Wie gründen Bürger eine Energiegenossenschaft? Kaum jemand dürfte das besser wissen als Elisabeth Strobel, die Vorsitzende des Verbands der Bürgerenergiegenossenschaften in Baden-Württemberg. Seitdem im Jahr 2008 Bürger im Land angefangen haben, beim Thema Energiewende aktiv Hand anzulegen, sind landauf landab Dutzende von Genossenschaften entstanden. Bei allen fungierte Elisabeth Strobel als Geburtshelferin. Sie war auch am Donnerstagabend in Süßen mit dabei, als dort in der TSV-Halle die neue Bürgerenergiegenossenschaft Mittlere Fils aus der Taufe gehoben wurde - die 65. auf der Liste der Landesanstalt für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

Keine Genossenschaft ohne Satzung. Diese hatten die 158 Salacher und Süßener Bürger, die zur Gründungsversammlung gekommen waren, als erstes zu beschließen. Elisabeth Strobel zitierte die wichtigsten der 49 Satzungsparagraphen - einen um den anderen. Rasch, weil sie es nicht zum ersten Mal mache und weil - wie sie betonte - es ohnehin ein langer Abend werden würde. Den Entwurf einer Satzung hatte jeder, der sich zuvor in die Anwesenheitsliste eingetragen hatte, bereits am Eingang in die Halle erhalten. Erste Änderungsanträge wurden gestellt und umgehend von den Teilnehmern angenommen oder abgelehnt.

Nach etwas mehr als einer Stunde konnte die Satzung beschlossen werden. Anschließend konnte man der neuen Energiegenossenschaft sofort beitreten. Die Resonanz war bemerkenswert positiv. Binnen Minuten hatten 113 Bürger aus Salach und Süßen eine Beitrittserklärung unterschrieben und 665 Anteile gezeichnet. Die neue Bürgerenergiegenossenschaft Mittlere Fils war im Nu mit einem Startkapital in Höhe von 133.000 Euro ausgestattet.

Die Stadt Süßen und die Gemeinde Salach traten mit als erste bei - persönlich auch deren Bürgermeister Marc Kersting und Bernd Lutz. Beide zeigten sich erfreut ob des erfreulichen Auftaktes. Einen solchen hatte man wohl nicht zwingend erwartet. Es herrschte Zufriedenheit wie bei einen erfolgreichen Börsenstart eines Unternehmens. Und es dürfe und könne von den Bürgern weiter gezeichnet werden, betonten die Bürgermeister Marc Kersting und Bernd Lutz.

Eine Begrenzung der Mitgliederzahl sieht die Satzung nicht vor. Ein Anteil an der Genossenschaft kostet 200 Euro. Mindestens ein und maximal 100 Anteile können gezeichnet werden. Beitrittserklärungen werden in den Rathäusern der beiden Kommunen bereitgehalten. Was am Donnerstagabend noch folgte, war die Wahl des Aufsichtsrats und die eines Vorstands. Nach gut zweieinhalb Stunden war die Gründung der Genossenschaft vollzogen - schneller als Elisabeth Strobel geglaubt hatte.

Das erste Projekt, das die neue Bürgerenergiegenossenschaft betreiben wird, steht bereits und ist schon in Betrieb. Die SUEnergie GmbH und Co. KG, Eigentümer des Stromnetzes der Stadt Süßen, veräußert ihre Photovoltaikanlage auf dem Dach des Kinderhauses und übernimmt auch die Gründungskosten in Höhe von rund 10.000 Euro.