Bad Boll Buddhistische Mönche: Gemeinsam für den Frieden

Welche Wege zum Frieden kennen buddhistischen Mönche? In Bad Boll tauschen sich Ost und West im Rahmen eines Mandala-Gastspiels aus.
Welche Wege zum Frieden kennen buddhistischen Mönche? In Bad Boll tauschen sich Ost und West im Rahmen eines Mandala-Gastspiels aus. © Foto: Rebekka Khaliefi
Bad Boll / JÜRGEN SCHÄFER 11.09.2015
So ein Gespräch hat's im Kreis vielleicht noch nie gegeben: Buddhistische Mönche diskutieren nächste Woche mit hiesigen Friedensbewegten, welche Strategien es für den Frieden in der Welt gibt.

Von Nürtingen hat Linde Burchard die Idee mitgebracht. Dort machten vor zwei Jahren Mandala-Mönche Station auf einer Tour, die die Bad Bollerin organisiert hat, und die Nürtinger fanden eine Friedens-Diskussion mit ihnen sinnvoll. Die buddhistischen Mönche verstehen ihre Reisen in Europa ja als Beitrag zum Frieden. Linde Burchard greift das beim aktuellen Mandala-Gastspiel von indischen Mönchen in Bad Boll auf. Einen Moderator fand sie im Friedensbeauftragten des evangelischen Kirchenbezirks, Pfarrer Reinhard Hauff aus Heiningen. Der freut sich auf dieses "Experiment". Er sei gespannt, wie sich Buddhisten für den Frieden engagieren, welche Erfahrungen sie haben. "Ich habe davon noch keine Vorstellungen", sagt er. Er ist mit dieser Welt nie in Berührung gekommen. Mit dem Buddhismus habe er sich nur mal oberflächlich befasst.

Was Pfarrer Hauff mitbringt, sind die Erfahrungen der Friedensbewegung und Erkenntnisse der Konfliktforschung. Hauff kam in der hitzigen Nachrüstungsdebatte zur Friedensbewegung, damals in der evangelischen Studentengemeinde und "in großer ökumenischer Verbundenheit". Heute hilft der 56-Jährige ehrenamtlich in der ökumenischen Aktion "Ohne Rüstung leben". Davon wird man am 29. Oktober mehr sehen. Da kommen zwei Mitarbeiter dieser Initiative nach Heiningen. Sie werden bei einer Veranstaltung, zu der auch Hauffs Vorgänger Harald Wagner als Mitglied des Ausschusses "Friedensverantwortung der Kirche" beim Oberkirchenrat spricht, darlegen, ob es sinnvoll ist, die Bevölkerung mit Waffen schützen zu wollen oder besser auf die Vorbeugung von Konflikten setzt.

Rüstung für den Frieden oder Frieden ohne Rüstung? Für Hauff ist das keine Frage. Er hat schon Bundespräsident Gauck für den Vorstoß kritisiert, Auslandseinsätze der Bundeswehr auszuweiten. Das tat er im Namen seiner Kirchengemeinde. "Das Thema ist in Heiningen sehr zuhause." Es sei auch im Dekanat lebendig, in der Friedensdekade im November und speziell beim Sozialen Friedensdienst.

Akut sind für Hauff zwei Friedens-Themen: deutsche Waffenexporte und Atomraketen, die noch immer in Deutschland stehen. Letztere hätten Obama und die Bundeskanzlerin zwar mal abschaffen wollen, dann aber die Kehrtwende vollzogen: Die Atomwaffen in der Eifel sollen nun modernisiert werden.

In beiden Fragen sieht Hauff heute die Bevölkerung im Widerspruch zur Regierung. Laut einer Umfrage seien 60 bis 80 Prozent gegen Waffenexporte, fast alle wollten Atomwaffen in Deutschland weg haben. Seine Anklage: Die Rüstungsexporte seien in all den Jahren ständig gestiegen, Deutschland sei heute weltweit an dritter Stelle. Die Flüchtlinge, die zu uns kämen, flüchteten auch vor deutschen Waffen. Geliefert werde auch in Länder, die ihre Bevölkerung in Schach halten wollten. Ein Lichtblick sei, dass die ARD dazu einen Themenabend am 23. September plane. Zuvor wird in Bad Boll über "Strategien der Friedensarbeit" diskutiert. Wie groß die Resonanz ist, kann Hauff nicht abschätzen.

Info: Diskussion über Friedensstrategien am Donnerstag, 17. September, 19.30 Uhr, in der Seniorenwohnanlage in Bad Boll, wo das Sandmandala der indischen Mönche entsteht.

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