Wetter Burglind hat aufgeräumt

Region / Von Thomas Hehn 09.01.2018
Mit Böen von bis zu 116 Kilometern in der Stunde blähte Sturm Burglind zwar die Backen, größere Schäden gab es aber nicht.

Der Sturm ist der beste Förster. Wir sehen nicht in die Bäume rein“. Frieder Angerbauer nimmt‘s mit Galgenhumor. Der  Amstetter Förster war gestern noch nicht ganz durch mit der Aufnahme der Schäden, die Orkan Burglind am vergangenen Mittwoch in seinem 1800 Hektar großen Revier angerichtet hat. Angerbauer geht trotzdem davon aus, dass wohl nicht mehr als 400 Festmeter am Boden liegen. „Und das waren durchweg   kranke Bäume. Insofern hat der Sturm nur aufgeräumt, was eh fällig gewesen wäre.“

Auch Angerbauers Kollege Wolfgang Mangold vom Forstrevier in Böhmenkirch beruhigt. „Es gab schon Schäden, aber das ist nicht dramatisch.“ Unterm Strich rechnet Mangold mit rund 1000 Festmetern in seinem Revier, das 500 Hektar Gemeindewald  und 700 Hektar Privatwald umfasst. Auch auf der Ostalb fielen meist nur einzelne Bäume, überwiegend 70 bis 80 Jahre alte Fichten. Flächenwürfe mit bis zu 30 Bäumen gab es Mangold zufolge nur „in eh schon labilen Gebieten“. Dazu zählt der Leispel, wo der Wald durch die Erweiterung des Böhmenkircher Steinbruchs Stürmen ebenso schutzlos ausgeliefert ist wie auf der Rauen Wiese. Dort konnte Burglind auch deshalb zuschlagen, weil Waldarbeiter erst zuvor eine Fläche abgeholzt hatten.

Da Revierförster bei der Planung des Forstwirtschaftsjahres immer auch Sturmschäden mit einkalkulieren, bleiben die Experten noch gelassen. „Wenn nicht noch ein Sturm dazu kommt“, schränkt Mangold ein. Ansonsten gilt es nun, das Sturmholz möglichst schnell aufzuarbeiten und aus dem Wald zu schaffen. „Sonst hat der Borkenkäfer im Frühjahr einen gedeckten Tisch. Und der hat sich ja bereits im vergangenen Jahr stark vermehren können,“  warnt der Böhmenkircher Förster.

Durch den Sturm liegt nun zwar einiges Holz auf dem Boden – im Landkreis sind es ersten Schätzungen zufolge 4500 bis 6000 Festmeter – trotzdem glaubt Forstamtsleiter Martin Geisel nicht, dass sich das auf die Holzpreise auswirken wird. „Da müssten im Land schon Millionen Festmeter fallen.“ Zumal die Wirtschaft boomt und die Nachfrage kaum zu decken sei: „Das puffert auch Sturmereignisse ab“.  Sofern es sich um Wurfholz, also umgefallene Bäume, handelt, erwartet Geisel keine großen  Einbußen. Derzeit wird Bauholz der Klasse 2B mit 93 Euro pro Festmeter gehandelt. Schlimm sind dagegen Waldbesitzer dran, deren Bäume durch die Gewalt des Sturms abgebrochen sind. Dieses Holz ist nicht nur weitaus schwieriger aufzuarbeiten, die Besitzer müssen auch bei der Vermarktung mit massiven Verlusten rechnen. Solches Splitterholz eigne sich meist nur noch für die Industrie zur Herstellung von Papier oder Spanplatten, befürchtet Geisel.

Ob Bruch oder Wurf – bis der Wald wieder aufgeräumt ist, wird es noch Wochen dauern. Deshalb warnen Geisel und seine Kollegen weiter vor Spaziergängen im Wald, vor allem bei Wind. „Angebrochene Äste oder Kronen können auch Tage nach dem Sturm jederzeit fallen“, so Geisel. Fahr- und Wanderwege haben deshalb  Vorrang bei der Beseitigung von Sturmholz. „Bis zum Beginn der Wandersaison im März sind auch die Löwenpfade wieder frei“, verspricht der Forstamtsleiter.

Bilanz Forstamt
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