Geislingen Capvis versilbert die WMF

Qualitätskontrolle einer Gabel bei der WMF: Der Mehrheitsaktionär Capvis verkauft sein Paket mit 52 Prozent der Stammaktien an den großen US-Finanzinvestor KKP. Und der will noch mehr. Foto: Archiv/Keystone
Qualitätskontrolle einer Gabel bei der WMF: Der Mehrheitsaktionär Capvis verkauft sein Paket mit 52 Prozent der Stammaktien an den großen US-Finanzinvestor KKP. Und der will noch mehr. Foto: Archiv/Keystone
Geislingen / RODERICH SCHMAUZ 07.07.2012
WMF-Mehrheitsaktionär Capvis verkauft sein Paket mit 52 Prozent der Stammaktien an den großen US-Finanzinvestor KKP. Und der will noch mehr. Das Kartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen.

Die WMF hat einen neuen Haupteigentümer: Die Schweizer Finanzbeteiligungsgesellschaft Crystal Capital (Capvis) besaß seit 2006 mit 52 Prozent der Stammaktien und fünf Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien die Mehrheit an der Geislinger WMF AG. Nun verkauft sie, wie angekündigt, ihr Aktienpaket, und zwar an eine Holding der KKR. Die Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) mit Sitz in New York ist - gerade im Vergleich zu Capvis - ein riesiger internationaler Finanzinvestor.

Capvis und KKR gaben gestern bekannt, dass sie sich auf die Übernahme geeinigt haben - zum Preis von 47,00 Euro je Stammaktie. Dem Kauf muss die Kartellbehörde zustimmen. Zugleich unterbreitete die KKP in London an alle anderen Aktionäre der WMF ein Übernahmeangebot zum selben Preis - für Vorzugsaktien ist die Preisfindung noch nicht abgeschlossen, KKP will mindestens 31,70 Euro zahlen.

Der zweite Großaktionär der WMF, die österreichische Fiba-Gruppe, will nicht verkaufen, wie sie gestern gegenüber unserer Zeitung nochmals bekräftigte. Die Fiba besitzt 37 Prozent der Stammaktien. Jüngst hatte ein Fiba-Sprecher in der Hauptversammlung der WMF erklärt, sein Unternehmen sei ebenfalls am Erwerb des Capvis-Aktienpakets interessiert, sofern der Preis stimme.

Die KKR wird in einer Pressemitteilung dahingehend zitiert, dass sie "mit dieser strategischen Investition die langfristigen Wachstumspotenziale der WMF weiter fördern und die solide Entwicklung des Unternehmens konstruktiv begleiten" wolle. KKR-Direktorin Silke Schreiberunterstreicht das: "In den vergangenen Jahren hat sich die wmf group äußerst erfolgreich entwickelt. Als Partner an der Seite des Managements wollen wir die eingeschlagene Strategie unterstützen."

WMF-Vorstandschef Thorsten Klapproth, der jüngst seinen Vertrag demonstrativ verlängert hat, zeigt sich erfreut: "Wir begrüßen den Einstieg von KKR und freuen uns, dass unsere Strategie des ertragreichen Wachstums für starke, kompetente Investoren überzeugend ist." Er sei überzeugt, mit dem neuen Mehrheitsaktionär durch eine "auf Stabilität und Professionalität basierende Zusammenarbeit" die langfristige Wachstumsstrategie fortführen zu können - in allen fünf Hauptgeschäftsbereichen, nämlich bei Kochgeschirren und Bestecken, Filialen, Kaffeemaschinen, Elektrokleingeräten und in der Hotellerie.

Gestern Nachmittag unterrichtete Klapproth den Betriebsrat. "Was ich bisher weiß, klingt gar nicht so schlecht", sagte in einer ersten Stellungnahme Betriebsratsvorsitzender Andreas Hermann gegenüber unserer Zeitung. Erst sei er erschrocken, als er vom Einstieg eines US-Finanzinvestors gehört habe. Aber eine Zerschlagung der WMF würde doch auch einem Investor nichts bringen, meint Hermann. Seine Sorge gilt den Arbeitsplätzen vor Ort: "Es wird immer mehr verlagert, wir haben kaum noch eine Fertigung in Geislingen."