Ausstellung Chagall-Schau in Ebersbach

Neben interessanten Informationen und Anekdoten zur Person Marc Chagall und seinem Malstil wurde die Vernissage auch durch die Umrahmung des „Tango Ensembles“ der Musikschule bereichert.
Neben interessanten Informationen und Anekdoten zur Person Marc Chagall und seinem Malstil wurde die Vernissage auch durch die Umrahmung des „Tango Ensembles“ der Musikschule bereichert. © Foto: Giacinto Carlucci
Ebersbach / Sandra Thurner 14.04.2018

Blau, die Farbe des Himmels, die Farbe des Paradieses und des Meeres nahe Nizza ist „die“ Farbe, die viele Werke Marc Chagalls – insbesondere die Fenster der Kirche St. Stephan zu Mainz – charakterisiert. In der Ausstellung im Credo, in der aktuell Werke von Marc Chagall (1887-1985) zu sehen sind, dominiert dieses Blau nicht. Die gezeigte Auswahl repräsentiert dagegen eine breitere Farbpalette und bildet stattdessen in Relation und fast ausschließlich das Drittel des Werkes Chagalls ab, das sich mit biblischen Themen beschäftigt: von Lithographien und Radierungen zum Buch Moses über König David und Hiob bis hin zu Mariendarstellungen in Form hochwertiger Kunstdrucke. „Unikate sind die Bilder in der Ausstellung nicht, aber Originale“, erklärte der Experte Heiner Eberhardt den erheblichen Unterschied.

Blau leuchtend sticht das bekannte Bild „Maria mit dem Kind“ hervor, das in der Kirche zu St. Stephan in Mainz als Fenster 1977 realisiert wurde – der entsprechende Kunstdruck hängt im Ausstellungsraum leider hinter eine Säule, die dem Bild tatsächlich ein wenig die innewohnende Strahlkraft nimmt. „Ich habe die Bibel geträumt“, dieses Zitat trifft den Wesenskern seines Werkes, das nah am Surrealismus zu verorten ist. Man könnte ihn auch als C. G. Jung (Psychoanalytiker) der Malerei bezeichnen, da er sich intensiv mit archetypischen Konstellationen, dem Unbewussten und dem Traum beschäftigt hat. Doch seine Zuwendung zu nicht realen, traumgleichen Themen entsprang mehr einer Not als einer künstlerischen Freiheit. Der Maler-Poet, der 1887 in Russland als Kind einer armen jüdischen Arbeiterfamilie geboren wurde, sah sich verpflichtet, das Bildverbot der Bibel einzuhalten. Er wollte malen und suchte daher einen Ausweg aus dem Dilemma. So beschloss er, nicht realistisch zu malen, und gebrauchte dafür das Wort „surnaturalisme“, berichtete der Referent Heiner Eberhardt. Der Künstler konnte nicht ahnen, dass 15 Jahre später die surrealistische Bewegung entstehen würde.

„Ein blauer Fisch“ - dieses Gemälde von Chagall diente dem Künstler, seinen dreifachen Verlust zu bewältigen und wieder zur Malerei zurückzufinden. Er hatte sein Elternhaus in Russland verloren, durch die Wirren des 2. Weltkrieges hatte er seine Wahlheimat Frankreich verloren, symbolisiert im umgestürzten Eiffelturm, und 1944 starb seine Frau Bella. „Der Fisch taucht bei Chagall immer dann auf, wenn tiefe Themen angesprochen werden“, erklärte der Chagall-Kenner Eberhardt. Und erzählte: Selbst an seinem Sterbetag am 28. März 1985 hat er noch ein Bild gemalt, das den Titel „Abendgebet“ trägt.

Info Zu der Ebersbacher Chagall-Ausstellung gibt es öffentliche Führungen: jeweils ab 16 Uhr bis einschließlich Dienstag, 17. April. Am morgigen
Sonntag findet im Credo ab 10 Uhr
ein Chagall-Gottesdienst statt.

Von Russland über die USA nach Frankreich

Biografie Marc Chagall wurde 1887 bei Witebsk (Russland) geboren. 1906 wurde er Malschüler von Jehuda Pen, der an der Petersburger Kunstakademie studiert hatte. 1910 bezog er sein erstes eigenes Atelier in Paris in der Impasse du Maine. Während der NS-Diktatur wurde sein Werk als „Entartete Kunst“ zensiert und teilweise verbrannt. Er konnte gerade noch in die USA fliehen. 1948 kehrte er nach Frankreich zurück und zog schließlich an die Côte d’Azur, wo er 1985 starb.

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