Autobahn Bürgerprotest gegen Lärm und Stau

Wenn die Autobahn zu ist, wird Gruibingen überrollt. Eine Bürgerin fordert Verbesserungen, auch gegen den täglichen Lärm von der Autobahn.
Wenn die Autobahn zu ist, wird Gruibingen überrollt. Eine Bürgerin fordert Verbesserungen, auch gegen den täglichen Lärm von der Autobahn. © Foto: Staufenpress
Gruibingen / Jürgen Schäfer 31.08.2018
Zum Planfeststellungsverfahren für den Albaufstieg der A 8 startet eine Gruibingerin eine Unterschriftenaktion.

Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass bei gutem Willen etwas zu machen ist“, sagt Andrea Moll-Hascher. All die Jahre hat sie unter den Auswirkungen der Autobahn auf Gruibingen gelitten und sich nicht gewehrt. Jetzt aber doch. Bei der Informationsveranstaltung zum Ausbau der Autobahn am Albaufstieg hat die Gruibingerin den Planern aus Stuttgart gesagt, dass der Ort über die Maßen belastet ist. Und damit belässt sie es nicht. Sie reicht eine Einwendung zum Planfeststellungsverfahren ein und wünscht sich, dass möglichst viele Gruibinger unterschrieben. „Dass wir in Stuttgart Gehör finden, um Verbesserungen zu erreichen.“

Von Kind an kennt Andrea Moll-Hascher den Verkehr von der Autobahn. „Es ist schlimmer geworden“, sagt sie. Trotz des Ausbaus im Gruibinger Abschnitt. Einfach, weil der Verkehr stärker geworden sei. Weil Gruibingen jetzt am Ende der Ausbaustrecke liegt und der Tunnel oft überlastet ist. An sehr vielen Wochenenden sei die Ortsdurchfahrt von Umleitungsverkehr verstopft, klagt Moll-Hascher. An Ferienwochenenden wisse man schon vorher: Die Straße ist zu. „Da braucht man nicht versuchen, zum Einkaufen zu fahren, man kommt manchmal nicht raus aus den Seitenstraßen“, schildert sie. „Ich habe deswegen schon Termine verpasst.“ Man könne dann nur versuchen, über Auendorf auszuweichen – außenrum, gegen den Strom. Ferner seien Fußgänger und Radfahrer gefährdet.

Und das ist nur das eine. Wenn der Verkehr auf der Autobahn rolle, bringe er Lärm – trotz des durchgängigen Lärmschutzes mit Schallschutzwänden, Tunnel und Lärmschutzwall. „Das nutzt den wenigsten“, sagt Andrea Moll-Hascher. „Die meisten sagen: es ist nicht anders als vorher.“ Kleines Beispiel: Bekannte von ihr gingen nicht mehr auf der Terrasse, nachdem sie die üppigen Pflanzen, die ihnen vorher einen gewissen Schallschutz geboten hätten, gekürzt haben.

Und künftig, wenn der Bau des Albaufstiegs laufe, werde sich die Belastung noch drastisch verschärfen, prophezeit die Gruibingerin. Sie fordert die Behörden auf, alle Möglichkeiten für eine Abmilderung in Betracht zu ziehen. Sodann müssten für den jetzigen Lärm und Verkehr Nachbesserungen her.

Was sie sich beim Verkehrsfluss vorstellen kann: Freigabe der dritten Spur im Tunnel, eine Optimierung der Tunnelsteuerung, um die Blockabfertigung zu beschleunigen, sodann die Abschaltung der Ampel an der Anschlussstelle  Mühlhausen oder – sofern möglich – dort einen Kreisverkehr. Die Ampel ist ein Nadelöhr, nickt Bürgermeister Schweikert.

Beim Lärmschutz fordert die Gruibinger Bürgerin Verbesserungen. Welche auch immer – sie sei keine Fachingenieurin. Vorstellen kann sie sich eine Erhöhung der Verlängerung der Lärmschutzwände – „es gibt welche, die oben abknicken, vielleicht wirft das den Schall wieder zurück“ – und schallschluckende Materialien an der Betonwand zum Rufstein. Begrünung entlang der Lärmschutzwände könne etwas bringen, und Flüsterasphalt, den man einfach auf den jetzigen Belag drüberziehen könnte. Weitere Forderung: Ein Tempolimit auf ganzer Länge des Gruibinger Abschnitts in Fahrtrichtung Stuttgart. Dort gilt bisher freie Fahrt.

Ein Tunnel für beide Fahrtrichtungen wäre nach Einschätzung von Moll-Hascher die Lösung gewesen. Denn das war schon mal da: In einer Bauphase floss der gesamte Verkehr durch den Lärmschutztunnel. „Da war es tatsächlich schön ruhig“, sagt sie. Bürgermeister Schweikert bestätigt das. Zu dem Effekt habe beigetragen, dass der Verkehr abgebremst wurde. Wobei er die jetzige Lärmsituation besser einschätzt als Andrea Moll-Hascher. Weil doch auch viele sagten, es sei besser geworden. Gleichwohl: Nachbesserung sei erforderlich. „Der Lärmschutz ist nicht das, was wir erwartet haben.“

Schweikert unterstützt die Initiative der Bürgerin – und sieht sich von ihr unterstützt. Sie und die Gemeinde wollten das Gleiche.  „Es ist wichtig, dass sich Bürger zu Wort melden, dass sie ihren Unmut kundtun“, sagt er.

Unterschriftenaktion läuft noch drei Wochen

Frist: Bis zum 24. September müssen Einwendungen von Bürgern zum Planfeststellungsverfahren für den Albaufstieg der A 8 in Stuttgart vorliegen. Andrea Moll-Hascher steht noch am Anfang ihrer Unterschriftenaktion. Bis gestern abend waren es 19. Da war das Anliegen aber auch noch nicht publik.

Aufruf: Heute soll der Text mit den Forderungen im Gemeindeblatt fürs Obere Filstal erscheinen. Unterschriften kann man im Rathaus abgeben, sagt die Initiatorin. Online unterschreiben geht ebenfalls.

Gemeinde: Der Gruibinger Gemeinderat zerbricht sich schon fünf Jahre den Kopf, wie man mehr Lärmschutz bekommen kann. Bürgermeister Schweikert setzte auf den Lärmaktionsplan, aber der brachte nichts. Für Lärmmessungen gab es keine Erfolgsaussichten. Abgeblitzt ist die Forderung nach einem Tempolimit 120 in Fahrtrichtung Stuttgart.

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