Bahn Brückenschlag beginnt im Herbst

Mühlhausen / THOMAS HEHN 07.05.2015
Die Vorarbeiten laufen schon seit Ende 2013. Im Herbst wird nun mit dem Bau der Brücke der Schnellbahntrasse übers Filstal begonnen. Die Bahn informiert die Bürger jetzt in Mühlhausen, was sie erwartet.

Schon die Vorbereitungen sind nicht zu übersehen. Im Herbst wollen die Baufirmen Bögl und Porr nun richtig loslegen und die beiden 485 Meter langen bis zu 85 Meter hohen Brücken der Schnellbahntrasse übers Filstal aus dem Boden wachsen lassen. Die erste Brücke soll im Rohbau noch im Lauf des kommenden Jahres fertig sein. Ihre Zwillingsschwester für das Gleis Richtung Stuttgart soll Ende 2017 das Tal zwischen Mühlhausen und Wiesensteig überspannen. Die Projektleiter Matthias Breidenstein (Bahn) und Reinhard Plank (Firma Bögl) haben rund 140 Zuhörern am Dienstag in der Mühlhausener Gemeindehalle den aktuellen Stand sowie die weiteren Schritte beim Bau des Albaufstiegs erläutert.

Breidenstein zufolge kommt der Bau des 4847 Meter langen Steinbühltunnels schneller voran als erwartet. Nachdem beide Tunnel von der Baugrube Pfaffenäcker bei Hohenstadt aus bereits 3852 Meter vorangetrieben worden sind (Stand: 5. Mai), rechnet der Bahnplaner damit, dass die Mineure eventuell bereits im September den Durchbruch zum Portal Todsburg über dem Filstal schaffen.

Im Boßlertunnel zwischen Aichelberg und dem Portal Buch bei Mühlhausen läuft es nicht so glatt. Nachdem unter anderem wegen fehlender Genehmigungen um rund vier Monate verzögerten Start der Tunnelbohrmaschine türmen sich jetzt in Aichelberg im wahrsten Sinne neue "Hindernisse" auf. Weil das Regierungspräsidium die bei Aichelberg geplante Deponie nicht genehmigt hat, will die Bahn nun die 700.000 Kubikmeter Abraum aus dem Boßlertunnel auf einer weiteren Deponie in Hohenstadt ablagern. Dort ist man über den zweiten Schuttberg vor der Haustür nicht begeistert (siehe Bericht unten). Prognosen, wann man auch mit dem 8,8 Kilometer langen Boßlertunnel das Portal Buch über dem Filstal erreicht, wagte Breidenstein deshalb am Dienstag noch nicht.

Brücke soll übers Tal wachsen

Beim Bau der beiden Brücken über das Filstal will die Firma Bögl im Herbst zunächst am Portal Buch das Widerlager und den ersten Brückenpfeiler in Fahrtrichtung Ulm betonieren. Anschließend soll die Brücke im sogenannten Überbau-Verfahren Stück für Stück Richtung Ulm über das Tal wachsen. Neben den fünf regulären Pfeilern aus Beton werden dafür vier weitere Hilfspfeiler benötigt. Diese Stahlgitterkonstruktionen sind nur vorübergehend und werden wieder abgebaut.

Neben den Baustraßen zu den beiden Tunnelportalen mussten unter anderem noch zwei große Regenüberlaufbecken gebaut werden. In den jeweils 1000 Kubikmeter großen Becken wird nicht nur das von Baustraßen und Baustellen abfließende Niederschlagswasser aufgefangen. Die Becken dienen auch zur Klärung und chemischen Neutralisation. Da Wasser mit frischem Beton alkalisch reagiert, muss der angestiegene PH-Wert durch Zugabe von Kohlendioxid im Becken wieder abgesenkt werden, bevor das Oberflächenwasser wie geplant in die Fils geleitet werden kann. Für den späteren Betrieb der Bahnstrecke reicht ein Becken, um das von der Brücke abfließende Niederschlagswasser aufzufangen. Das zweite Becken wird wieder zurückgebaut.

Während in den Tunneln sieben Tage die Woche im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet wird, geht es auf der Brücke ruhiger zu. Wegen der über Tage geltenden Lärmschutzvorschriften werde an der Brücke nur Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr und am Samstagvormittag gearbeitet, versicherte Plank einem besorgten Bürger. Für eventuell erforderliche Überschreitungen dieses Zeitrahmens müssten eigens Sondergenehmigungen eingeholt werden.

Das Thema Lärmschutz war ein zentraler Punkt der Diskussion am Dienstag. So konnte mehrere Mühlhausener nicht verstehen, warum die Bahn den 1,50 Meter hohen Seitenwindschutz nicht erhöht. Wenn der Schutz auf Antrag der Feuerwehr mit einem zusätzlichen Geländer als Absturzsicherung bis auf 2,20 Meter erhöht werde, "könnte man das doch auch aus Plexiglas machen. Das ist doch kein großer Mehraufwand mehr", meinte ein Mühlhausener. "Wenn wir hier mehr machen als vorgeschrieben, wird uns das durch die ganze Republik treiben", winkte Breidenstein schon aus Kostengründen ab. Außerdem hätte die zusätzliche Angriffsfläche für den Wind auch nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Statik der Brücken, warnte der Planer. Ein anderer fürchtete den noch weiter zunehmenden Lärm, wenn auch noch die Lkw mit dem Abraum aus Aichelberg die A 8 hochfahren. "Die 200 Voll- und 200 Leerfahrten am Tag werden den Schallpegel nicht sonderlich heben", meinte darauf der Projektleiter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel