Gammelshausen BUNTE: Wohin mit der Litfasssäule a.D. ?

Litfasssäule im Dornröschenschlaf? Der Gammelshäuser Bürgermeister Daniel Kohl würde das gute Stück gerne wieder zur Geltung bringen.
Litfasssäule im Dornröschenschlaf? Der Gammelshäuser Bürgermeister Daniel Kohl würde das gute Stück gerne wieder zur Geltung bringen. © Foto: Staufenpress
Gammelshausen / JÜRGEN SCHÄFER 27.08.2015
Eine Lifasssäule außer Dienst fristet in Gammelshausen auf einem Streifen Gemeindegrund ein einsames Dasein. Nur ein Gemeinderat erinnert hin und wieder den Schultes an die stillgelegte Plakatsäule.

Gammelshausen ist ein Blumendorf a. D. und hat eine Litfasssäule a. D. Das hat keinen Zusammenhang, aber eine mögliche gemeinsame Perspektive: Beides kann wieder zu neuer Blüte kommen, das Blumendorf und die Litfasssäule.

Letztere führt ein solches Mauerblümchendasein, dass die wenigsten Gammelshäuser wissen, dass sie eine solche haben. Das vermutet jedenfalls Hans Hohlbauch, ein altgedienter Gemeinderat, den das Schicksal der Litfasssäule von Zeit zu Zeit umtreibt. Das gute Stück ist, betongrau und ihres Zweckes gänzlich entkleidet, kaltgestellt auf einem Streifen Gemeindegrund, der wie Niemandsland aussieht: zwischen den Wertstoffcontainern an der Schillerstraße und einem Mehrfamilienhaus an der Hauptstraße. Von einem Fußweg ist sie noch zu sehen. Und von Balkonen der Anwohner.

Wie lange sie dort schon steht? Sie musste der Sanierung der Ortsdurchfahrt weichen - so hat es Bürgermeister Daniel Kohl gehört. Demnach wären es sieben Jahre. Ihr angestammter Platz, an dem heute ein Altkleidercontainer steht, hatte allerdings auch ein Manko. Der lag an der Bushaltestelle beim "Lamm", am Ortseingang aus Richtung Heiningen, und dieses Fleckchen Erde ist nur einseitig der Welt zugewandt, weil dahinter Privatgelände liegt. So war die Rückseite der Säule nicht nutzbar. "Das war auch nichts für die Leute, die Plakate geklebt haben", sagt Hohlbauch. "Das ist ja richtig untergegangen."

So wurde die Litfasssäule zwischengelagert, der Bauhof hatte seine liebe Mühe mit den schweren Betonringen, und es kam, wie es kommen musste: Nichts währt länger als ein Provisorium. Im Gemeinderat erinnerte nur Hohlbauch den Schultes und die Ratskollegen von Zeit zu Zeit an die stillgelegte Plakatsäule, die jetzt nutzlos herumstand. Dass man sie entweder wiederbeleben oder wegschaffen solle. Aber seine Ermahnungen verpufften. "Es hat, glaub ich, keinen interessiert", kommentiert er.

Sinn für Nostalgie

Immerhin: So überlebte die Litfasssäule bis heute und das jüngste Nachhaken von Hohlbauch könnte eine Tür aufgestoßen haben. Der jetzige Bürgermeister hat Sinn für Nostalgie, eine Litfasssäule im Dorf fände er schick. "Es gibt nichts Schöneres, als alte Dinge aufzugreifen", schwärmt Kohl, der selber mit seiner Familie bewusst in einem alten Haus wohnt.

Wenn ein neuer Platz gefunden würde: Die Litfasssäule könnte so vieles verkünden, was in Gammelshausen veranstaltet wird, malt der Schultes aus. Hohlbauch wäre glücklich, wenn die wilde Plakatiererei an den Lichtmasten entlang der Ortsdurchfahrt aufhören würde. Und Gammelshausen hätte eine Besonderheit: Wo im Voralbgebiet steht noch eine Litfasssäule?

Nur ist das nicht so einfach. Es böte sich zwar die Dorfmitte an, der Platz vor dem Gemeindehaus, aber der scheint für die Säule tabu. Sei es wegen der Verkehrsflächen oder ihrer Erscheinung als solcher. Sonst stünde sie schon längst dort. Aber wer weiß. Bürgermeister Kohl hat da keine Scheu. Wenn man auf dem Platz ein Plätzchen für die Litfasssäule finde - warum nicht? fragt er. Vielleicht, so darf man spekulieren, ergibt sich auch etwas auf der anderen Seite der Hauptstraße, die Gemeinde hat dort ihren Grundbesitz vergrößert. Der Schultes will die Litfasssäule a. D. jedenfalls nicht aus den Augen verlieren. So wenig wie das Blumendorf.

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