Umzug Buntes Treiben beim Rosenmontagsumzug

Wiesensteig / HARTMUT ALEXY 12.02.2013
Mehrere Tausend Zuschauer haben den Rosenmontagsumzug in Wiesensteig gesehen. Dazu waren gut 60 Fasnetsgruppen mit weit über 1000 Mitwirkenden in die Stadt am Filsursprung gekommen.

Beim Zunftmeisterempfang am Vormittag ließ sich Prinz René I. noch entschuldigen - die Fasnetsgesellschaft Wiesensteig hat sich in den vergangenen Jahren auch auswärts viele Freunde gemacht, die alle besucht sein wollten. Beim Rosenmontagsumzug am Nachmittag saß der närrische Regent aber schon wieder fest im Sattel auf dem großen helfensteinischen Elefanten, der seit jeher den Festwagen der Narrenzunft ziert. Prinzessin Sonja I. neben ihm, auf dem geschwungenen Rüssel sitzend Hofnarr Julia Kruschina, drumherum die Garde - so hatte auch gestern alles seine schönste Ordnung. Mehrere Tausend Zuschauer (im Bereich des Rathauses allerdings ein paar weniger als im Vorjahr) erlebten ein knapp zweistündiges närrisches Treiben, bei dem es an nichts fehlte. Das Motto lautete diesmal: "2012 ging die Welt nicht unter - 2013 wird die Fasnet umso bunter."

Den Anfang machte wie gewohnt der Büttel mit der Schell. "Der muss nichts sagen, den sieht man und den hört man", erklärte Moderator Helmut Poloczek, der den Zug diesmal von einem Wagen vor dem Residenzschloss aus kommentierte. Darauf folgte sogleich der Wiesensteiger Kindergarten Villa Filsblick mit einem herzerwärmenden Piratentanz - über der Kiste mit dem Goldschatz stand die Flagge mit dem Totenkopf, mittanzende Mütter und Erzieherinnen schwenkten schartige Säbel über ihren Köpfen. Närrisch kostümiert hatte sich auch die örtliche Stadtkapelle. Mit vielen Hexen rückten die ersten Gäste von auswärts an, die Schozachtalnarren aus Untergruppenbach; mit einer großen knarrenden Rätsche traten die Pfingstlümmel aus dem benachbarten Hohenstadt an. Und eine Premiere gab es auch: "Zum ersten Mal in Deutschland - zum ersten Mal in Wiesensteig", so kündigte Fasnets-Sprecher Poloczek die gewiss ein halbes hundert Köpfe zählenden Hungerberg-Hexen aus dem schweizerischen Münsingen an. Beim Namen ihrer Guggenmusik kam er jedoch fast ins Straucheln: "Chlepfschytter" nennt sie sich - was immer das heißen mag.

Und überhaupt: Viel schräge Guggenmusik gab es gestern in Wiesensteig zu hören, von den "Durchgeknallten Kobolden" aus Hohenstadt und den "Stäära-Gugga" aus Donzdorf zum Beispiel, aber auch vom Musikzug Gammelshausen und dem Fanfarenzug Deggingen, von Gruppen mit Namen wie "Zwei Gether Rechberghausen" und "Domm gloffa Adelberg" und etlichen anderen mehr. Es gab Akrobatisches: Eine Hexe der Härtsfeldnarren aus Neresheim stieg mitten auf der Straße auf eine Leiter, die von zwei oder drei anderen Narren gehalten wurde, und grüßte von der Spitze mit einem dreifachen "Narri-Narro"; andere Hexen stellten sich zu Pyramiden auf, verpackten Mädchen wie die Weihnachtsbäume, luden zum Konfettibad oder zum Seilhüpfen ein und ließen lange Geißeln knallen. Und es gab viele fantasievolle Kostümierungen zu bewundern. Den zähnefletschenden "Körschtaler Höllenwächtern" nahm man ohne Weiteres ab, dass sie Dienst an einem schaurigen Ort tun. Die Donzdorfer Häfeles-Schemma trugen ein buntes Flecken-Häs und am Stock sinnvollerweise eine kleine Kanne (weil kein anderes Häfele zur Hand war). Die Maskengruppe des Gesangvereins Cäcilia Wernau war mit einer Rotte knurrender Wildschweine angerückt und der FV Lauterach mit Schnecken.

Nicht zuletzt aber gab es närrische Festwagen zu allen möglichen Themen. "Zum Schutz vor dem Dornröschenschlaf kommen wir mit Goiß und Schaf", hatte eine Wiesensteiger Gruppe gereimt und eine andere riet, da es mit dem Baumwipfelpfad nichts geworden war, zu einem Flugplatz auf der Albhochfläche. Sogar ein "Wiesensteiger Kaspertheater" wurde beschworen. Der Heimatverein Mühlhausen hatte an der künftigen "Filspromenade" (die richtige soll im Filsweg gebaut werden) einen palmenbestandenen Sandstrand aufgeschüttet und prophezeite "Ob es stürmt, ob es schneit, gebadet wird in der Fils zu jeder Zeit" und die Mühlhausener Brühl-Kuckucke ließen dazu ihr schmuckes Federkleid rauschen; ein weiterer Wagen ließ sogar ein "Freudenhaus" an der Autobahn in Mühlhausen Wirklichkeit werden. Tatsächlich ist der Plan seinerzeit bereits bei der ersten Prüfung durchgefallen. Um die Voraussetzungen für ein "Eros-Center" zu erfüllen, müsste die Gemeinde ungefähr 35-mal mehr Einwohner haben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel