Streik im Kreis Göppingen Busfahrer kämpfen am Mittwoch für mehr Lohn

Göppingen / Axel Raisch 13.02.2019
Der Busfahrerstreik im Kreis Göppingen geht in die zweite Runde: Den ganzen Mittwoch über wird gestreikt. Es wird mit starken Beeinträchtigungen gerechnet.

7 Uhr, minus 3 Grad, Grill, Kaffeebecher und Zigaretten qualmen vor dem Betriebstor der OVG in Jebenhausen. Die Stimmung zwischen den Tarifpartnern bei den derzeit laufenden Verhandlungen im privaten Omnibusgwerbe des Landes ist ähnlich unterkühlt. Zahlreiche streikende Busfahrer in gelben Verdi-Warnwesten stehen daher – zum Teil seit dem Betriebsbeginn gegen 4.30 Uhr – am Tor und unterstreichen ihre Forderung nach 5,8 Prozent mehr Lohn: „Gutes Geld für harte Arbeit für die Busfahrer in Baden-Württemberg“, steht auf einem Banner.

An diesem Mittwoch sind Göppingen und Geislingen dran, die OVG und das Busunternehmen Sihler werden komplett bestreikt. Von Frank & Stöckle aus Hattenhofen sind „sechs mutige Kollegen“, so Gewerkschaftssekretär Brückner, nach Göppingen gekommen. Innerhalb von vier Tagen würde im Rahmen der Tarifverhandlungen des privaten Omnibusgewerbes im Land ganz Baden-Württemberg dezentral bestreikt, erklärt Gewerkschaftssekretär Ralf Brückner vom ver.di-Bezirk Fils-Neckar-Alb.

12 Unternehmen im Bezirk beeinträchtigt

Er ist an diesem Mittwochmorgen seit 4 Uhr in den Streikorten unterwegs und verkündet über Megaphon an welchen Orten alle Busse stillstehen. „Neuffen steht, Geislingen steht“, berichtet er unter anderem, begleitet von Jubel, Trillerpfeifen und Beifall. Insgesamt sind es an diesem Tag 12 Unternehmen im Bezirk Fils-Neckar-Alb. Die Beeinträchtigungen des Busverkehrs sind erheblich. Eine zentrale Kundgebung gibt es mit ver.di-Verhandlungsführer Andreas Schackert in Reutlingen.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber ist OVG-Geschäftsführer Eberhard Geiger. Ohne seinen Namen ein einziges Mal in den Mund zu nehmen, ruft Brückner seinen Kollegen am OVG-Betriebstor zu: „Ihr seid diejenigen, die ihm mal zeigen, wo's langgeht“. Dass er bei den Verhandlungen auf Stundenlöhne von 13 Euro im Metzinger Outlet verwiesen habe, bezeichnet der Gewerkschaftssekretär als „Frechheit“. Für die verantwortungsvolle Aufgabe der Busfahrer, die an allen Tagen, zu jeder Zeit und Witterung unterwegs seien, müsse es eine anständige Bezahlung geben, betont Brückner bevor er das Megaphon an Michael Grau weitergibt.

Nächste Verhandlungsrunde am Montag

Der OVG-Beschäftigte ist Mitglied der ver.di-Tarifkommission. Angesichts der frostigen Temperaturen wärmt er seine Kollegen mit einer kämpferischen Rede über Solidarität und Gerechtigkeit: „Wir wissen wofür wir hier stehen.“ Zwar sterbe die Hoffnung zuletzt, wenn in der nächsten Verhandlungsrunde am kommenden Montag jedoch kein Durchbruch erzielt werde, „stehen wir wieder hier – alle gemeinsam“, kündigt Michael Grau an. Sollten die Verhandlungen scheitern, wird es eine Urabstimmung geben. Mehrtägige Streiks könnten dann drohen.

Für Ali Celkin, Heinrich Bretz, Carsten Asche, Jakob Hermann, Juri Niculin und Robert Allerdings geht es nicht nur um einen höheren Lohn. Ein zentraler Aspekt sind für die sechs Fahrer von Frank & Stöckle die Arbeitsbedingungen. „Wir sind auch hier, um zu zeigen, dass man mit uns nicht alles machen kann“, betonen sie und berichten von Ungewissheit über Dienstzeiten und Schichtzeiten, die Familienleben zerstörten: „Sie verplanen unser Leben und wir sehen die Familie nicht mehr“. Besonders ärgert die sechs Fahrer, dass sie als Altgediente gegenüber Jüngeren in ihrem Unternehmen benachteiligt würden. Das sei so, seit die Geschäftsführung gewechselt habe und es einen neuen Fahrplan gebe, sagen sie. Der Großteil der 24 Beschäftigten ist an diesem Tag mit den Frank & Stöckle-Bussen unterwegs, der Organisationsgrad der Fahrer sei gering, berichten die Streikenden.

Kollegen zeigen sich solidarisch

Stefan Klotz von der EVF ist ebenfalls mit beim Streik dabei. Um sich solidarisch mit den Kollegen zu zeigen. Es war ihm wichtig „im Rahmen der Möglichkeiten“ dies in seiner Freizeit vor Arbeitsbeginn um 9 Uhr zu machen, da sich die Busfahrer umgekehrt im vergangen Frühjahr mit den Beschäftigten des Energieversorgers solidarisch gezeigt hätten. „Es motiviert und ist ein gutes Gefühl, selbst wenn sie nur vorbeifahren, hupen und winken.“

Die Posten des 24-stündigen Streiks seien bis Betriebsschluss gegen 0.30 Uhr vor Ort, erklären Teilnehmer des Ausstands.

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