er. Der Hagel vor ein paar Jahren hätte dem Bestand an Bäumen auch geschadet. Ebenso wie die Kälte im letzten Jahr, die bis in den März andauerte.

Dass es nicht überall zu einer schlechten Ernte kam, zeigt der Uhlandhof in Hattenhofen. Dort seien laut Besitzer Georg Gallus 99 Prozent der Setzlinge gewachsen. „Wir setzen die Jungpflanzen mit Erdballen wie im Blumentopf in die Erde“, erklärt Gallus. Schon vor Jahren hätten sie bemerkt, dass damit die Wurzeln leichter weiter wachsen würden. Von Hand zu wässern wäre technisch zu aufwendig, das kam nicht infrage. Die Nordmanntannen stehen zusätzlich im Schatten von wilden Möhren. Georg Gallus hatte Glück, denn er hat sich dafür entschieden seine Setzlinge im Frühjahr anzupflanzen und die Winterfeuchte im Boden zu nutzen. Im Herbst ist es jetzt immer noch zu trocken, um neue Bäume anzupflanzen. „Eigentlich hätten wir in der ersten Septemberwoche angefangen, aber wegen des geringen Niederschlags haben wir uns umentscheiden müssen“, bedauert er.

Im November bestehe die Gefahr, dass zum Regen auch Frost hinzukommen kann. Dadurch wachsen die Pflanzen nicht richtig an und verdursten letztendlich. Seiner Meinung nach sind die Bauern im Südwesten im Vergleich zu anderen Regionen gesegnet. Alles in allem sei die Lage momentan alles andere als tragisch.

Besser wäre laut Martin Rometsch hinsichtlich der Nachfrage zukünftig ein Mix aus verschiedenen Tannenarten. Denn bis ein Weihnachtsbaum groß sei, dauere es acht Jahre. „Falls das die nächsten Sommer so weiter gehen sollte, haben wir in Zukunft ein massives Problem“, befürchtet Rometsch. Er weiß, dass von Februar bis Oktober zwischen 50 und 95 Prozent weniger Regen fiel, gemessen am Mittelwert der Monate zuvor. Tröstlich für die Christbaumkäufer: Das Angebot in diesem und auch im kommenden Jahr bleibt, genauso wie die Preise, fast gleich, weiß Müller und betont: „Das Auge ist bei uns nicht ganz so blau wie in anderen Regionen.“

Weihnachtsbäume – Arten und Eigenheiten

Favorit Der beliebteste Weihnachtsbaum ist nach Angaben der Christbaumzüchter die Nordmanntanne, weil ihre Form am schönsten und die Nadeln weicher seien als vergleichsweise bei Fichten. Sie hat zusätzlich kräftige Tannenzweige für die beliebten Christbaumkugeln. Ebenso werden Blaufichte, Rotfichte oder Nobilistannen zu Weihnachten in die Wohnzimmer gestellt.

Kosten Die günstigsten Weihnachtsbäume sind Fichte und Kiefer. Wer einen ausgeprägten Duft der Bäume bevorzugt, wählt Edeltannen und Blaufichten. Das Weihnachtsbaumschlagen ist ein beliebtes Ritual vor der Weihnachtszeit.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel