Um ihre kriselnde Beziehung aufzufrischen, beschließen Emma und Uwe, Urlaub auf Korsika zu machen. Auf der Fähre steckt ein Passagier Uwe ein Tagebuch zu. Der Ex-Fremdenlegionär hat darin über Jahrzehnte alle Hinweise zum legendären Rommel-Schatz gesammelt, den Nazis gegen Ende des Krieges heimlich vor der Insel versenkt haben sollen. In den Kisten, so heißt es, befinde sich Gold, geraubt von der SS, als sie die jüdischen Viertel von Tunis und Djerba ausplünderten.

Niemand weiß, ob der Schatz nicht bloß eine Legende ist. Doch Emma und Uwe gehen der Spur des Tagebuchs nach – und begeben sich prompt in Lebensgefahr. Denn die sogenannten „Hüter des Schatzes von Tunis“ haben ein ziemlich grundlegendes Interesse daran, dass die beiden nicht fündig werden ...

Seit vielen Jahren ist Werner Schmidt als Journalist für die NWZ tätig. Anfang 2017 machte der Lorcher eine Pause von der Zeitungsarbeit und lebte drei Monate lang auf Korsika – von Januar bis April, „in einer Zeit, in der man noch das ursprüngliche Korsika antrifft“. Schmidts Liebe zu dem Land wird im Buch deutlich, spätestens, wenn eine seiner Figuren über „die Schönheit der Insel“ räsoniert, „die ebenso rau ist, wie sie anschmiegsam sein kann“.

In den drei Monaten auf Korsika hat Schmidt das Manuskript zum Buch fertiggestellt, nochmal ein Jahr dauerten Feinschliff und Verlagssuche. Auf dem Einband steht sein Pseudonym Ben Vart, ein Anagramm des Schriftstellernamens B. Traven, bekannt durch seine Romane „Das Totenschiff“ und den prominent verfilmten „Schatz der Sierra Madre“.

Dass die Protagonisten einen Schatz im Meer suchen, ist kein Zufall. Schmidt ist begeisterter Sporttaucher und kennt die einschlägigen Schatz- und Tauchergeschichten. Lange stand er vor dem Problem, wie die Kisten von der Ostküste (dort wurde der Rommel-Schatz lange vermutet) auf die Westküste gekommen sein könnten (dort spielt die Geschichte). Das habe er im Buch gelöst, erklärt der Autor und grinst verschmitzt, ohne mehr verraten zu wollen.

Einen lupenreinen Abenteuerroman hat Werner Schmidt da geschrieben, angereichert mit Fakten über Land, Leute und einen anderen, spätrömischen Goldschatz, der tatsächlich einst an der Küste Korsikas gehoben wurde. Der Erzählstrang über die Arbeit der Ermittler ist nicht ohne Witz, auch hat der 66-Jährige ein Händchen für Dramaturgie, eine Gabe, angesichts der man schon mal über manche holzschnittartig gezeichnete Figur oder die nicht wenigen Orthografie-Fehler hinwegsieht. So fügt sich, teilweise in Rückblenden, Stein um Stein zu einem Bild über die Hintergründe der Handlung zusammen, wobei neben Judenverfolgung auch eine Nazi-Organisation nach 1945 und die korsische Mafia eine Rolle spielen. Ein gelungenes Romandebüt. Marcus Zecha

Info Ben Vart: Korsisches Erbe. Auf der Suche nach dem Schatz von Tunis; Taschenbuch, 449 S., Augusta Presse und Verlags GmbH Berlin, 16,90 Euro, ISBN 9783947110360.