Bad Boll Boller Hotelier schreibt Mundart-Gedichte

Im Foyer seines Hotels präsentiert Hans-Ulrich Kauderer, alias Hannes von Boll, seinen ersten Gedichtband. Viele seiner Gedichte hat er auch vertont.
Im Foyer seines Hotels präsentiert Hans-Ulrich Kauderer, alias Hannes von Boll, seinen ersten Gedichtband. Viele seiner Gedichte hat er auch vertont. © Foto: Giacinto Carlucci
Bad Boll / MIRIAM KAMMERER 10.10.2013
"Aus em Leba" heißt der erste Gedichtband mit CD von Hans-Ulrich Kauderer alias Hannes von Boll. Thomas Wolf hat das Buch mit Bildern aus der Umgebung illustriert - ein Stück Heimat in Wort, Ton und Bild.

"Die schwäbische Bibel war vielleicht die Initialzündung" für das Schreiben, erzählt Hans-Ulrich Kauderer bei einem Gespräch in seinem Bad Boller Hotel. "Das Schwäbische strahlt eine ganz andere Wärme aus", beschreibt Kauderer seine Eindrücke über die Mundartbibel von Pfarrer Rudolf Paul. Jüngst sind seine eigenen Gedichte im Dialekt erschienen. Kauderer beschreibt vor allem Themen aus dem Alltagsleben und aus der Gegend. Manchmal sei es gar nicht so leicht, auf Schwäbisch zu dichten, erzählt Kauderer, die Nasale am Ende können unterschiedlich klingen, das ist im Standarddeutschen anders. Auf der anderen Seite kann er sich im Schwäbischen gezielter ausdrücken: "Da gibt es ein Wort dafür und das passt, auf Hochdeutsch müsste ich das mit zehn Wörtern umschreiben, und es wäre doch nicht richtig", sagt Kauderer.

Hans-Ulrich Kauderer wurde in Esslingen geboren und startete dort seine berufliche Karriere als Bankkaufmann. Danach studierte er in Hohenheim und Amsterdam Wirtschaftswissenschaften. "Zur Gastronomie kam ich durch Heirat", sagt Kauderer, nicht ohne verschmitzt zu lächeln. Seit 2003 sind Kauderers in Bad Boll und fühlen sich dort richtig wohl. Zu einem Geburtstag im Bekanntenkreis beschlossen er und eine Freundin, ein persönliches Geschenk zu machen: Kauderer schrieb dafür Lieder, die er am Klavier begleitet, verbunden wird das Ganze mit Kabarett. Die Proben machten dem 47-Jährigen so viel Spaß, dass er weitermachen wollte.

Schnell ging es zum ersten offiziellen Auftritt: Im Januar diesen Jahres stand er als "Hannes von Boll" auf der Bühne. Gemeinsam mit seiner Partnerin "Hilde" schrieb er ein Kabarettprogramm. Die Zuschauer waren begeistert und forderten Zugabe. Ein Glück, dass Kauderer kurz zuvor ein Gedicht geschrieben hatte. Als Zugabe las er seinen Erstling "Von Buaba, Mädle ond dr Liebe" vor. Das kam an, und so schrieb er weitere Gedichte. Meist schreibe er in seiner Freizeit, "also nachts", so Kauderer. Die Ideen bekomme er im Alltag. Meist gehe das Schreiben sehr schnell, in zwei oder drei Tagen könne er ein Gedicht zu Papier bringen, in Einzelfällen dauere es länger. Die Gedichte für sein Buch sind zwischen Januar und Juni entstanden.

Seine Gedichte hat er teilweise vertont. Thomas Wolf, ein Freund Kauderers, hat den Gedichtband illustriert, inhaltlich passend mit idyllischen Motiven aus der Region. Seine Gedichte sind einfach geschrieben, das Schwäbische kann beim Lesen eine Herausforderung sein. Oft wird der Leser sich und seine Mitmenschen wiedererkennen und lachen, wenn Kauderer die schwäbische Lebensart humoristisch und feinfühlig aufs Korn nimmt. Lebendig wird es mit Lautmalereien, wenn er etwa von noch einem "Schl-lu-luck" schreibt, den sich die Männer im Kochkurs erlauben. Sehr gefühlvoll sind die Vertonungen seiner Gedichte.

"Schwäbisch liegt mir nahe", erklärt Kauderer. Im Beruf müsse er Hochdeutsch sprechen, das Schwäbische sei das Bindeglied für die Menschen hier, und er sei ein Verfechter des Dialekts. "Es wäre schade, wenn das ausstirbt", ergänzt er. Neben diesem Engagement für die Sprache der Region setzt sich Kauderer auch für heimische Produkte ein. Hier kommt sein Beruf ins Spiel. In seiner Gastronomie werden viele regionale Produkte angeboten. Der Kreis schließt sich bei seinem Kabarettprogramm, dem Weinkabarett, das sich Weinen aus der Region widmet - natürlich auf Schwäbisch.

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