Auf den ersten Blick ist es nur ein kleiner Riss am Wegrand entlang. "Aber schauen Sie mal, wie tief der ist", sagt Bürgermeister Matthias Heim und stochert zum Beweis mit einem Meterstab im Riss herum. Erst nach 1,20 Metern stößt Heim auf Widerstand. An anderen Stellen siehts genauso aus. "Unser Bauhofleiter ist schon knapp drei Meter weit gekommen," erläutert Heim. "Der Weg ist auf 25 Metern komplett unterspült. Wenn der einbricht oder ein Radler im Riss hängenbleibt, haftet die Gemeinde", verteidigt der Überkinger Schultes die nun bereits über zwei Monate dauernde Sperrung des Radwegs zwischen Bad Überkingen und Hausen

Als Anfang Juni die große Flut übers Obere Filstal hereinbrach, hat es auch das "Grüß-Gott-Wegle" auf der ehemaligen Tälesbahntrasse arg genommen. Mal wieder - und immer wieder an derselben Stelle . "Allein in den letzten zehn Jahren gab es hier vier Rutschungen" zählt Heim auf. Ein paar Meter weiter asphaltiert die Gemeinde den Radweg schon gar nicht mehr, sondern bessert nur noch mit Schotter aus: "Da bricht jedes Jahr ein- bis zweimal was weg", klagt Heim. Die ständigen Rutschungen hätten letztendlich auch der Tälesbahn das Ende beschert: "Auch wegen der ständigen Reparaturen war die Strecke für die WEG als Betreiber nicht mehr wirtschaftlich", erinnert der Schultes an das Ende der Tälesbahn, die Anfang der 80er Jahre schließlich den Betrieb einstellte.

Schuld an den ständigen Rutschungen ist die Hausener Wand. Mit ihrem enormen Gewicht üben die bis zu 250 Meter hohen Felsen einen ständigen Druck auf den darunter liegenden Hang aus. Und der gerät vor allem nach starken Regenfällen in Bewegung - auch weil sich im Untergrund eine Lehmschicht erstreckt, die "bei Nässe wie Schmierseife wirkt", zitiert der Schultes geologische Untersuchungen, die erst vor wenigen Wochen durch ein weiteres Gutachten bestätigt wurden.

Bürgermeister und Gemeinderat überlegen nun, ob es sich überhaupt lohnt, den unterspülten Abschnitt erneut zu befestigen oder es nicht besser ist, den Radweg komplett über einen Feldweg zu führen, der bereits jetzt als Umleitung für das gesperrte Teilstück am Ortseingang von Hausen dient. Der Schotterweg müsste nur asphaltiert werden. Außerdem hätte man damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, weil man mit dieser Variante auch die "Schotterpiste" kurz vor Hausen umfahren würde.

Radfahrer und Spaziergänger hätten in diesem Fall zwar rund 500 Meter mehr als bisher zu absolvieren. Angesichts der Kosten für die ständigen Reparaturen der Rutschungen hält der Bürgermeister das allerdings für vertretbar. Eine endgültige Entscheidung will der Gemeinderat treffen, wenn eine Untersuchung vorliegt, wie viel Sanierung des bestehenden Radweges beziehungsweise seine Verlegung kosten. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen vorliegen.

Bei der Finanzierung kann die Gemeinde möglicherweise auf Hilfe vom Land hoffen. Als die alte Tälesbahntrasse vor rund 30 Jahren zum Radweg umfunktioniert wurde, bekamen die Gemeinden finanzielle Unterstützung vom Land, weil der Radweg damals als "überregional bedeutsamer Radweg" eingestuft wurde. "Vielleicht gilt das noch heute", hofft Heim.