Rund 80 Personen aus dem gesellschaftlichen Leben Eislingens waren der Einladung der Stadt gefolgt und zur Gründungsversammlung des Eislinger Bündnisses für Flüchtlingshilfe gekommen.

Kern des Bündnisse sind fünf Arbeitsgruppen, die sich um die Pflege einer Willkommenskultur kümmern, Alltagsbegleitung organisieren, Sprachförderung anbieten, sich um Integration durch Vermittlung von Aufgaben bemühen und Öffentlichkeitsarbeit zur Flüchtlingsproblematik betreiben. Die Arbeitsgruppen sollen weitgehend selbstständig arbeiten und von der beim städtischen Integrationsbeauftragten Bernd Letzel angesiedelten Geschäftsstelle betreut werden. Koordiniert wird die Arbeit von einem Lenkungsausschuss, dem Vertreter des Gemeinderats, der Stadtverwaltung, der Flüchtlinge, des Forums für Integration, der Asylpaten sowie der Arbeitsgruppen angehören.

Die Stadt wolle mit dem Angebot die ehrenamtlich tätigen Flüchtlingspaten unterstützen, erklärten sowohl Bürgermeister Herbert Fitterling als auch der Integrationsbeauftragte Bernd Letzel. Dies schließe sowohl finanzielle als auch organisatorische Aufgaben ein. Derzeit hofft die Stadt auf eine Förderung von 15.000 Euro bis 2016 durch das Landesprogramm "Gemeinsam in Vielfalt - Lokale Bündnisse für Flüchtlingshilfe". "Wir rechnen damit, dass unserem Antrag in den nächsten Tagen stattgegeben wird", zeigte sich der Integrationsbeauftragte der Stadt, Bernd Letzel, zuversichtlich. Den schon tätigen Asylpaten dankten Fitterling und Letzel für ihre "tolle, wertvolle und engagierte Arbeit".

Bernd Letzel verzeichnete am Ende des Abends bereits 15 Anmeldungen für die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen, und hofft in den kommenden Wochen auf weitere positive Rückmeldungen: "Von 100 ausgelegten Anmeldekarten blieben lediglich 15 liegen", freut sich der Integrationsbeauftragte. Zu den Treffen der Arbeitsgruppen im August und September wird es jeweils öffentliche Einladungen geben.

Melanie Skiba von der Nichtregierungsorganisation "Flüchtlingsrat Baden-Württemberg" informierte über die rechtlichen Rahmenbedingungen eines Asylverfahrens, über die derzeitigen weltweiten Wanderungsbewegungen und die Auswirkungen auf Baden-Württemberg und den Kreis Göppingen sowie die unterschiedlichen Anerkennungsverfahren in den einzelnen europäischen Ländern. So gab es etwa bei Flüchtlingen aus Syrien und Eritrea im Jahre 2014 gegenüber 2013 einen Anstieg von über 200 Prozent. Die Zahl der eingereisten Albaner explodierte im selben Zeitraum regelrecht um über 500 Prozent.

Viele Anregungen, die Skiba mitgebracht hatte, wurden in Eislingen bereits umgesetzt oder sind in der konkreten Planungsphase, etwa ein Café Asyl das am 25. August erstmals im Jugendhaus Talx geöffnet sein wird, ein Angebot an Deutschkursen oder die Begleitung bei Behördengängen. Es waren aber auch scheinbar banale Tipps dabei, die aufgrund der Selbstverständlichkeit in unserem Alltag leicht vergessen würden, so Skiba. Beispielsweise, dass es sinnvoll ist, Ordner und Locher für Asylbewerber bereit zu halten, damit Dokumente ordentlich abgelegt werden könnten. Skiba betonte, dass es sich bei der Begleitung um Hilfe zur Selbsthilfe und nicht Erziehung zur Unselbständigkeit handeln dürfe.