Donzdorf Bunter Querschnitt der alten Tradition

Donzdorf / Beate Schnabl 07.01.2018
Ein 22 Meter hoher Narrenbaum und ein bunter Zug aus wilden Maskenträgern läuten in Donzdorf die Fasnet ein.

Auf dem westlichen Schlosshof dröhnt laute Partymusik aus den Lautsprechern und verkürzt den dort verweilenden Maskenträgern die Zeit, bis endlich der Narrensprung losgeht. Auf der anderen Seite des Schlosses am Europaplatz hat sich eine riesige Menge an Schaulustigen versammelt, die sich das Spektakel des Narrenbaumstellens nicht entgehen lassen wollen.

Mit dem Glockenschlag um 13 Uhr feuern die Schützen des Donzdorfer Schützenvereins elf Böllerschüsse in den Himmel. Das Signal für die Männer an den Schwalben, den 22 Meter langen Narrenbaum in die Senkrechte zu stemmen. Ein Kraftakt, der es in sich hat, wie sich in der nächsten Stunde zeigen wird. „22 Meter - länger ist aus Sicherheitsgründen nicht gestattet“, verrät Heinz-Peter Roth, Pressesprecher der Narrenzunft der Schlossgoischdr.

Die Schlossgoischdr, die von starken Männern anderer Zunftgruppen und einer Frau sowie von Fasnetsprinz Flori I. mit Hofmarschall und Hofnarr unterstützt werden, sieht man die Anstrengung an. „Schlooooss-Goiiiischd“, spornt Ehrenzunftmeister Ewald Wilhelm an und der Narrenbaum schiebt sich unter Muskelkraft Meter um Meter weiter in die Höhe. Nach jedem Kraftschub wird den Mannen eine kleine Pause gewährt, in der Zunftmeisterin Petra Roth in launigen Versen Hintergrundwissen zur Fasnet, zum Narrenbaum und zu den Narrenzünften vermittelt. So erfahren die Zuschauer, dass nun auch die Narrenzunft „Jetztischdrdeifllos“ aus Süßen mit einer Zunfttafel am Baum zu Ehren kommt. Die Guggenmusiker der Donzdorfer Nodabiagr und der Gugga-Bätscher aus Staig bei Ulm umrahmen das Spektakel mit schrägen Tönen.

Punkt 14 Uhr ist es endlich geschafft. Der Narrenbaum ragt senkrecht in den grauen Januarhimmel. „Die Fasnet ist eröffnet“, verkündet Ewald Wilhelm laut. Und während der Baum sicher in seiner Halterung verankert wird, die Geschenke an die Kinder verteilt werden, setzt sich im westlichen Schlosshof der Narrenzug aus Hexen, Geistern, Waldschraten und anderen Gesellen in Bewegung. Die Narrenzunft der Winzinger Holzbrockeler macht den Anfang des Narrensprungs rund ums Schloss.

Mit „Hui dä dää“ geht es durch das Tor auf die Umzugsstrecke. Gefolgt von der Narrenzunft aus Untermarchtal, den Schatzräubern vom Waldegg, den Hagenmannhexen aus Hechingen…Lautes Getöse aus Schellenklingen, Peitschenknallen und Rätschenlärm bestimmen das Treiben.

Den Zuschauern am Straßenrand bietet sich ein bunter Querschnitt der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Über 70 Narrenzünfte und acht Musikgruppen aus dem süddeutschen Raum und geben sich am Sonntagnachmittag in Donzdorf ein Stelldichein. Wenn auch die kunstvoll geschnitzten Masken wild und böse drein blicken, so sind doch deren Träger milde gestimmt. Vor allem die Kinder haben nichts zu befürchten, bekommen Süßigkeiten zugesteckt, während junge Frauen mit Konfetti im Kragen rechnen müssen oder gar ein paar Meter mitgeschleppt werden. Eine Zuschauerin verrät, dass sie mit Mann und Tochter seit 25 Jahren zum Donzdorfer Narrensprung kommen: „Uns gefallen die Masken und Kostüme. So was gibt es bei uns in Schwäbisch Hall nicht.“

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