Bad Boll Boller Bußtag: Verwobene Selbsterfahrung

Die Franziskanerin Pietra Löbl vor einem ihrer Textbilder aus Leinengewebe.
Die Franziskanerin Pietra Löbl vor einem ihrer Textbilder aus Leinengewebe. © Foto: Sandra Thurner
Bad Boll / SANDRA THURNER 21.11.2015
Werke der Franziskanerin Pietra Löbl sind in der Evangelischen Akademie zu sehen. Eröffnet wurde die Ausstellung am Boller Bußtag der Künste.

Die katholische Ordensschwester und freischaffende Künstlerin Pietra Löbl lebt sozusagen in den Erfahrungswelten von Kunst und Religion. Und genau dieses Verhältnis wurde beim diesjährigen Boller Bußtag der Künste ausgelotet: Im Anschluss an die Vernissage hielt Jean-Pierre Wils, Theologieprofessor aus Nijmengen einen Vortrag zum Thema "Kunst und Religion: Ein prekäres Verhältnis". Auch die Vita der Künstlerin bewegt sich zwischen diesen beiden Polen. Nach einer Ausbildung als Pharmazeutisch-Technische Assistentin trat die gebürtige Ulmerin 1989 in die Kongregation der Franziskanerinnen von Sießen ein. Von 1993 bis 2000 absolvierte sie ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart.

Die Kunst der Ordensschwester ist eine Kunst des Geschehen-Lassens und zeugt von materialisierten Selbsterfahrungsmomenten. Löbl präsentiert minimalistische Werke aus Papier, gewebten und nachbearbeiteten Stoffen und Eisenblechen. Weiß ist der Nenner, der vorwiegend den Grund für weitere künstlerische Bearbeitungen bildet.

Die Ideen und Umsetzungen spiegeln auch das Vertrauen, das Gottvertrauen der Schwester wider. Eine Tropfinstallation zeigt auf fünf Eisenständern verschiedene Gewässer - vom Boller Schwefelwasser bis hin zur Jurafango-Lösung -, die auf Papier tropfen und so scheinbar zufällige Wasserzeichnungen entstehen lassen. "Es ist ein In-Gang-setzen von Prozessen, die Ergebnisse sind nicht planbar", sagte Reinhard Lambert Auer, der Kirchenrat und Kunstbeauftragte der Evangelischen Landeskirche.

Häufig verwendet Löbl Leinengewebe. Sie zieht Fäden, um Wörter daraus zu formen oder sie an anderer Stelle wieder neu zu verwenden. Aus der Zweidimensionalität wird so beispielsweise ein dreidimensionales, raumfassendes Objekt, eine neue Hülle. Ein sogenanntes Textbild zeigt das Wort "bloß". Das sei vom Terminus der Blöße abgeleitet und sei im Rahmen einer Krankenhausausstellung entstanden, erzählte Löbl. In diesem Kontext sei das Wort von besonderer Bedeutung, aber im Grunde seien wir ja alle "bloß", gab die Ordensschwester zu bedenken.

Der Theologieprofessor Jean-Pierre Wils griff das Thema intellektuell auf, fragte "Kann es heute noch religiöse Kunst geben?" und stellt die soziale Autonomie der Künstler als Argument dagegen.