Böhmenkirch Brasilien in Böhmenkirch

CLAUDIA BURST 03.07.2012
Autor Dirk Walbrecker und der Percussion-Zauberer Gilson de Assis entführten am Freitagabend die Besucher der Bibliothek "Im Kronenhof" in Böhmenkirch in die Mythen-Welt Brasiliens.

Was sich im ersten Augenblick anhört, wie ein Widerspruch in sich selbst, nämlich Brasilien und Böhmenkirch, wurde am Freitagabend bei der "Brasilianischen Nacht" der Bibliothek "Im Kronenhof" zur Realität. Sogar das Wetter spielte zu 100 Prozent mit und bescherte den Älblern äquatoriale Temperaturen.

Da mussten sich die Gäste des Abends - Buchautor Dirk Walbrecker und der Rhythmus-Zauberer auf jedem erdenklichen Art von Instrument, Gilson de Assis - gar nicht mehr allzu sehr anstrengen, um die etwa 50 Besucher in die Mythenwelt Brasiliens zu entführen.

Sie taten es dennoch. Und begeisterten die Zuhörer sowohl mit den ausgesuchten Legenden, Sagen und Fabeln als auch mit der passenden Musik.

Walbrecker hatte sich überlieferte Geschichten der schwarzen brasilianischen Bevölkerung ausgesucht sowie solche der indianischen Ureinwohner. Seine Erzählungen ließen einen Einblick in die Gedankenwelt der fremden Kulturen zu. Wie in deutschen Fabeln amüsierten die einfallsreichen, bunten Geschichten beim Zuhören, hatten daneben aber auch einen moralischen Hintergrund, wollten also nebenbei zum Nachdenken anregen. Der Kinder- und Jugendbuchautor streifte im Lauf des Abends eine bunte Vielfalt brasilianischer Literatur von den Mythen der Ureinwohner bis zu Geschichten aus der Moderne, von denen er eine sogar selbst geschrieben hatte.

Was den spannenden Lese-Abend in der Bibliothek zu einem besonderen Erlebnis machte, war das brasilianische Temperament seines Kompagnons Gilson de Assis. Das äußerte sich in dessen Fähigkeit, aus den dubiosesten Instrumenten einen faszinierenden Rhythmus und Tonklang zu zaubern. So präsentierte er im Anschluss an die Geschichte der beiden afrika-stämmigen Buben ein ursprünglich afrikanisches Instrument, ähnlich einem Bogen, versehen mit einer Kalebasse, das die Sklaven einst für ihren "Kampftanz" eingesetzt hätten. Solch faszinierend fremdartige Klangvielfalt holte er danach aus der Conga heraus, die er mit hohlen Händen, mit Fingern oder "floating hands" bearbeitete - und sichtlich Spaß dabei hatte. Eine Art Vase mit Loch, ein bespannter Rahmen, einfach bloß Stifte, ein Plastikbecher oder auch nur Hände und Körper, der Brasilianer schaffte es durchweg, bei den verblüfften Besuchern "Wow-Effekte" zu erzielen.

Selbst die Pause im zweigeteilten Abend konnte brasilianisch genossen werden: das Café "Im Kronenhof" beteiligte sich mit brasilianischen Cocktails und Fingerfood am kulturellen Ereignis.